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KurzSchluss

"KurzSchluss - Das Magazin" zeigt die neuesten Kurzfilme aus aller Welt - und wirft einen Blick hinter die Kulissen: mit Porträts, Drehberichten, aktuellen Festival- und Filmtipps und vielen spannenden Interviews.

> Sendung vom Dienstag 10. Dezember 2002 > Verbotene Bilder <br>aus der DDR

10/12/02

Verbotene Bilder <br>aus der DDR

Das öffentliche Bild kurz vor dem Mauerfall. Wie fanden die ersten Bilder der Bürger-Bewegung auf den Montags-Demonstrationen ihren Weg in das westliche Fernsehen, obwohl Dreharbeiten dazu absolut verboten waren? Peter Wensierski und Roland Jahn schmuggelten Kameras über die Mauer und bauten ein unabhängiges Korrepondenten-Netz auf.


Film – Überwachung – Öffentlichkeit

"Es ist eine der wirkungsvollsten und erfolgreichsten Aktionen, die Bilder von Video-Kameras aus Berlin je ausgelöst haben. Anfang der achtziger Jahre arbeite ich mit Peter Wensierski an Filmen über die unabhängige Friedensbewegung "Schwerter zu Pflugscharen" in der DDR. Nach Ausstrahlung der Filme im West-Fernsehen erhalten wir Arbeits- bzw. Einreiseverbot in die DDR.
Ende der achtziger Jahre: In einem Redaktionszimmer des SFB sitzen die Journalisten Peter Wensierski und Roland Jahn (aus Jena und ausgebürgert aus der DDR), beide Spezialisten für die andere deutsche Gesellschaft und beide mit Einreiseverbot belegt. Sie organisieren und schmuggeln Video-Kameras und Kassetten für die Bürger-Bewegung gegen Wahlfälschung in der DDR. Die über Wochen einzigen Fernsehbilder, die die Welt von den "Montags-Demonstrationen" erreichen, sind mit diesen Videokameras von korrespondierenden Beteiligten gedreht. Sie führen zu einer starken Resonanz in der Öffentlichkeit und wirken auf das östliche System zurück. U.a.über die Ausweitung dieser Öffentlichkeit stolpert und stürzt das gesamte System."

aus: Hartmut Jahn: Videowellen in Berlin, Goethe-Institut Turin 1997

Roland Jahn, geb. 14.7.1953, Jena, heute Journalist beim SFB/ARD-Magazin "Kontraste".

Der spätere DDR-Oppositionelle Roland Jahn wuchs in Jena auf. Nach dem Abitur und dem Grundwehrdienst bei der Bereitschaftspolizei nahm er das Studium der Wirtschaftswissenschaften auf.

Seit 1974 kam er in Kontakt mit oppositionellen Gruppen, wurde mit Jürgen Fuchs bekannt, der in Jena studierte. Nachdem er sich am Protest gegen die Biermann-Ausbürgerung 1976 beteiligt hatte wurde er exmatrikuliert. Von nun an durfte er sich als Transportarbeiter in der Produktion "bewähren". Sein öffentlicher Protest gegen die Unterdrückung der polnischen Gewerkschaft brachte ihn endgültig in Konflikt mit der Staatsmacht. 1983 wurde er verhaftet und wegen Missachtung staatlicher Symbole u.a. zu 18 Monaten Haft verurteilt. Er hatte eine Solidarnocz-Flagge am Fahrrad befestigt gehabt. Nach internationalen Protesten wurde er in Knebelketten in die Bundesrepublik abgeschoben und ausgebürgert.

Jahn lebte seither in Berlin Kreuzberg. Von dort aus unterstützte er weiterhin die DDR-Oppositionsbewegung vor allem dadurch, dass er Informationen über ihrer Aktivitäten und staatliche Repressionsmaßnahmen an die Presse vermittelte. Spektakuläre Filme wie "Bitteres aus Bitterfeld" wären ohne sein Engagement nie im Westen zu sehen gewesen. Auch ihn selber ließ die Stasi nicht in Ruhe. Er wurde von DDR-Spitzeln auch im Westen nicht aus den Augen gelassen, sein Telefon abgehört. Auf internationalen Fahndungslisten des Ostblockes war Jahn registriert. Als sich Jahn in der bundesdeutschen Friedensbewegung engagierte, bekam er Ärger im Westen. Die USA erteilten ein Einreiseverbot. In der Wende dokumentierte Jahn die Stasiauflösung, Filme z.B. über OIBES wirkten beschleunigend auf die Umbruchprozesse. Als Wolf Biermann nach der Maueröffnung erstmals wieder in die DDR einreiste, war Roland Jahn selbstverständlich dabei.

Erstellt: 05-05-04
Letzte Änderung: 10-12-02