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Berlinale 2005 - Panorama - 19/02/05

Weiße Raben

Ein Dokumentation von Tamara Trampe und Johann Feindt


Alptraum Teschetchenien

Der Kriegsschauplatz Tschetchenien lässt auch die vermeintlich siegreichen Besatzer in Gestalt russischer Rekruten als Verlierer zurück. 3 Jahre lang beobachteten Johann Feindt und Tamara Trampe, wie die Soldaten nach ihrer Rückkehr von der Front versuchen, sich wieder in den russischen Alltag einzugliedern.

Das Leben hat sich für die jungen Wehrpflichtigen unumkehrbar verändert – einer hat sein Bein verloren, der andere mag nicht mehr sprechen angesichts seiner Kriegserlebnisse. Auf den jugendlichen Gesichtern zeigen sich Spuren der Verwüstung. Für diese desillusionierten Verlierer, allein gelassen mit ihren Erfahrungen von Folter und Tod,  gibt es in der russischen Gesellschaft keinen Platz. Nur das Komitee der russischen Soldatenmütter   bieten ihnen und den Eltern ein Forum angesichts der völligen Gleichgültigkeit der politischen Machthaber.

Erschütternd ist auch die Geschichte von Kiril, der nach seiner Rückkehr aus dem Krieg zwei Kinder vergewaltigte und dafür über 10 Jahre ins Gefängnis musste. Schade, dass die Filmemacherin Tamara Trampe da nicht der Versuchung widerstehen konnte, vor die Kamera zu treten und dem Jungen zum Zeichen des Trostes emotionsheischend ihre Hand reicht. Hier zeigt sich die Betroffenheit des Dokumentarfilmers am falschen Platz, auch wenn die Geste echt gewesen sein mag.

Martin Rosefeldt
Weiße Raben - Alptraum Teschetchenien. Panorama Dokumente
Regie: Tamara Trampe/Johann Feindt.
Co-Produktion: ZDF/ARTE 

Erstellt: 19-02-05
Letzte Änderung: 19-02-05