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US-Wahlen 2008

Programmschwerpunkt. Entdecken Sie unsere New York Chroniken. Big Apple einmal anders. Und: Wie gut kennen Sie wirklich das US-amerikanische Wahlsystem?

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24/02/09

Ein neues Amerika - demokratisch oder republikanisch

Alles deutet auf ein Kopf-an-Kopf Rennen hin. Mal liegt Barack Obama vorne, dann wieder der Republikaner John McCain. Auf dem Weg ins Weiße Haus feilen beide daher umso mehr an ihrer Strategie für die heiße Wahlkampfphase bis zum 4. November. Eines haben Obama und McCain gemeinsam: Sie wollen die Vereinigten Staaten anders regieren als der Noch-Präsident George W. Bush. „Amerika, wir sind besser als diese letzten acht Jahre. Wir sind ein besseres Land.“ ruft Barack Obama und John McCain verspricht: „Es kommt ein Wandel“. Und doch unterscheidet sich ihre Wahlkampfstrategie.

Republikanischer Wahlkampf ohne George W. Bush

McCain versucht sich an einem politischen Spagat. Er wettert gegen Bushs unpopuläre Politik, obwohl er Kandidat der regierenden Republikaner ist. Motto auf dem Parteitag im Bundesstaat Minnesota war „Change is coming“, McCain erwähnte Bush in seiner Rede kaum. Stattdessen präsentierte er sich als Reformer: „Lasst mich eine Warnung an die alte Sippschaft in Washington richten, die groß im Ausgeben ist, nichts tut, zuerst an sich selbst denkt und erst als zweites an das Land: Es kommt ein Wandel.“


Strategie: Außenpolitische Erfahrung

John McCain setzt auf Erfahrung und auf außenpolitische Kompetenz. Er präsentiert sich als der Beschützer Amerikas. Der Kaukasus-Konflikt kam ihm gerade Recht. Den Job als Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte trauen die Amerikaner eher ihm und nicht Obama zu. Der Vietnamkriegsveteran schwört bei Konflikten auf einen harten Kurs. Er verspricht alle diplomatischen und militärischen Mittel einzusetzen, um Amerika zu beschützen. „Ich weiß wie die Welt funktioniert, ich kenne mich mit gut und böse aus.“ Gegenüber dem außenpolitischen Greenhorn und Gegner des Irakkriegs Obama verkauft sich McCain als außenpolitischer Falke.


Im Visier der Republikaner: Die Frauen und die Unentschlossenen

Doch allein schafft McCain es nicht, Bushs Erbe vergessen zu machen. Mit der jungen, unbekannten Gouverneurin von Alaska Sarah Palin holt er sich jemanden an seine Seite, die mit dem Washingtoner Establishment bisher nichts zu tun hatte. Die Entscheidung für Palin ist zudem unkonventionell, weil sie die erste republikanische Vizekandidatin in der US-Geschichte ist. McCain will mit ihr die US-Wählerinnen überzeugen, Palin soll von Hillary Clintons 17 Millionen Anhängerinnen einen Teil für die Republikaner interessieren. Auch unentschiedene Republikaner sollen durch sie gewonnen werden. Die Gouverneurin ist erzkonservativ und religiös: Sie ist regelmäßige Kirchgängerin und strikte Abtreibungsgegnerin. Dies könnte ein wichtiger Triumph im Ringen um religiöse Stimmen sein.
Bisher konnte sich ausgerechnet diese wegen mancher liberalen Positionen McCains nicht für die Republikaner erwärmen. Nicht zuletzt hat McCain sich mit Palin eine jüngere Frau ins Boot geholt. Mit 44 Jahren ist sie drei Jahre jünger als Obama und wiegt McCains hohes Alter auf. Ganz ohne Risiko ist ihrer Ernennung jedoch nicht, sie bringt keinerlei außenpolitische Erfahrung mit. Als Vizepräsidentin müsste sie jedoch bereit sein, als Präsidentin das Ruder zu übernehmen. Viele bezweifeln, ob sie darauf vorbereitet ist. Sein Hauptargument gegen Obama, er sei zu unerfahren, zieht damit nicht mehr. Die Unerfahrenheit hat er sich mit Palin ins eigene Team geholt.


Im Visier der Demokraten: Die Frauen und Kritiker von Obamas Unerfahrenheit

Auch bei Obama soll der Vizekandidat die eigenen Schwächen wettmachen. Er geht mit der Wahl Joe Bidens auf Nummer sicher. Obamas Kritiker werfen ihm nach wie vor Unerfahrenheit auf dem politischen Parkett vor. Mit Biden hat er jemanden an seiner Seite, der nach 33 Jahren im außenpolitischen Ausschuss des Senats ein etablierter Politiker in Washington ist. Außerdem gilt Biden als Verfechter von Frauenrechten. Auch Obama muss die Clinton-Anhänger für sich gewinnen. Biden ist zudem Katholik und kann so bei den 47 Millionen amerikanischen Katholiken Stimmen holen. Von einem kompletten Neubeginn im Weißen Haus kann bei einer Wahl der Demokraten mit diesem Duo jedoch keine Rede mehr sein. Biden ist länger im politischen Geschäft als der republikanische Rivale McCain. Und doch verkauft sich Obama nach wie vor als Garant des politischen Neubeginns. Die Strategie bleibt der Wechsel, gepaart mit der Überzeugung „Yes we can“.



Strategie: Wirtschaftliche Kompetenz

Bei Wirtschaftsfragen hat Obama klar die Nase vorn. Obama will in Wind- und Sonnenenergie investieren und damit fünf Millionen Jobs schaffen. Mit der Verknüpfung von Energie- und Wirtschaftspolitik punktet er bei Arbeitnehmern und Mittelklasse. Genau dort liegt Obamas Stärke. Er ist der Hoffnungsträger all jener, die mit steigenden Preisen und der Immobilienkrise zu kämpfen haben. Und so inszeniert er sich als verständnisvoller Anwalt der einfachen Leute: „Wir messen die Stärke unserer Wirtschaft nicht an der Zahl der Milliardäre. Wir bemessen Fortschritt daran, wie viele Menschen eine Arbeit finden können, um ihre Hypothek zu bezahlen, und ob sie am Ende des Monats ein bisschen Geld sparen können.“ sagte er bei seinem ersten Auftritt nach dem Parteitag der Demokraten Anfang September in Pennsylvania. „Die Menschen haben jetzt Angst. Sie arbeiten härter und härter. Die Benzin- und Lebensmittelpreise schießen in die Höhe. Der amerikanische Traum rutscht uns unter den Füssen weg.“ Mit diesen Worten wirbt er sogar traditionelle republikanische Wähler ab. Die „Obamacans“ vertrauen ihm gerade wegen seiner Wirtschaftskompetenz und wollen wegen Obama erstmals für die Demokraten stimmen.



Bis zum Ende alles offen

Der Wahlkampf bleibt spannend. Den meisten US-Wählern macht die schwache Konjunktur zu schaffen. Sie machen sich mehr Sorgen um Energiesicherheit als um außenpolitische Krisen. Das könnte Obama Stimmen bringen. Bis November könnte die Sommerkrise im Kaukasus außerdem längst vergessen sein. Doch das ist ja nicht die einzige Krisenregion und McCain brennt darauf, sich außenpolitisch zu beweisen und sich als „Commander in Chief“ zu inszenieren.

Rebecca Donauer

Erstellt: 12-09-08
Letzte Änderung: 24-02-09