Ob orthodox oder assimiliert: Jüdisches Leben hat in Straßburg seit dem Mittelalter einen festen Platz. Die Schriftstellerin Barbara Honigmann ist aus der ehemaligen DDR ganz bewusst in die elsässische Metropole ausgewandert: in einen Ort, in dem Judentum auf eine natürliche und vielfältige Weise gelebt werden kann. Die Juden aus dem Maghreb, die seit den 1960er Jahren nach Straßburg strömten, brachten einen kräftigen Schub Vitalität und Selbstbewusstsein mit. Inzwischen leben ca. 20 000 Juden in der Stadt. Allerdings beobachtet Barbara Honigmann, dass „die Stimmung unter den Juden in den letzten Jahren, und zwar besonders bei denen, die sich in Straßburg und in Frankreich selbstverständlich zu Hause fühlten, deutlich verschlechtert hat. Vor allem junge Paare haben sich zur Auswanderung nach Israel entschlossen“.
Nicht weit entfernt von der Großstadt Straßburg, aber auf der anderen Seite des Rheins in Deutschland sieht das jüdische Leben ganz anders aus: in der Kleinstadt Baden-Baden. In dem internationalen Badeort drehte sich schon immer alles um den Kurgast, auch um den jüdischen. Seit dem 19. Jahrhundert wurde das Kulturleben von jüdischen Intellektuellen und Künstlern mitgestaltet. In einer Stadt, die zu 90% vom Fremdenverkehr lebte, hatten antisemitische Hetzparolen unmittelbar geschäftsschädigende Wirkungen und stießen deshalb auf mehr Widerstand in der Bevölkerung als anderswo.
Selbst die nationalsozialistischen Machthaber ließen zunächst von einer Judenverfolgung im Weltbad ab. Der kosmopolitische Badeort sollte - als „Visitenkarte“ des Deutschen Reichs – der Weltöffentlichkeit das neue Deutschland von seiner besten Seite zeigen. Diese Politik verstärkte bei der jüdischen Bevölkerung das Gefühl der Sicherheit – ein gefährlicher Traum, der spätestens mit dem Novemberpogrom am 10.11.1938 ein jähes Ende fand.Wenige Juden kehrten nach 1945 in ihre Heimatstadt zurück, erst 1992 kam neuer Schwung in das Gemeindeleben. Jetzt sind es Juden aus Russland, die den Weg nach Baden-Baden finden und 99% der Gemeinde ausmachen. Es sind Menschen, die in ihrer Heimat ihr Judentum nicht leben konnten, und erst in Deutschland allmählich wieder ihre jüdischen Wurzeln entdecken. In der jüdischen Gemeinde finden sie materielle Unterstützung und sozialen Halt. Und sie bleiben unter sich – in ihrem russischen „Ghetto“.
Kommen Sie mit
- zu einem Ausflug nach Straßburg mit der Autorin Barbara Honigman: "Schabbes in Straßburg"
- Chronik der jüdischen Gemeinde Straßburg
- auf eine virtuelle Zeitreise nach Baden-Baden 1800-2007:
Animation "Verbrannte Träume"
(Verwenden Sie die flash-player Version 8)
Texte und Recherchen von Angelika Schindler, ARTE
Photos: Stadtgeschichtliche Sammlungen Baden-Baden







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