Das Interview mit Arnaud Cathrine - auf französisch
"Der Schriftsteller hat diesen magischen Stift in der Hand“, erklärt Jean-Jacques Schuhl. „Das Ende bleibt offen, aber man kann sich vorstellen, dass er dank dieses jahrhundertealten Objekts schliesslich seine Inspiration finden wird. Und vor allem ist er von der Welt der Fiktion und der Fantasie in die Wirklichkeit gelangt. - Am Ende des Romans triumphiert also die Literatur und die Fiktion."
Aber vor seinem Triumph muss der Schriftsteller in die Welt der Lebenden und Toten eintauchen. Jean-Jacques Schuhl: "Dieser Schriftsteller ähnelt einem Schreiber. Er ist ein einfacher Sender und Empfänger... und genauso sehe ich mich auch. Ich glaube nicht an Inspiration, sondern betrachte mich idealerweise als Medium für meine Umwelt und für die Phantome, die Büchern entspringen und mich inspirieren können..."
Arnaud Cathrines Double ist der umgekommene Schriftsteller Benjamin Lorca. Für seine Meditation über die Macht der Literatur wählte Cathrine den Blickwinkel der Umgebung des Verstorbenen: „Wie ist es, wenn man in seinem Bekanntenkreis einen Schriftsteller hat? Das ist doch gar nicht so selbstverständlich. Denn ein Schriftsteller ist zunächst einmal ein Rätsel: Man weiss nie, warum er eigentlich schreibt. Und dann ist ein Schriftsteller immer eine Bedrohung. Wenn man literarische Texte verfasst, verfügt man über die seltsame Macht, in die Intimsphäre seiner Figuren einzudringen zu und darüber muss ein Schriftsteller nachdenken."
In Cathrines Roman fragen sich vier Protagonisten, ob man das Tagebuch lesen soll, das nach dem Tod von Benjamin Lorca entdeckt wurde.
"Jede meiner vier Figuren hat gute Gründe, sich auf dieses Manuskript zu stürzen und es zu lesen - oder nicht“, kommentiert Arnaud Cathrine. „Ich fand es interessant, Figuren in Szene zu setzen, die das Manuskript von Benjamin Lorca eben nicht lesen und damit seine Intimsphäre schützen, und das zu einer Zeit, in der die Enthüllung des Intimen gang und gäbe ist. Ich hatte einfach Lust, in diesem Roman zu behaupten: das Schamgefühl existiert und Benjamin Lorca hat ein Recht auf sein Innenleben und auf Anspruchsberechtigte, die es respektieren."
Romane
"Le Journal Intime de Benjamin Lorca" von Arnaud CathrineVerlag: Verticales







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