Hollywood und der Holocaust
Der deutsche Faschismus war schon bald nach der Machtergreifung Hitlers ein Thema, das die amerikanische Filmindustrie auf die Leinwand bannte. Die Ergebnisse dieses Ringens um die Darstellung der deutschen Gefahr fielen höchst unterschiedlich aus. Laurel und Hardy zogen gemeinsam mit Donald Duck und Tarzan mit eher grobschlächtigem Humor gegen die Nazis zu Felde, Charlie Chaplin und Ernst Lubitsch machten den Führer mit weit feinsinnigerem Humor lächerlich. Auch der immer brutaler
zu Tage tretende Antisemitismus und die Gräuel der Lager waren bereits lange vor Kriegsende ein Thema, doch das wahre Ausmaß der systematischen Ermordung der europäischen Juden wurde erst bei der Befreiung der Konzentrationslager erkannt und von Filmschaffenden aus Hollywood dokumentiert.Mogule wie Jack Warner glaubten, dass es nach den Todeslagern keine Möglichkeit mehr geben werde, zur alten Unbeschwertheit, der Frivolität der frühen Hollywoodjahre zurückzukehren. Der einsetzende kalte Krieg, die Deutschland zugedachte, neue Rolle belehrte ihn schnell eines Besseren. Erst Ende der 1950er Jahre griff die Traumfabrik das Thema wieder auf und erzählte die ergreifende Geschichte der Anne Frank und für das neue Medium Fernsehen die Geschichte der Nürnberger Prozesse. Zwei Jahre später wurde hieraus ein Film, an dem alle, die in der Industrie Rang und Namen hatten, mitwirkten. Seither wurde das Thema immer wieder im Film behandelt, dabei entstanden Meisterwerke wie Sidney Lumets DER
PFANDLEIHER mit Rod Steiger in der Rolle eines Überlebenden, der vom Horror der Vernichtungslager verfolgt wird, SOPHIES ENTSCHEIDUNG nach dem Roman von William Styron mit Meryl Streep in der Rolle einer Polin, die vor die schreckliche Wahl gestellt wird, welches ihrer beiden Kinder überleben darf, Steven Spielbergs SCHINDLERS LISTE und schließlich Roman Polanskis DER PIANIST. Die größte Breitenwirkung jedoch hatte ein Fernsehprogramm: die Serie HOLOCAUST, in der Regisseur Marvin J. Chomsky am Schicksal der Familie Weiss das Martyrium der Juden verdeutlichte.Der neue Film des Emmy-Preisträgers Daniel Anker zeigt in eindrucksvollen Filmausschnitten und Interviews nicht nur, wie sehr Hollywoodwährend des letzten halben Jahrhunderts um die Darstellung des Unvorstellbaren gerungen hat, sondern auch wie sehr die Bilder der Traumfabrik unsere Vorstellung vom Holocaust geprägt haben.
Dokumentation von Daniel Anker
USA / Großbritannien / Deutschland / Finnland 2004, 92 Min.
Erstausstrahlung
> um 23.55 Uhr
Diskussion
Gestern und heute: Die Shoa denken und übertragen
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind die europäischen Gesellschaften tief verunsichert. Steigende Arbeitslosigkeit, Orientierungslosigkeit und ansteigende Gewalt machen den Anderen zum Fremden und den Fremden zur Bedrohung. Nicht zuletzt wegen des internationalen Terrorismus und des Mordes an dem niederländischen Regisseur Theo van Gogh ist ein Schatten auf unser Zusammenleben gefallen - nie war das Misstrauen so groß. Das Modewort "Parallelgesellschaften" ist in aller Munde. Sich mit der Geschichte auseinander zu setzen bedeutet auch eine Auseinandersetzung mit den Grundwerten, auf die unsere Gesellschaft gebaut ist. 60 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz müssen wir uns heute die Frage stellen: Was haben wir aus der Geschichte gelernt, beziehungsweise was können wir noch aus ihr lernen?
Gäste der Diskussionsrunde sind:
Annette Wieviorka, Historikerin, als renommierte Holocaust-Forscherin hat sie zahlreiche Bücher zur Geschichte der Juden im 20. Jahrhundert, zum Genozid und zur Frage der Erinnerung veröffentlicht.
Barbara Schäuble, Historikerin, renommierte Holocaust-Forscherin. Arbeitet und sensibilisiert Schüler auf dieses Thema.






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