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Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 08. Dezember 2005 - 14/12/05

Waiting for the clouds

Ein Film von Yesim Ustaoglu


Kein aufwieglerischer,
sondern ein versöhnlicher Film

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Synopsis: Die 60-jährige AYSHE lebt in einem anatolischen Dorf und ist für den 10-jährigen MEHMET, inmitten dessen Familie sie lebt, wie eine leibliche Großmutter. Als jedoch ihre ältere Schwester stirbt, zieht sie sich mehr und mehr in sich zurück. Die Ankunft eines Fremden, TANASIS,  macht ihr bewusst, dass sie ihre lange geheim gehaltene verborgene Identität nicht länger verheimlichen kann –vor 50 Jahren wurde Ayshe als Tochter orthodoxer, pontischer – in der Türkei lebender - Griechen auf einem langen Deportationsmarsch, bei dem ihre Eltern ums Leben kamen, von ihrem Bruder getrennt und zusammen mit ihrer Schwester von einer türkischen Familie adoptiert. Jetzt begibt sich Ayshe nach Griechenland, um nach ihrem Bruder zu suchen. 

Kritik: Für ihren Skandalfilm „Reise zur Sonne“ erhielt die 1960 geborene, politisch engagierte Filmemacherin Yesim Ustaoglu bereits 1999 auf der Berlinale den „Blauen Engel“ für den Besten Europäischen Film, kurz darauf die beiden Hauptpreise auf dem Filmfest in Istanbul. Kurz nach der Verhaftung von PKK-Führer Abdullah Öcalan und dem anschließenden von nationalistischen Gefühlsausbrüchen begleiteten Schauprozess bedeutete ihre Geschichte von einer unmöglichen Freundschaft zwischen einem jungen kurdischen Straßenhändler und einem türkischen Arbeiter einen Skandal. Trotz der Auszeichnungen wurde der Film von zahlreichen Verleihern und Filmkritikern aus Angst vor Repressalien gemieden.

Auch der neue Film der aus Kars an der Grenze zu Armenien stammenden Regisseurin widmet sich einem politisch heiklen Thema, der Zwangsumsiedlung der aus der Pontos-Region an der Südostküste des Schwarzen Meeres stammenden türkischen Griechen, von der vor, im und nach dem 1. Weltkrieg Hunderttausende betroffen waren. „Waiting for the Clouds“ aber ist ähnlich wie „Reise zur Sonne“ kein aufwieglerischer, sondern ein versöhnlicher Film, der Licht in eines der vielen, von der Militärdiktatur tabuisierten Themen der jüngeren türkischen Geschichte bringen will. Versöhnlich ist der Film schon deshalb, weil Ayshe von der muslimischen Dorfgemeinschaft, in der sie lebt, als vollwertiges Mitglied adoptiert und akzeptiert wurde – freilich ohne sie über ihre wahre Herkunft aufzuklären.

50 Jahre hat Ayshe mit der Angst vor Entdeckung gelebt, jetzt erinnert sie der Tod der Schwester an den verschollenen Bruder und das mit ihm verbundene schlechte Gewissen, weil sie sich damals nicht auf die Suche nach ihm in Griechenland gemacht hatte. Rüchan Çaliskur spielt die Ayshe als eine wortkarge, tief fühlende und an ihrem Geheimnis leidende Frau,   die als Unverheiratete in der patriarchalischen muslimischen Dorfgemeinschaft zwar respektiert, aber am Ende ihres langen Geheimnis umwitterten Außenseiterlebens doch nur geduldet war. In stillen Bildern fangen Ustaoglu und ihr polnischer Kameramann Jacek Petrycki die Schönheit und Armut der kargen nordtürkischen Berge ein, das archaische, von Verzicht, dörflicher Solidarität und staatlicher Unterdrückung geprägte Leben der 70er und 80er Jahre. Ohne dramatische Kunstgriffe folgt die Geschichte still und konzentriert der Hauptdarstellerin, ihrer Beziehung zu ihrem Wahlenkel Mehmet und deckt nebenbei noch andere politische Missstände, wie die Misshandlung eines Spielkameraden Mehmets auf, dessen Vater, ein Kommunist, als verschollen gilt. Zuletzt kommt es für Ayshe doch noch zum erhofften Wiedersehen mit ihrem Bruder, das – welch Wunder angesichts solch langer schmerzhafter Trennung – nicht gleich bedeutend mit einem Happy End sein kann.

Martin Rosefeldt

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Waiting for the clouds
(Bulutlari Beklerken)
55. Internationale Filmfestspiele in Berlin: Panorama
Regie: Yesim Ustaoglu
Drehbuch: Yesim Ustaoglu, Petros Markaris
Darsteller: Rüçhan Çaliskur, Ridvan Yagci, Ismail Baysan u.a.
Produzenten: ARTE France, ARTE ZDF u.a.
Frankreich/Deutschland/Türkei/Griechenland 2004, 87’
Berlinale 2005 - Panorama

Erstellt: 06-12-05
Letzte Änderung: 14-12-05