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Ein Magazin von Claire Doutriaux

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 1. Juni 2008 - 01/06/08

das Symbol: die Ehrenlegion

Haben Sie schon mal von der Ehrenlegion gehört? Volker Saux erzählt uns nun die Geschichte dieser typisch französischen Auszeichnung.

Wie wird man in Frankreich zum Rebellen? Man kann Molière hassen, Zidane schlecht machen, den Geschmack des Beaujolais nouveau kritisieren… Das Schickste ist jedoch, was Pierre und Marie Curie, Jacques Prévert, Antoine Pinay, Jean-Paul Sartre, George Sand und sogar Brigitte Bardot getan haben: die Ehrenlegion ablehnen.

Die Légion d’honneur ist ein Orden in Form eines fünfzackigen Sterns, der an einem Lorbeerkranz angebracht ist. Das Ganze hängt an einem roten Band. In der Mitte das Gesicht von Marianne, dem Symbol der Republik. Der Stil ist wohl etwas überladen, aber sie macht sich sehr gut am Revers. Der französische Präsident pinnt sie regelmäßig an die Brust der unterschiedlichsten Promis. Politiker, Wissenschaftler, Intellektuelle, Künstler, Sportler, usw… Was haben die aber getan, um den Orden zu verdienen? Ganz einfach: Sie haben durch ihr Tun, durch ihre Arbeit, Frankreich einen Dienst erwiesen. Und deshalb bezeugt ihnen das Land seine Dankbarkeit.

Die Idee ist von Napoleon. Davor verlieh man nämlich hauptsächlich Orden ans Militär. 1802 beschloss Napoleon, dass auch Zivilisten Anspruch darauf haben. Also erfand er einen Orden für Zivilisten und Soldaten. Egal ob sie reich oder arm, gläubig oder ungläubig, adelig oder bürgerlich sind, Hauptsache, sie haben ihn verdient. Seitdem ist die Ehrenlegion die höchste Auszeichnung in Frankreich. Ihre Träger bilden ein Art offizielle Elite, die Elite der Republik. Doch Vorsicht: nicht alle "Legionäre" sind gleich!

Es gibt nämlich Rangunterschiede. Der unterste Rang ist der "chevalier", der Ritter. Er trägt seinen silberumrandeten Orden im Knopfloch. Danach kommt der Offizier. Er hat Anspruch auf vergoldetes Silber. Auf dem Band thront eine hübsche Rosette. Der "Kommandant" aber schießt den Vogel ab: Er trägt das Ganze um den Hals, wie eine Halskette. Der "Große Offizier" hat das Offiziersabzeichen, doch zum Zeichen seiner Überlegenheit bekommt er noch einen silbernen Anstecker. Das absolute Muss ist jedoch la "grand' croix", das "Großkreuz". Es hängt an einer roten Schärpe und wird von einem vergoldeten Anstecker auf der linken Jackettseite komplettiert. Träger des "Großkreuzes" waren zum Beispiel Abbé Pierre, der Wissenschaftler Louis Pasteur, der Ethnologe Claude Lévi Strauss, und Gustave Eiffel. Was den obersten Chef der Ehrenlegion angeht, so ist das in aller Logik natürlich der Staatspräsident. Er trägt das "grand collier", aus 16 Kettengliedern aus Massivgold.

Um die Ehrenlegion zu erhalten, muss man kein Franzose sein. Auch Ausländer bekommen sie. Helmut Kohl zum Beispiel hat das Großkreuz. Wladimir Putin auch. Der ehemalige bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber ist nur "Großoffizier", Marlene Dietrich war "Kommandeur". Bis zum heutigen Tag besitzen mehr als 110 000 Personen die Ehrenlegion. Wussten Sie, dass ihre Gesamtzahl auf 125 000 beschränkt ist? Es sind also nur noch 15 000 Orden übrig, deshalb ist Eile geboten, sonst muss man darauf warten, dass einer der Ausgezeichneten stirbt, um seinen Orden zu ergattern.

Natürlich führen die "Legionäre" ihren klobigen Klimbim nicht jeden Tag aus. Sie holen sie nur zu großen Anlässen hervor. Im Alltag begnügen sie sich damit, im Knopfloch ihrer Jacke stolz je nach Rang ein kleines rotes Band oder eine kleine Rosette zur Schau zu tragen.

Sie glauben, auch sie haben das "Kreuz der Ehrbaren" verdient? Hierzu muss Sie erst jemand vorschlagen. Doch das Auswahlverfahren ist hart. Ein Ministerium muss Ihre Bewerbung anerkennen, sie zum Ordnungsrat der Ehrenlegion weiterleiten, der dann entscheidet, ob sie des Ordens würdig sind. Vor allem, tragen Sie sie nie, ohne dazu berechtigt zu sein. Darauf stehen nämlich ein Jahr Gefängnis und 15 000 Euro Strafe! Abgewiesene Bewerber können sich mit einem Besuch des Museums der Ehrenlegion in Paris trösten. Dort erfährt man alles über die Ehrenlegion, über den ordre national du mérite, den französischen Verdienstorden, l’ordre des arts et des lettres, den "Orden der Künste und der Literatur" usw.

Tja ja, die Französische Republik liebt Ehrenerweisungen! Und hier noch eine aktuelle Meldung für Sie, meine Damen! Präsident Sarkozy hat beschlossen, dass bei den Auszeichnungen künftig Gleichberechtigung herrschen soll. Das wurde auch Zeit.

Erstellt: 23-05-08
Letzte Änderung: 16-05-12


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