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Berlinale 2012 - Der Film des Tages - 18/02/12

"War Witch", von Kim Nguyen

Silberner Bär für die Beste Darstellerin (Rachel Mwanza)


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"War Witch" ("Rebelle")
Ein Film von Kim Nguyen
Mit Rachel Mwanza, Alain Bastien, Serge Kanyinda, Ralph Prosper, Mizinga Mwinga
Kanada, 2012, 90 Minuten
Offizieller Wettbewerb
Synopsis. Ein Dorf in Afrika, es herrscht Bürgerkrieg. Die 12 jährige Komona wird von bewaffneten Rebellen entführt. Sie bringen sie mit Gewalt in ihr Übungslager und zwingen sieals Kindersoldatin töten zu müssen. Doch weil sie auch die einzige Überlebende eines Massakers ist, erklärt der Rebellenführer sie zur Hexe. Mitten in diesem Grauen sucht sie Schutz bei einem 15 jähriger Jungen mit weißen Haaren, den sie Magier nennt.

Nach Le marais (2001), Truffe (2008) und La Cité (2009) ist Rebelle schon der vierte Spielfilm des jungen Regisseurs Kim Nguyen. Er hat 10 Jahre lang an ihm gearbeitet, reale Fakten gesammelt, aber auch Imaginäres einfließen lassen. Gespielt wird er von Laiendarstellern, die junge Rachel Mwanza, die Komona verkörpert, hat früher auf der Straße gelebt. Rebelle bewegt sich durchgehend zwischen extremer Brutalität und fantastischer Traumwelt, geprägt von Magie und religiösen Riten.

Der Film bezieht sich auf Konflikte in Angola, Sierra Leone und Birma. Kim Nguyen sucht aber nicht die historische Wahrheit, er verlässt diese vielmehr, indem er eine Geschichte als Fiktion erzählt, die von bestechender Realität ist. Komona, das heimatlose, geschundene Mädchen, das gezwungen wird, als Kindersoldatin zu arbeiten, findet ihren einzigen Halt genau dort - unter den Kämpfern, bei einem 15jährigen Albino, den sie Magier nennt. Gefangen im Rebellencamps, gelingt es den beiden Kindern sich – in wenigen gemeinsamen Momenten – dem Grauen zu entziehen.

Realistische Bilder werden immer wieder von Traumszenen durchbrochen, die in afrikanischen Legenden wurzeln. Kim Ngyuen verlässt die klassische Erzählung, verlangsamt den Rhythmus seiner Geschichte und hinterlegt die schönsten Szenen seines Films mit Musik aus Angola aus den 60er und 70er Jahren. Ein Moment der Gnade und der Anmut inmitten von Tod und Gewalt.
Thomas Schwoerer



Erstellt: 03-02-12
Letzte Änderung: 18-02-12