Masamichi Katayama
Einer der bekanntesten Innenarchitekten Japans ist Masamichi Katayama. Er leitet seit 2000 sein eigenes Büro namens „Wonderwall“. Auch er arbeitet unaufdringlich ist aber trotzdem bekannt für seine spektakulären Entwürfe. Er mischt japanische, zen-artige Schlichtheit mit westlichen Ideen. Immer im Vordergrund: Die Funktion des Raums und seine Wirkung. Sein Design ist auch in Europa und den USA inzwischen sehr gefragt.
Masamichi Katayama: "Ich glaube, dass das Gefühl, der emotionale Part am allerwichtigsten ist. Nicht die Schönheit des Designs, des Objekts, von wem es ist, sondern das Gefühl, dass man hat, wenn man einen bestimmten Laden betritt. Also ist es nicht entscheidend, dass man versucht die Dinge im Laden gut aussehen zu lassen, sondern ob die Atmosphäre des Ladens den Leuten Spass macht. Ich überlege mir, wie ich den Laden am Besten gestalte, um genau das zu erreichen. Das ist für mich persönlich das allerwichtigste."
Katayamas Theorie funktioniert - der Beweis: "Footsoldier" heisst der Shop, in dem Turnschuhe sich wie Sushi auf Fliessbändern durch den Raum bewegen. Die Objekte - vergleichsweise simple Sneaker - treten in den Hintergrund, wichtig ist der Gesamteindruck.
Auch im T-Shirt-Laden „Beams T“ in Shibuya lässt Katayama die Ware kreisen wie in einer Reinigung. In diesem Fall sind es hippen Shirts. In Ruhe anschauen kann man sich die Ware nicht. Das stört die Japaner nicht, denn grosse Beständigkeit erwartet in Tokio sowieso keiner.
Masamichi Katayama: "Japaner finden es normal, dass Dinge kommen und wieder verschwinden. Das ist etwas was für Ausländer oder Europäer schwer zu verstehen ist. Das ist eine sehr japanische Sichtweise, vielleicht sogar einer unserer Werte, dass sich die Welt und die Dinge ständig ändern. Nichts ist von langer Dauer und darum empfindet man diesen schnellen Wandel als etwas Interessantes."
Tei Shuwa
Gut getan hat so ein Wandel dem Hotel Claska in Tokyo: War es einst nur ein langweiliges Business Hotel, zählt es heute zu einem der hippsten Orte der Stadt. Es ist nicht mehr nur Hotel, sondern auch Partylocation. Der Freizeit DJ und Innenarchitekt Tei Shuwa hat den Relaunch konzipiert. Auf den ersten Blick wirkt der Eingangsbereich des Hotels eher förmlich. Erst dann entdeckt man das DJ Pult und andere erstaunliche Details. Design hat in Japan einen hohen Stellenwert und die Freiheiten beim Gestalten sind gross.
Tei Shuwa: "Gleichzeitig gibt es da auch sehr extreme Sachen, und vielleicht ist Tokio da auch ein extremes Beispiel, denn es gibt diese Flut von neuen Dingen, von Informationen. Und dieses Nebeneinander von alt und neu, das ist sehr speziell, speziell japanisch, glaube ich."
Steve Lidbury
Nicht nur alt und neu, auch Ost und West werden bunt gemischt. Die „Obi-Lounge“ ist so ein perfekter Mix aus traditionell asiatischem Design und westlichem Modernismus. Ausgedacht hat sich diese Lounge der Engländer Steve Lidbury. Er lebt seit drei Jahren in Tokyo und profitiert vom tief sitzenden japanischen Minderwertigkeits-Komplex dem Westen gegenüber. Der ist völlig unbegründet, findet Steve.
Steve Lidbury: "Die Japaner haben schon immer sehr viel Wert auf Design gelegt - ob bei Verpackungen oder Geschenken - alles ist so wunderschön gestaltet. Ein Grund dafür könnte sein, dass sie sich erst recht spät der Welt geöffnet haben. Sie haben immer das Gefühl, dass sie mithalten müssen und dabei merken sie nicht, dass sie eigentlich den Weg vorgeben."
Das müsste den Japanern eigentlich auch selbst auffallen. Einkaufen und Essen gehen ist dank Design in Tokyo definitiv entspannter als in den westlichen Metropolen.
>> Masamichi Katayama - Wonderwall - http://www.wonder-wall.com
>> Tei Shuwa - http://www.intentionallies.co.jp/
>> Steve Lidbury - http://www.postnormal.com/
.......................................................................
TRACKS
Eine Reportage von Schyda Vasseghi
Donnerstag, den 16. September 2004 um 23.15 Uhr
Wiederhol. am Samstag, den 17. September um 17.45 Uhr
Redaktion: RB, Kobalt
.......................................................................







per E-Mail verschicken
Facebook
Twitter
RSS

