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Berlinale 2005 - German Cinema - 12/02/05

Violent Days

EIn Film von Lucile Chaufour


Weder reaktionär noch revolutionär,
dennoch etwas Besonderes

Synopsis: Drei Dinge verbinden die Angehörigen einer Clique in Paris: die Liebe zum Rock’n Roll der 1950er Jahre, die Zugehörigkeit zur Arbeiterklasse und ihr niedriger sozialer Status. An einem Wochenende machen sich die Freunde nach Le Havre zu einem Rockkonzert auf. Dort trifft sich die gesamte französische Rockabilly-Gemeinde. Es wird viel Bier getrunken, jemand zettelt eine Schlägerei an. Zu den jungen Leuten hat sich die Freundin eines der Jungen gesellt, die ihnen mehr oder weniger offen als Sündenbock dient.

Kritik: Rocker und die Musik von Gene Vincent sind kein großes Thema im französischen Film. Nur wenige Produktionen aus den 1960er Jahren (darunter „Les coeurs verts“ (Grüne Herzen), der bemerkenswerte Film von Edouard Lunts über zwei Bouson-Noir-Typen aus einem Vorort von Paris, der die Problematik der Kleinkriminalität in den Arbeitervierteln am Rand der großen Städte thematisiert) und einige schlechte Streifen mit überzogenen Stereotypen aus den 1980er Jahren (z.B. „Rue Barbare“ mit Bernard Giraudeau). haben sich bisher dieses Themas angenommen. Daraus könnte man schließen, dass französische Filmemacher mit Typen, wie sie Lucile Chaufour in ihrem ersten Spielfilm zeigt, nicht viel am Hut haben.

Violent Days ist weder reaktionär noch revolutionär. Der Film ist dennoch etwas Besonderes, und sei es nur, weil seine Handlung in eine unbestimmte Vergangenheit verlegt wurde. Die Regisseurin verwendet dazu ein durchaus passendes Schwarzweiß, so dass es dem Zuschauer schwer fällt, die Handlung zeitlich einzuordnen (die schwarz-weiß Bilder könnten ebenso gut einem klassenkämpferischen Arbeiterklasse-Film der 1970er Jahre zugeordnet werden).

Die Protagonisten hantieren mit furchtbar altmodischen Maschinen und Geräten und die Fahrzeuge, die zu sehen sind, zählen auch eher zu den Veteranen. Das durch die wirtschaftlichen Veränderungen der letzten Jahrzehnte deutlich geschwächte Arbeitermilieu verschmilzt auf ganz natürliche Weise mit dem des Rockabilly, einer im Proletariat entstandenen, oft belächelten autarken Kultbewegung. Lucile Chaufour lässt ihre Protagonisten direkt in die Kamera sprechen oder aus dem Off zu Wort kommen (die Offs wurden herausgeschnitten und die neue Fassung in Violent Days umbenannt), wodurch sie mehr Glaubwürdigkeit als mit konstruierten fiktiven Szenen erreicht. Die Methode bricht mit Konventionen und zeugt vom Talent derjenigen, die immer einen Weg finden, die mit wenigen Mitteln und viel Liebe zum Detail ihr Ziel erreichen.

Entstanden ist so ein Film, in dem die Schonungslosigkeit der Darstellung perfekt mit der Gewalt der Underdogs als Zeitvertreib harmoniert. Und aus dieser düsteren melancholisch-altmodischen Atmosphäre heraus entsteht das schöne und tragische Porträt einer Frau, dargestellt von Serena Lunn.

Julien Welter
Violent Days - Dry
Regie: Lucile Chaufour
(Frankreich 2003, Dauer 1 Stunde 46 Minuten )
Darsteller: Serena Lunn, Frédéric Beltran, Franck Musard, François Mayet, Flying saucers, Bad Crows, Hilbilly Cats.
Ausgezeichnet mit dem Großen Preis des französischen Spielfilms, Belfort 2004

Erstellt: 12-02-05
Letzte Änderung: 12-02-05