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Kino auf ARTE - 19/10/11

Verzeiht mir

(Pardonnez-moi)
Spielfilm, Frankreich 2005, ARTE F
Regie: Maïwenn Le Besco; Buch: Maïwenn Le Besco; Kamera: Claire Mathon; Schnitt: Laure Gardette; Musik: Mirvaïs Ahmadzaï; Produzent: François Kraus, Denis Pineau-Valencienne, Maïwenn Le Besco; Produktion: Les Films du Kiosque, Maï Productions
Mit: Pascal Greggory - (Dominique), Mélanie Thierry - (Nadja), Aurélien Recoing - (Paul), Maïwenn Le Besco - (Violette), Hélène de Fourgerolles - (Billy), Marie-France Pisier - (Lola), Marie-Sophie L. - (die Therapeutin), Yannick Soulier - (Alex)

Violette erwartet ihr erstes Kind und beschließt, ihm einen Film über seine Familie zu schenken. Mit der Kamera in der Hand wird sie lang Vergessenes, Verdrängtes oder bewusst Verschwiegenes aufdecken und nacheinander ihre Mutter, ihre beiden Schwestern und schließlich ihren Vater mit unangenehmen Wahrheiten konfrontieren.



Violette erwartet ihr erstes Kind. Da sie möchte, dass es einmal weiß, woher es kommt und in welche Familie es hineingeboren wurde, beginnt sie, einen Film zu drehen. Mit der Kamera in der Hand deckt sie nach und nach Dinge auf, die ihre Familienmitglieder über Jahre hinweg voreinander verheimlicht haben. So muss Violettes jüngere Schwester Nadja erfahren, dass Familienoberhaupt Dominique gar nicht ihr biologischer Vater ist und sie das Produkt einer Affäre ihrer Mutter Lola mit einem Journalisten namens Paul ist. Violette selbst versucht verzweifelt, ihren Vater dazu zu bringen, endlich der Familie zu gestehen, dass er sie jahrelang geschlagen hat. In ihrer Hoffnung, ein Wort der Reue seitens des Vaters zu hören, geht Violette bis an ihre Grenzen. Sie will die ganze Wahrheit.
Eines Abends, es ist Violettes Geburtstag und die Kamera steht wieder einmal auf "REC", eskaliert die Situation und das nette Familienbeisammensein wird zur emotionalen Schlammschlacht. Aber Violette lässt sich nicht aus dem Konzept bringen: Entgegen aller Einwände und Zweifel ihres Lebensgefährten Alex macht sie weiter darin, die Wunden der Vergangenheit aufzureißen. Bis ihr schließlich klar wird, dass eine Versöhnung mit dem Vater nicht stattfinden wird. Für sich selbst, aber auch für ihr Kind entscheidet sie sich schließlich für den schwersten Schritt: für das Loslassen.

"Verzeiht mir" ist der erste Spielfilm der Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin Maïwenn Le Besco, der Schwester der bekannten französischen Schauspielerin Isild Le Besco. In Anlehnung an persönliche Erfahrungen erzählt der Film die bewegende Geschichte einer jungen Frau, die mit dem Versuch, ihre Kindheit aufzuarbeiten, gegen die eigene Familie revoltiert. Mit diesem Film, mit der Stärke beweisenden Hauptfigur, so Maïwenn, habe sie etwas geschaffen beziehungsweise geschafft, wozu sie im wahren Leben niemals den Mut finden konnte.
"Verzeiht mir" entstand ganz aus der Arbeit mit den Darstellern heraus, die kein Drehbuch mit vorgegebenen Dialogen, sondern nur ein Szenen-Treatment mit ein paar Dialogfetzen zur Verfügung hatten. Nicht bei jedem Schauspieler stieß die Regisseurin damit auf Begeisterung. Schauspielerin und Model Mélanie Thierry beispielsweise, die die Rolle der Schwester Nadja verkörpert und drei Tage vor Drehbeginn für die anfänglich eingeplante Sara Forestier einsprang, konnte sich mit dem Wunsch der Regisseurin nach reinem Improvisationsspiel nicht immer anfreunden. Die immense darstellerische Leistung in Kombination mit einer teilweise dokumentarischen Home Videoästhetik ergibt einen fast schon beängstigend authentisch wirkenden Film. "Verzeiht mir" wurde 2007 zweimal für den César nominiert. Für ihren dritten Film "Polisse" über die Arbeit der Jugendschutzbrigade der Pariser Polizei erhielt Maïwenn Le Besco in Cannes den Großen Preis der Jury. Beide Filme wurden von ARTE koproduziert.

Verzeiht mir
Dienstag 15. November 2011 um 14.45 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2005, 84mn)
ARTE F

Erstellt: 19-10-11
Letzte Änderung: 19-10-11