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„Sie haben mir das Geschäft verdorben“, empört sich Danika Miocic, die Besitzerin des kroatischen Restaurants „Dalmacija“ in der belebten Brunnenstraße, die den Wedding durchzieht. „Seitdem die Läden auf der Straße dem Künstlerquatsch weichen mussten, habe ich keine Gäste mehr.“
Discounter, alte Fernsehcafés in den heruntergekommenen Hochhäusern und junge Leute, die am U-Bahnhof Voltastraße „herumhängen“ – im Ortsteil Wedding (durch die Verwaltungsreform von 2001 wurde der zuvor eigenständige Stadtbezirk Wedding zum Ortsteil und als solcher dem Stadtbezirk Mitte zugeschlagen – A.d.Ü.) scheint die Zeit seit dem Mauerfall stillzustehen. Lange war der Wedding das Symbol für den Aufschwung im Westteil der Stadt, jetzt steht er für die chronische Armut in Berlin: enorme Drogenprobleme, Hartz-IV-Empfänger in der Überzahl, viele Schwarzarbeiter und 70 % Migranten, überwiegend Türken.

Seit ein paar Jahren gibt es immer mehr Modetreffs in Berlin. Drei Fragen an Tanja Mühlans, Referentin für Creative Industries bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen.

Um wieder Leben in den Kiez zu bringen und ihn „sauber und sicher“ zu machen, beschloss das vom Staat bezuschusste Unternehmen, einen Teil der leerstehenden Räumlichkeiten jungen Designern anzubieten. „Große Räume, hervorragende Verkehrsanbindung“, hebt Erika Kröber hervor und rühmt sich, eine „Vision“ für den Ort zu haben: „Wedding ist ein wenig das neue Brooklyn. In den nächsten Jahren wird der Stadtteil ‚the place to be’ sein!“ Die Degewo beschäftigt eine Werbeagentur, streckt ihre Fühler nach prominenten Partnern aus und betätigt sich obendrein als Talentsucherin. Sie will dem Brunnenviertel Zukunftsperspektiven eröffnen. In diesem Rahmen entstand das Konzept des „Wedding Dress“: Vielversprechenden Kreativen aus Mode und Design werden für eine begrenzte Zeit miet- und nebenkostenfreie Räume angeboten. Damit will man eine positive Aufmerksamkeit für Brunnenstraße und Brunnenviertel erzeugen und Leute anziehen, die sonst nicht hinkommen würden.
Die ehemaligen Geschäftsleute werden aufgefordert, sich anderswo anzusiedeln, während Designerläden, Kunstgalerien und Architektenbüros an der Brunnenstraße wie Pilze aus dem Boden schießen. Sie heißen „Rosinenburg“, „Modepioniere“ oder „Kulturgymnastik“ - echte Codenamen für Läden, die sich deutlich von ihrem Umfeld abheben: Durch die breiten Schaufenster hindurch sieht man minimalistische Inneneinrichtungen und seidenstoffbespannte Verkaufsständer, gut gekleidete und schick bebrillte junge Leute, die auf dem MacBook klappern oder auf Nähmaschinen rattern.
Doch die Weddinger stehen mehr auf Trainingsanzüge als auf Vintagemode. „Das ist kein Ort für junge Designer“, sagt Helga Bauer, die seit 1986 ein paar Ecken weiter wohnt. Warum sollte sie einen solchen Laden betreten? „Da ist doch sowieso alles zu teuer!“
In den Räumlichkeiten des großen Modeateliers „Modepioniere“, das in einer ehemaligen Bank untergekommen ist, äußert Sabina Kelle, die Gründerin des Sportswear-Labels „Widda“, ihre Zweifel: „Gleich zu Beginn des Projekts sind wir hier mit drei jungen Designern eingezogen, aber ich fühle mich immer noch wie ein Fremdkörper. Die Leute glauben, die anderen Geschäftsleute seien durch unsere Schuld vertrieben worden, obwohl wir nichts damit zu tun haben.“ Und sie fügt hinzu: „Auf jeden Fall ist es schwierig, hier zu verkaufen.“
Im Wedding arbeiten ist kein Problem, aber dort zu wohnen, kommt nicht in Frage. Die meisten der angehenden Designer wohnen im Schickimicki-Paradies: den angrenzenden Ortsteilen Mitte und Prenzlauer Berg (beide ehemals Ostberlin). In DDR-Zeiten fiel dort der Putz von den Häusern und überall waren Schlaglöcher. Jetzt ist alles wunderbar restauriert, und man sitzt in Szene-Kneipen auf den belebten Straßen oder in den Hinterhöfen voller Blumen und Grün.
Gentrifizierung verpflichtet: Die beiden Viertel sind in den letzten zehn Jahren stark verbürgerlicht, die Mieten bis um 25 % gestiegen. Es ist also eine Chance, ja sogar ein Luxus, wenn man im Wedding einen billigeren Laden oder ein kostengünstigeres Atelier aufmachen kann. Denn die Mietpreise der Degewo in der Brunnenstraße sind eher symbolisch: 3 Euro pro m2! „Das ist ein guter Anfang, das Atelier gefällt mir sehr, man kann sehr gut darin arbeiten“, versichert Sabina Kelle. Aber ob sie den Mietvertrag verlängert, weiß sie noch nicht.

Iñaki Azukuna-Urreta und Klaus Wowereit
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Zwanzig Jahre nach dem November 1989 gibt es im Herzen von Berlin keine Mauer mehr. Doch nach wie vor treffen – nur ein paar hundert Meter voneinander entfernt - schreiende Gegensätze aufeinander, inzwischen allerdings mit umgekehrtem Ost-West-Vorzeichen: Heute trennt eine unsichtbare Grenze die Welt der schicken bürgerlichen Mitte, des Szenelebens und des Latte macchiato von der Welt der Armut, der sozialen Unsicherheit und des Döner Kebab.
Prune Antoine
ADRESSEN
Restaurant Dalmacija
Brunnenstrasse, 63
+4930 4 63 60 69
Modepioniere
Brunnenstraße 67
T +49 30 96514022
Deco Loco
Brunnenstraße 65
T : +49 176-27074837
PENKOV & LENZ GBR
Invalidenstr. 155
10115 Berlin
PHONE +49 (0)30. 46 30 90 47
Degewo
Wedding Dress festival (3)







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