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Donnerstag, den 19. Februar 2004 um 23.05 Uhr
Wiederhol. am Samstag, den 21.02 um 17.45 Uhr
Redaktion: SWR, Kobalt
Visions - Game Art

Videospiele sind auf dem Weg vom Kinderzimmer in die Galerie: "Game Art"-Künstler nutzen die Ästhetik der Spiele-Industrie und verwandeln Video-Geballer in geballte Kunst.
Unsere Gesellschaft amüsiert sich digital. PC-Spiele sind für viele inzwischen genauso attraktiv wie Kino oder Fernsehen. Am Anfang gab es nur sperrige Plastikkisten mit kleinen Monitoren und scheppernder Musik. Heute spielen wir in künstlichen Welten mit unzähligen Farben und bombastischen Soundtracks. Aus dem Kinderspaß ist heute ein Milliardengeschaeft geworden.
Jetzt erobern die Gameboys und ihre Nachfolger das Museum. Im saarländischen Völklingen treffen derzeit die Generationen aufeinander. In einer ehemaligen Maschinenhalle läuft die bislang aufwändigste Ausstellung zum Thema Game Art.
Die Künstler nutzen die Ästhetik der Spielkultur: Ironisch, wie bei diesem selbstgezeichneten Ego-Shooter von Lonnie Flickinger. Oder als Sinnbild für Entfremdung und Isolation: Bei Kristin Lucas hat die Heldin kein Ziel. Orientierungslos irrt sie umher; unfähig, ins nächste Level zu kommen. Dass Spiele mehr können, als nur zu unterhalten, davon ist auch die US-Amerikanerin Kathleen Ruiz überzeugt. Für ihre Installation "Stunt Dummies" nutzt sie die ausgefeilte Technik der Videogames um eben jene Technologie zu kritisieren.
Kathleen Ruiz
Stunt Dummie stellt die Frage, ob wir noch die Technologie im Griff haben oder sie uns. Wir müssen uns angeblich diese ganzen tollen Geräte kaufen, aber niemand untersucht, welche kulturellen, sozialen und psychologischen Folgen das haben wird.
Sieben Welten kann das Publikum bei "Stunt Dummies" durchwandern, um sich dem Thema "Mensch und Technik" zu stellen. Die Zuschauer agieren selbst, das Kunstwerk ändert sich für jeden neuen Besucher. Auch in der Installation von Fuchs und Eckermann muss der Zuschauer selbst aktiv werden: Die Botschaft ist in eine typische Spiel-Umgebung verpackt. Thema ist die Anonymität der vernetzten Welt, in der man unbemerkt immer neue Identitäten annehmen kann. Für die Wiener Digital-Artisten verraten Videospiele viel über die Gesellschaft, die sie produziert.
Matthias Fuchs
So wie mal der Film vorgegeben hat, wie man eine bestimmte Gesellschaft sieht oder Konzeptionen über Bilder entwickelt hat und dann Video und Fernsehen, so wird auch die Game-Industrie zu einem ganz wesentlichen Kulturfaktor und da ist es wichtig, dass die Künstler da mitmischen, dass man das nicht nur den Konzernen überlässt.
Die Game Art-Künstler kommentieren spielerisch die Entertainisierung unserer Welt von der Industrie werden die Spiele gleichzeitig selbst zu Kunstwerken hochgerüstet: Grafiker, Designer, Soundtrack-Komponisten haben nur ein Ziel: die perfekte Unterhaltung. Hier liegt auch die Grenze zwischen Kommerz und Kunst, findet die Kuratorin des letzten Berliner Medienkunstfestivals Transmediale. Für sie ist Game Art nur auf den ersten Blick leichte Kost für die Computer-Kids.
Susanne Jaschko
Kommerzielle Spiele sind eben für das Entertainment geschaffen, die sollen in erster Linie unterhalten und sind auch sehr einfach in der Konstruktion und benutzen sehr einfache archaische Handlungsmuster. Game Art bricht genau das: Statt zu siegen oder einen Raum zu erobern, wird der Benutzer von Game Art eigentlich mit einem ganz anderen Erlebnis konfrontiert, einem rein ästhetischen.
So werden Videospiele Galerie-fähig und an vielen Kunsthochschulen gibt es bereits Game Art-Studiengänge. Game Art ist zu einer Generationen-übergreifenden Kunstgattung geworden. Und im Museum der Zukunft findet sich vielleicht neben Objekt und Leinwand immer auch Maus und Monitor.
GameArt
Bis zum 28. März 2004
Weltkulturerbe Völklinger Hütte
Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur
66302 Völklingen / Saar
Tel: +49 (0) 6898-9100-0
>> Website
>> Fluid von Sylvia Eckermann und Mathias Fuchs
>> Stunt Dummies von Kathleen Ruiz
>> transmediale - Unser Dossier zum Festival
Erstellt: 22-04-04
Letzte Änderung: 17-02-04