Die Sex Pistols etablierten den Punk, und das nicht nur musikalisch. Hinter ihrem Auftreten stand Manager Malcolm McLaren - ob Bondage-Hose oder Nietengürtel, die offizielle Antimode wurde dank ihm und seiner damaligen Freundin, der Mode-Ikone Vivienne Westwood massentauglich - obwohl das gar nicht die Absicht war.
Malcolm McLaren: In Bezug auf die Mode, ging es mir nicht ums verkaufen. Ich habe versucht Mode zu machen: Anti-Mode. Eine Hose zu entwerfen, bei der die Beine mit einer Strippe verbunden sind, war eigentlich nur um zu zeigen, dass man mit dieser Hose auf keinem Fall laufen kann. Die waren so unpraktisch. Es war das Symbol der Unterdrückung. Die Tatsache, dass man total aufgebrezelt damit nicht weggehen konnte, man konnte damit nirgendwo hin gehen.
Die unpraktische hochpolitische Punkmode blieb die große Ausnahme. Später musste das Outfit zwar immer noch cool, aber vor allem praktisch sein. Einer der ersten Musiker, der daraus ein gutes Geschäft gemacht hat, war Mike D. von den Beastie Boys. 1991 gründete er mit zwei Kumpels das Modelabel X-Large. Ein cleverer Einfall, denn wo immer Mike D war, promotete er X-Large - einfach weil er die Sachen trug. Alle Beastie Boy- Fans wollten daraufhin die Klamotten haben - X-Large wurde schnell zum angesagten Skaterlabel, Mike D machte aus seiner Hipness Profit.
Diese Geschäftsidee erkannte auch HipHop-Mogul und DefJam Gründer Russell Simmons. Der wachsende kommerzielle Erfolg von HipHop in den USA brachte ihn auf eine Idee: Er gründete Phat Farm, ein Label, dass gezielt Kleidung für den HipHopper entwirft. Im letzten Jahr hat er mit seinem Bruder, Reverend Run von "Run DMC" allein mit Turnschuhen 100 Millionen Dollar verdient. Gutes Geld, das Simmons auf keinen Fall den weißen Modemachern überlassen wollte.
Russell Simmons: Ich war auf vielen Modeschauen und sah dort den Einfluss von HipHop. Ich sah die Lagerfeld Show und bei Chanel trugen alle Mädchen große Ohrringe: aber ihre Interpretation von Hip Hop war falsch. In Amerika war es total klar, dass amerikanische und europäische Designer den Gedanken und die Lebenseinstellung von HipHop nicht verstanden. Um das wahre Bild zu zeigen habe ich 1992 Phat Farm gegründet.
Authentizität verspricht auch das vor fünf Jahren gegründete Mode-Label von Jay Z und Damon Dash. Mit Erfolg: "Rocawear" legte in den USA einen Blitzstart hin und setzt nun pro Jahr 300 Millionen US Dollar um, das ist mehr als die Jungs mit ihrer Musik verdienen. Rocawear entspricht allen Klischees, die man von HipHop im Kopf hat: Klotzen, nicht kleckern ist die Devise - fette Schriftzüge und sexy Tops bestimmen das Bild.
Mode und Musik - eine schlaue Allianz. Statt teure Werbespots zu bezahlen, nutzen die Musiker immer häufiger ihre Videos und Konzerte für kostenlose Klamotten-Promotion. P.Diddy tritt fast nur noch in seiner eigenen Marke "Sean John". Pharell Williams zeigt sich nur noch in seinen "Billionaire's Boys club"-shirts, kurz BBC. Und selbst Pummelchen Missy Elliot arbeitet eifrig an ihrer ersten Sportkollektion für Adidas, die im Herbst auf den Markt kommen soll.
Eine ganz andere Strategie verfolgt der japanische Designer und Musiker Nigo. Seit über 10 Jahren macht der 32Jährige "Streetwear". Sein Fashionlabel "A Bathing Ape" gehört zu den angesagtesten Labels - auch außerhalb Japans. Doch statt seine Kollektionen in möglichst vielen Läden zu verkaufen, setzt Nigo auf Verknappung: die Entwürfe werden nur in geringer Stückzahl hergestellt. Alles ist limitiert. Da kostet eine Jacke auch schon mal 400 Pfund. Nigo geht den Weg andersrum: Nach seinem Erfolg als Modemacher versucht er sich auch als Musiker zu etablieren: Auf seinem Plattenlabel "Ape Sounds" produziert er junge japanische Rapper. Der Zusammenhang zwischen Mode und Musik ist für Nigo ganz deutlich.
Nachdem das mit Musik und Mode so schön klappt, scheint den Geschäftsideen keine Grenze heilig zu sein: Das Russell Simmons Handy ist auf dem Markt, das Nigo Pornoheftchen im Druck. Um das alles auszuhalten, werden wir sicher viel von Damon Dashs neuem Wodka brauchen.
>> Offizielle Website - Phat Farm
>> Offizielle Website - Rocawear
>> Offizielle Website - Sean John
>> Artikel - Nigo und Pharell Williams
>> Offizielle Website - Billionaire's Boys Club
>> Ein Artikel zum Thema
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TRACKS
Donnerstag, den 20. Mai 2004 um 23.00 Uhr
Wiederhol. am Samstag, den 22. Mai um 17.45 Uhr
Redaktion: RBB, Kobalt
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