Bye, bye, linke Kulturkritik. Die 80er sind auch das Jahrzehnt, in dem die Wallstreet plötzlich cool und in Hollywood vermarktet wird. Die Popper der frühen 80er bilden die Vorhut, ihnen folgen die Yuppies. Sade, Everything but the Girl und Matt Bianco liefern die musikalische Kulisse für die gepflegte Party mit Leonardo-Gläsern und Mumm-Sekt. Die neuen Superstars heißen Madonna und Michael Jackson. Und Kommerz ist ab sofort kein Schimpfwort mehr, ganz im Gegenteil, man bekennt sich sogar dazu.
Schluss mit „Null Bock!“, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt. Die Popper der frühen 80er sind die Vorhut, ihnen folgen die Yuppies, „Young Urban Professionels“: Sie avancieren zu Role-Models und tummeln sich in den V.I.P.-Lounges der großen Discotheken. Man hüllt sich ins Spencer-Jackett oder das kleine Schwarze und lässt Sit-In und Selbsterfahrungsgruppe weit hinter sich. „Hedonismus“ ist wieder angesagt, und Cyndie Lauper, gewiefte Geschäftsfrau, Prototyp des „Girlie“, will deshalb einfach nur Spaß. Obwohl Madonna in „Suzan … verzweifelt gesucht“ noch als annähernd obdachlose Postpunkgöre durch New York irrlichtert, ist seit „Material Girl“ klar: Neue Superstars nehmen allen Indie-Sehnsüchten den Wind aus den Segeln, nutzen das neue Medium Video konsequent nicht nur in künstlerischer Hinsicht, sondern auch als Werbeträger – und tragen so den „Monetarismus“ direkt aufs eigene Konto.
Michael Jacksons „Thriller“ ist in jeder Hinsicht ein Epochenbruch, sowohl die Verkaufszahlen als auch die multimediale Umsetzung betreffend: Vorher gab es Super-, jetzt gibt es Mega-Stars. Auch Prince erkennt die „Signs ‚o‘ the Times“.
Mit dem neu erfundenen Walkman macht das auch gleich viel mehr Spaß: Das Leben ist ein Film. Auf einmal rennt auch der Hipster ins Fitnesscenter: Die „Mucki-Bude“, einst im Umfeld von Zuhältern verortet, wird Volkssport: Plötzlich müssen auch Männer mithalten, seitdem die Calvin-Klein-Models überlebensgroß an Wolkenkratzern prangen. Bruce Webber und Helmut Newton färben die 80er schwarz-weiß – teils in Leni Riefenstahl nachempfundener Ästhetik.
Chromglänzend ist auch ein Umbruch der Produktivkraftentwicklung: Irgendwie gelingt es der Industrie, die Konsumenten davon zu überzeugen, sich ihre Vinyl-Sammlung gleich noch einmal auf CD zuzulegen. In Deutschland und Frankreich wird das Privatfernsehen eingeführt, doch während Canal+ die Filmproduktion staatlich gesteuert ordentlich ankurbelt, legt Leo Kirch seine Lederhosenpornos neu auf und schenkt dem „Mann von Welt“ die bunte SAT1-Kollektion.
Ähnlich bunt industriell ist die Musikproduktion von Stock, Aitken & Waterman: Das ist zwar nicht neu, dass musikalische Massenware gefertigt wird, neu aber ist, dass man die Produzenten dafür feiert und zum Kult erklärt.
Bands wie Heaven17 thematisieren den Umschwung: Sie zeigen sich als Broker in Nadelstreifen auf ihren Plattencovern und kreiden den Dylans vor ihnen an, dass diese nie zugegeben hätten, dass sie natürlich Musik auch machen, um Geld zu verdienen. Was bei Sozialisten wie Heaven17 noch kritisch gemeint ist, wird frei von jeder Ironie binnen kurzem Mainstream. „Kommerziell“ gilt nur noch der schwindenden Menge der Indie-Freaks als Makel. Die Avantgarde erklärt Werbung zur Kunstgattung, und statt über Filz und Fett diskutiert man nun über das Layout von ID und The Face.
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Videos
Michael Jackson - Thriller
Sade - Smooth Operator
Everything but the Girl - Driving
Everything but the Girl - I don't to talk about it
Matt Bianco -Yeh Yeh!
Yello- Bostich
Roxy - Ladytron
Roxy - More than this
Buggles - Video Killed the Radio Star
Peter Gabriel - Sledgehammer
Queen - Radio Gaga
Lionel Richie - Hello
Wham! - Wake Me Up Before You Go-Go
a-ha - Take on me







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