Schriftgröße: + -
Home > Film erleben > Kino-News > Kinostart 08. Juni 2006 > Wenn die Flut kommt

Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

Kino-News

Kinostart 08. Juni 2006 - 06/06/06

Wenn die Flut kommt

Ein Film von Yolande Moreau & Gilles Porte


Leise, ungewöhnliche Liebesgeschichte
zwischen zwei gewöhnlichen Menschen

Weitere Artikel zum Thema

Frankreich/Belgien 2004, 93 Min.
Mit Yolande Moreau, Wim Willaert, Jacky Berroyer, Jacques Bonnaffé, Nand Buyl

Synopsis: Irène (Yolande Moreau) tingelt mit ihrem Ein-Frau-Theaterstück „Sale Affaire“ durch den Norden Frankreichs. Eines Tages trifft die verheiratete Frau und Mutter dabei auf den Lebenskünstler Dries (Wim Willaert). Zwischen ihnen entwickelt sich ganz langsam und vorsichtig eine leidenschaftliche Affäre.


  • Hörproben (mp3-Audio)

Le portrait
(0'50)
Les dunes
(1'08)
Fin de fete
(0'57)
Le pont levis
(1'23)


Kritik: Teilweise autobiographisch ist dieses französische Road-Movie, das im Norden des Landes, nahe der belgischen Grenze spielt. Die Landschaft ist hier rau aber doch auch poetisch, genau wie das Stück, das Irène auf den Bühnen der Kultur- und Jugendzentren aufführt, „Sale Affaire du Sexe et du Crime.“ 1982 schrieb Yolande Moreau dieses Stück – an einsamen Nachmittagen in Tanzcafes - und tourte damit durch Frankreich, Belgien und Montréal.

Ihr Debütfilm, den sie mit Gilles Porte zusammen geschrieben und inszeniert hat, erzählt eine ganz einfache Liebesgeschichte. Mit rauer Stimme röhrt Irène hinter ihrer Furcht erregenden Maske mit der langen spitzen Nase „ich habe mich mit einem Verbrechen beschmutzt,“ und holt dann einen „Freiwilligen“ aus dem Publikum, in diesem Falle Dries. Den nennt sie später liebevoll „Küken“ und prophezeit ihm den Beginn einer „neuen Liebe.“ Womit sie Recht behalten soll.

Mit seiner sehr direkten, oft impulsiven Art rüttelt Dries lange Zeit verschüttete Seiten in Irène wach. Er weckt ihren Spieltrieb, weckt die schlafende Prinzessin im kleinen Mädchen, das sie auch immer noch ist. Dass eine so spezielle Liebe zwischen so ungleichen Menschen im Alltag nicht bestehen kann, versteht sich. Als Dries Irène seinen Adoptiveltern als „seine Frau“ vorstellt, geht bei Irène etwas irreparabel kaputt. Wortlos zieht sie sich aus ihrer Affäre zurück und überlässt Dries seiner Trauer.

Den gemeinsamen Zustand, in dem sich die beiden befinden, beschreibt der Chanson „Quand la mer monte...“ von Raoul de Godewarsvelde sehr gut, der heute noch gerne im Norden Frankreichs gesungen wird. „Wir haben den Titel auch gewählt, weil er zu unserem Film passte“, sagt Yolande Moreau, „Das ansteigende Meer verwischt alle Spuren, erneuert den Sand und bedeckt für eine Zeitlang alles, während der Flut. Es ist mächtig wie die Lust und salzig wie die Tränen.“

Wenn die Flut kommt erzählt in einfachen, schönen Bildern, eine leise Geschichte, die erfrischend unspektakulär daherkommt. Nie etwa wird der Ehebruch Irènes moralisch hinterfragt. Die Hauptdarsteller wirken verblüffend naturalistisch. Da trägt etwa Yolande Moreau Pippi-Langstrumpfzöpfe, und gibt sich gänzlich ungeschminkt. Die Schönheit dieser Natürlichkeit und ihre Direktheit wirken geradezu überwältigend.

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 06-06-06
Letzte Änderung: 06-06-06