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KurzSchluss

"KurzSchluss - Das Magazin" zeigt die neuesten Kurzfilme aus aller Welt - und wirft einen Blick hinter die Kulissen: mit Porträts, Drehberichten, aktuellen Festival- und Filmtipps und vielen spannenden Interviews.

> Sendung vom Montag, 24. Juni 2002 > Was heisst schon "schwuler Film"

24/06/02

Was heisst schon "schwuler Film"

Der „schwule“ Kurzfilm in Deutschland wurde erst wahrgenommen durch die Arbeiten von Rosa von Praunheim in den 60er und 70er Jahren. Rosa von Praunheim machte agitatorische Schwulenfilme, die sich einerseits an die Schwulen direkt wandten, aber auch versuchten, die Ignoranz der heterosexuellen Mehrheit zu brechen. Fassbinder hingegen stellte seine sexuelle Orientierung nicht in den Vordergrund und hätte es sich wohl auch verbeten, als schwuler Filmemacher bezeichnet zu werden. Einem größerem Publikum wurde seine Homosexualität erst durch seinen Auftritt in dem Film "Deutschland im Herbst" bekannt. Andere Filmemacher wie z.B. Werner Schroeter spielten immer nur eine marginale Rolle.

Rosa von Praunheim hatte durch seine direkte Art viele Jahre eine quasi Alibirolle für die liberale deutsche Gesellschaft, die sich einen schwulen Filmemacher leistete, d.h. diesen auch mit öffentlichen Förderungen durch die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten oder die Filmförderung unterstützte.

In Deutschland gab es nie Filmemacher, die ihr Schwulsein öffentlich als Ausgangspunkt für ihre Arbeiten bezeichneten. Eine Bewegung wie das New Queer Cinema in den USA Anfang der 90er, so bezeichnet nach einem Artikel der amerikanischen Kritikerin Ruby B. Rich, konnte es in Deutschland nie geben.
Heutzutage gibt es Schwule in Deutschland, die Filme machen und aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung keine Probleme haben, ihre Erfahrungen als Schwule in ihrer Filmarbeit mit einzubringen.

Kurz-Schluss hat den drei deutschen Filmemachern Michael Brynntrup, Ades Zabel und Philip Brüning, die in ihren Filmen auf unterschiedlichste Art ihre Homosexualität thematisieren, Carte Blanche gegeben.

Jürgen Brüning

had a frivolous upbringing at a river called Rhine in the neighbourhood of Cologne.His sociological studies had its realistic experiences in some squatted houses in Berlin. In 1983 he came in contact with the Cinema of Transgeression and met the icons of this movement:Richard Kern, Nick Zedd, Ela Troyano and Tessa Hughes-Freeland. In 1986 Richard Kern‘s film „Fingered “with Lydia Lunch, which Brüning distributed in Germany, made a scandelous impression at the Berlin Film Festival and its following theatrical release at Brüning‘s cinema called Eiszeit. In 1988 Brüning moved to Buffalo, New York to focus on his own filmwork. He produced videos on Rosa von Praunheim, gays in Thailand and gay skinheads in Berlin. His collaboration with Bruce LaBruce started in 1990 and has flourished into the conception of four films.
Nan Goldin went on a trip with him in 1992 to do stills for his documentation ”Maybe I Can Give You Sex?“. OKI Hiroyuki,a young Japanese director worked with him on a film portraying young adult men in Kochi,Japan. Explicit imagery are consistent in Brünings'work. In 1996 he made his first commercial porn film „Bulging Bavarians“.The porn label „Cazzo“, which he founded in 1996 became soon an important part of the contemporary pop culture. With three porn actors he realised a feature film called „West Fucks East “. Films as director 1981 Zu Gast in New York (short film) 1984 Nr.4 (short film) 1990 What Is The Relationship Between Rosa von Praunheim And The Male Strippers In San Francisco? (short documentary video,with Mark Goldstein) 1992 Maybe I Can Give You Sex? (documentary video, with Rune Layumas) 1994 Er hat eine Glatze und ist Rassist, er ist schwul und ein Faschist (documentary video) Second Prize Dresden Film Festival 1995 1995 Wild Palms 1997 Pralle Lederhosen (porn) 1998 Blut (experimental video) 1998 Stallburschen (porn) 1999 Nur für Jungs (porn) 1999 Sportsfreunde (porn) 2001 Wilde Ferien (porn) 2001 West fickt Ost (feature video)

Statement: 3 kleine lustige Porträts dreier schwuler Berliner Filmemacher, die ausser ihrem Schwulsein nichts anderes im Kopf haben. Ihre visuellen Werke sind beeinflußt von van Gogh, Dali und Andy Warhol. Sabine Christiansen gibt ihnen gerne gute Ratschläge.

Films as director:
1981 Zu Gast in New York (short film)
1984 Nr.4 (short film)
1990 What Is The Relationship Between Rosa von Praunheim And The Male Strippers In San Francisco?
(short documentary video,with Mark Goldstein)
1992 Maybe I Can Give You Sex?
(documentary video, with Rune Layumas)
1994 Er hat eine Glatze und ist Rassist, er ist schwul und ein Faschist
(documentary video) Second Prize Dresden Film Festival 1995
1995 Wild Palms
1997 Pralle Lederhosen (porn)
1998 Blut (experimental video)
1998 Stallburschen (porn)
1999 Nur für Jungs (porn)
1999 Sportsfreunde (porn)
2001 Wilde Ferien (porn)
2001 West fickt Ost (feature video)

Ades Zabel

wurde 1963 in Berlin geboren. Seit den 80er Jahren macht er Super 8 Filme mit der Teufelsberg Produktion. Jörg Buttgereits Splatter Filmen waren für ihn eine wichtige Inspiration. In den 90er tritt Ades Zabel in Berlin und weltweit verstärkt in einschlägigen Lokalen auf. Ades Zabel und seine Teufelsberg-Produktion liefern in Berlin seit über 15 Jahren besten Bühnen-Trash und Schwulenhumor der gnadenlosesten Sorte. Der Trash der Teufelsberger kommt immer gut an; besonders die Figur, Edith Schröder, einer deutschen Hausfrau. Nebenbei sind noch ein gutes Dutzend feinster kleiner Filme entstanden. Dank einer Nebenrolle in "Das Kondom des Grauens" wurde er nun auch fürs große Kino entdeckt.

Infos über die Filme der Teufelsberg-Produktion unter:

www.teufelsberger.de


Michael Brynntrup

Geboren 1959 in Münster/Westfalen, Studium Kunstgeschichte und Philosophie in Freiburg und Rom. Seit 1982 in Berlin, 1987-91 Studium Freie Kunst (Filmklasse der HBK Braunschweig), 1991 Meisterschüler. Diverse Künste und Copyart seit 1977. Über 50 Filme und Video (davon zwei Langfilme) seit 1981. Digitale Künste in interaktiven Medien seit 1995 (CD-ROM und internet). 'Film exhibition' im Museum of Modern Art New York (1987, 1992 und 1999). Zahlreiche Werkschauen, viele Filmpreise, Organisation und Präsentation von Experimentalfilm-Reihen im In- und Ausland. 1993 Stipendiat des Kunstfonds e.V. Bonn. Publikationen zu den Themen Super-Acht und berliner Off-Off-Kinos. Seit 1990 Workshops, Projektbetreuung und Ausbildertätigkeit im BereichMedienproduktion. Der Künstler lebt und arbeitet.

Film- und Videografie (Auswahl)

1982 SEPTEMBER, WUT - eine Reise (85 Min., S8)
1983 TODESSTREIFEN - ein deutscher Film(7 Min., S8, Dreifachprojektion)
DER RHEIN - ein deutsches Märchen (12 Min., S8)
1984 STUMMFILM für Gehörlose (6 Min., S8)
HANDFEST - freiwillige Selbstkontrolle (18 Min., S8)
1985 SO SIEHT EINE PRISE AUS (1987) (78 Min., S8) [Kurzfilmprogramm 1]
1986 JESUS - der Film (125 / 84 Min., S8 + 16mm, Monumentalfilm) [Spielfilm in Episoden, 20 Mitspieler / 2 Versionen]
1986 TESTAMENTO MEMORI (8 Min., S8 + 16mm)
1987 HÖLLENSIMULATION - frei nach Platos Höhlengleichnis (8 Min., S8)
1988 TABU I-IV (30 Min., S8)
ISS DOCH WENIGSTENS DAS FLEISCH AUF (75 Min., S8+16mm) [Kurzfilmprogramm 2]
1989 NARZISS UND ECHO (14 Min., 16mm, Rätselfilm)
1990 DIE STATIK DER ESELSBRÜCKEN (21 Min., 16mm)
1991 LIEBE, EIFERSUCHT UND RACHE (7 Min., 16mm)
1993 PLÖTZLICH UND UNERWARTET - eine Déjà Revue (29 Min., 16mm)
ALL YOU CAN EAT (5:30 Min., 35mm)
PLÖTZLICH UND UNERWARTET:DER ELEFANT AUS ELFENBEIN(75Min., 16mm)[Totentanz-Zyklus]
1994 HERZSOFORT.SETZUNG (I) (10:40 Min., Digital-Beta)
KAIN UND ABEL - eine Moritat (10 Min., 16mm)
1995 AIDE MÉMOIRE - ein schwules Gedächtnisprotokoll (16 Min., BetaSP+16mm)
1996 HERZSOFORT.SETZUNG II (autogene Manipulationen)(7:15 Min., BetaSP+16mm)
HOMO ERECTUS (77 Min., 16mm) [Kurzfilmprogramm 3]
LOVERFILM - eine unkontrollierte Freisetzung von Information (21:30 Min., 16mm + BetaSP)
1998 TABU V (wovon man nicht sprechen kann) (13 Min., 16mm)
1999 NY ŒNY Œn why not (4 Min., 35mm)
2000 KEIN FILM | NO FILM (1:20 Min., 35mm + flash)
NETC.ETERA - der Film zum Film (13:20 Min., CD-ROM + DV) 2001
ACHTUNG - die Achtung (14 Min. , 35mm) 2002 EKG-X-perm. (21 Min. , 16mm)

Erstellt: 05-05-04
Letzte Änderung: 24-06-02