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> Sendung vom 16. Mai 2003 > Vibration - Dekonstruktion

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15/05/03

Vibration - Dekonstruktion

Ausstrahlung am Freitag, den 16. Mai 2003 um 19.00 Uhr
Redaktion: Kobalt

Vibration - Dekonstruktion - subversive Kunst
Kunst und Zerstörung - schon immer eine Domäne der Subkultur. Ziel ist meist nur die bloße Provokation. Aber immer mehr setzt sich eine produktive Form des Kaputtmachens durch.
Die Dekonstruktion. Ziel ist es, akzeptierten Originalen neuen Sinn zu geben. Gesellschaftliche Normen, Gebrauchsgegenstände oder Sehgewohnheiten werden verfremdet, neu bearbeitet und somit infrage gestellt. Besonders Lifestyleindustrie und Werbung sind beliebte Opfer der Dekonstrukteure.

* Adbusters
Das bekannteste Beispiel für kritische Nachbearbeitung im Bereich Werbung sind die kanadischen Adbusters. Ihre Mission: der Kampf gegen die Macht der Marken und Konzerne. Sie kopieren Ästhetik und Strategie großer Werbekampagnen, um ihren Protest ebenso massenwirksam unters Volk zu bringen. In eigenen Magazinen, auf Plakaten und im Internet verbreiten die Werbegegner Systemschelte in Hochglanzformat, um gegen Konsumterror und Medienoverkill zu protestieren.

Adbusters
Wir nutzen die Originalkampagnen, das Image der Industrie. Es ist wie beim Judo. Wenn ein großes Monster auf dich zukommt, packst du es und wirfst es mit einer schnellen, intelligenten Bewegung auf die Matte. Wenn du damit erfolgreich bist, wendet sich die ganze Energie der millionenschweren Kampagne gegen ihre Urheber, gegen die Firma selbst.

* Peacejacket
Nicht weniger politisch ist das Arbeitsfeld von Peacejacket. Mit Zuspitzung der Irakkrise im November 2002 entstanden, sehen sich die Macher als Kriegsgegner mit Auftrag: Sie dekonstruieren alte Armeekleidung, indem sie sie mit Friedenssymbolen besticken. Ziel ist es, der zum banalen Styleobjekt verkommenen Militärklamotte wieder etwas Tiefgang zu geben.

Norbert Palz
Armeekleidung ist natürlich im Moment getragen - komplett unkommentiert wird die getragen. Und manchmal hat man den Eindruck man ist irgendwo im Kosovo wenn man in Berlin Mitte ist - und man eigentlich darüber vergisst, wozu diese Sachen gemacht worden sind - und dass man eigentlich dieses Kleidungsstück wieder politisiert und das transformiert, indem man es zu so einem Objekt der Demonstration macht. Und das war für uns wichtig, dass da eine Umwertung stattfindet.

* Jan Peterssen
Fleißig umgewertet wird auch bei Objektkünstler Jan Peterssen. Sein Thema: Vergangenheitsbewältigung auf eklige Art. Der Berliner Künstler stanzt Hakenkreuze in Wurstscheiben und lässt Salami und Mortadella vor sich hin schimmeln. Das sorgt für Kontroversen - ein Verkaufsverbot war die Folge für den Fleischpolitisierer. Trotzdem: Sein Tisch bleibt gedeckt mit Ungenießbarem.

Jan Peterssen
Die Verbindung von Wurst und Nazisymbolik hat für mich den Zusammenhang, dass einerseits diese Tabuisierung von dem Symbol durchbrochen werden soll. Und die Wurst wird benutzt, um das möglichst drastisch darzustellen. Weil Wurst ist haptisch so ekelhaft, dass es körperlich wirkt bei der Betrachtung, wenn's dann verfällt oder verschimmelt und die Vergangenheit mit den Nazis ist so schockierend, dass es genauso Reaktionen gibt, wo man sich nur abwenden kann.

* redesigndeutschland
Die Berliner Gruppe "redesigndeutschland" dekonstruiert nicht weniger resolut. Sie wollen unser Leben in allen Bereichen vereinfachen. Ein Standardmöbelstück soll dem Designoverkill den Garaus machen. Auch unser Normensystem ist ihnen ein Greuel, deshalb haben sie eine neue Zeitrechnung geschaffen und nebenbei auch gleich die deutsche Grammatik vereinfacht. Ihr "Rede-Deutsch" soll bald zur Standardsprache aufsteigen.

* Martin Fiedler
Bei Martin Fiedler sorgt das Rohmaterial für Kontroversen. Er entwertet Geldmünzen jeglicher Art und fertigt verschiedenste Schmuckstücke daraus. Vom Silberpenny bis zur Euromünze: zersägt wird alles. Bis zu 1000 Euro zahlen Liebhaber für das an sich wertlose Geldstück.

Martin
Negativ ist eigentlich, wenn die Ansicht meiner Arbeit darauf reduziert ist, dass es eigentlich ein offizielles Zahlungsmittel ist - und man sagt, es ist verboten. Aber das ist eigentlich immer eine Frage des Blickwinkels. Im Prinzip findet ja eine Umwandlung statt - von einem eigentlichen Wert eine Aufwertung, indem ich aus dem ursprünglichen Zweck - dem Geldstück, ein Schmuckstück herstelle. Und das ist eine Frage, ob das jemand sieht - oder nicht.

Ob Geldentwerter oder politische Widerständler: Dekonstrukteure wollen aufrütteln. Wenn es schlecht läuft, werden sie allerdings mißverstanden - und bald selbst zum gefälligen Teil der Popkultur.

Links
Adbusters: http://www.adbusters.org/home/
redesigndeutschland - http://www.redesigndeutschland.de/
Peacejacket: http://www.peacejacket.de/

Erstellt: 27-05-04
Letzte Änderung: 15-05-03


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