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Jahrhundertaufnahmen Jazz

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Jahrhundertaufnahmen Jazz

Jahrhundertaufnahmen des Jazz - 28/11/08

Weather Report: "Weather Report"

Sony/BMG 1251 Sony/BMG 1CK48824


FUTURISTISCHE KLANGEXPERIMENTE
von Reinhard Kager

Die Auswahl im Überblick

Es war eine Zeit, in der Jazz von der Tonträgerindustrie noch so richtig beworben wurde. Als „Supergroup“ war das neue Quintett 1971 in einer großangelegten Werbekampagne von jenem Label angekündigt worden, auf dem Miles Davis im Jahr zuvor sein bahnbrechendes Doppelalbum „Bitches Brew“ veröffentlicht hatte. Die flugs arrangierte Promo-Tour durch Europa wurde zu einem Triumphzug für „Weather Report“ und ihr erstes, gleichnamiges Album. Heute gilt die blaue LP mit dem undefinierbar-futuristischen, im All zu schweben scheinenden Gebilde als Kultobjekt.

Zwei Musiker waren es vor allem, die „Weather Report“ geprägt haben: der Saxophonist Wayne Shorter und der Keyboarder Joe Zawinul. Zwei ehemalige Mitglieder der Miles Davis Group, die sich wie viele andere Anfang der siebziger Jahre selbständig gemacht hatten. Genau genommen könnte man sagen: Shorter und Zawinul bildeten „Weather Report“, denn alle anderen Musiker wurden, projektbezogen, stets von neuem ausgetauscht. Vielleicht mit zwei Ausnahmen: den beiden Bassisten Miroslav Vitous, der anfänglich noch am elegant-virtuosen Kontrabass den Sound der Gruppe fundierte, und Jaco Pastorius, der ab 1976 dem (bundlosen) E-Bass mit seinem ebenso melodisch wie rhythmisch fulminanten Spiel neue Wege eröffnete.

Kennzeichnend für das erste Album von „Weather Report“ waren aber noch Experimente mit dem Klang. Der aus Wien stammende Zawinul setzte den damals im Jazz noch ziemlich neuen Synthesizer auf eine so subtile Weise ein, dass der Sound des E-Pianos organisch mit dem Instrumentalklang verschmolz. Wayne Shorter, damals vor allem auf dem Sopransaxophon eine unumstrittene Größe, gelang es vortrefflich, seinen Saxophonklang nicht in den Vordergrund, sondern stets in den Dienst des Gesamtklangs zu stellen.
Im Unterschied zu Miles Davis kam anfänglich weder eine E-Gitarre noch ein E-Bass zum Einsatz bei „Weather Report“. Wohl aber – mit Airto Moreira (und später mit Dom Um Romao) – ein Percussionist, der neben dem Drummer Alphonse Mouzon für eine exotische Klangnote sorgte.

Wenngleich „Weather Report“ teilweise an die rhythmische Ausrichtung von Miles Davis’ „Bitches Brew“ anknüpfte, war die Integration der Rockmusik anfänglich also nicht das primäre Interesse von Shorter und Zawinul. Prägend für die Gruppe war vielmehr ein unverwechselbarer, auf durchaus melodischen Themen basierender Sound, der durch den Einsatz elektronischer Instrumente einen leicht utopischen Touch erhielt. Vor allem dank der geglückten Kombination von Elektronik und Instrumentalklang ist dieses erste Album von „Weather Report“ wegweisend für den kreativen Umgang mit neuer Technologie.

Text: Reinhard Kager

Weather Report (1971)
LP, CBS 64521
CD, Sony/BMG 1251 Sony/BMG 1CK48824

Erstellt: 19-07-07
Letzte Änderung: 28-11-08


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