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Rendez-vous littéraire

Die Gewinner des Übersetzungsexperiments stehen fest!

Rendez-vous littéraire

05/02/13

VERSschmuggel/réVERSible

Deutsch-französischer Poesietransfer

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ARTE, Literaturwerkstatt Berlin, SWR2 und das Deutsch-Französische Jugendwerk forderten Lyrikliebhaber in einem Wettbewerb zum Poesietransfer auf: Sie sollten den Gedichten „Tagesmutter“ von Tom Schulz oder „Je,cheval“ von Albane Gellé eine neue Gestalt geben – als klassische Übersetzung, als Tondokument oder als Videoclip. Keine leichte Aufgabe! Und dennoch erreichten uns überzeugende Einsendungen. Die Gewinner des Übersetzungsexperiments stehen fest!

Eine deutsch-französische Jury - Aurelie Maurin in Berlin, Josie Mely in Paris, Ulrike Bokelmann in Straßburg – traf eine Vorauswahl. Die Dichter Tom Schulz und Albane Gellé suchten sich auf dieser Basis ihre Lieblingsversion aus und nehmen sie mit auf ihre Lesereisen in Frankreich und Deutschland im Herbst und Winter 2012.

Wir danken allen Teilnehmern fürs Mitmachen beim VERSschmuggeln und gratulieren sehr herzlich den Preisträgern:

Stéphanie Cazaentre reichte den besten Videoclip zum Gedicht "Je, cheval" ein:


Die spannendsten Hörstücke schickten uns:
Thomas Steffen zu "Je, cheval"


Maura Berardi und Priska Weibel zu "Tagesmutter"


Als Preis werden die Gewinner in das Radiomagazin SWR2 Tandem Rakete eingeladen, das junge Menschen mit spannenden Projekten vorstellt:
Am 6.2.2013 um 19.20 Uhr sind die Schweizer Theatermacherin und Übersetzerin Maura Berardi und die Musikerin Priska Weibel sowie Thomas Steffen, Musiker aus dem Ruhrpott, zu Gast und stellen Ihre Arbeiten vor.

Margret Millischer und ihre Studenten in Wien und
Joyce Weil aus Nanterre sind die Gewinner in der Kategorie "Übersetzung".

Ihre Übertragung in die jeweils andere Sprache kann hier nachgelesen werden, aber auch in der zweisprachigen Anthologie VERSschmuggel/RéVERSible", die zeitgleich auf beiden Seiten des Rheins im Herbst 2012 in den Verlagen "Das Wunderhorn" (Heidelberg) und "La passe du Vent" ( Lyon) erschienen ist.

Überzeugt haben die deutsch-französische Jury auch die folgenden Übersetzungen, die in die engere Auswahl kamen:
für "Tagesmutter" von Tom Schulz: Agathe Bernier-Monod, Hélène Ericke und Patricia Arndt
für "Je, cheval" von Albane Gellé: Sophia Marzolff, Magdalena Mach, Hanna Bock



Einen Sonderpreis erhielt Anne Deuter für ihr originelles Buchkunstobjekt zum Gedicht "Tagesmutter"

Buchkunstprojekt von Anne Deuter: Bücher sind Reisen, sind Vögel, sind Häuser



Tom Schulz' Gedicht "Tagesmutter" als Transportkiste - in geöffnetem Zustand




Hören Sie hier: "SWR2 Tandem - Rakete" 2012

Aurelie Maurin, langjährige Leiterin des Projekts VERSschmuggel im Gespräch mit Patrick Batarilo am 4. Januar 2012

Hören Sie hier: "SWR2 Tandem-Rakete" 2013

mit den Gewinnern des Wettbewerbs VERSschmuggel:
Zu Gast sind die Theatermacherin und Übersetzerin Maura Berardi und Musikerin Priska Weibel sowie Thomas Steffen, Musiker aus dem Ruhrpott


Lesen Sie hier: Ein Interview mit Tom Schulz
über seine Erfahrungen mit dem "VERSschmuggeln"




Als Dankeschön fürs Mitmachen bekommt jeder Preisträger die zweisprachige Anthologie „VERSschmuggel réVERSible“ mit zwei CDs, herausgegeben von Aurélie Maurin und Thomas Wohlfahrt.


Die besten Beiträge werden auf den Webseiten der Kooperationspartner ARTE Creative, SWR2, Literaturwerkstatt Berlin und Deutsch-Französisches Jugendwerk vorgestellt.


Lesen Sie hier die zwei Gedichte, zu denen die Teilnehmer am Wettbewerb uns eine Verfilmung, eine akustische Vertonung oder eine Übersetzung ins Französische bzw. Deutsche schicken konnten.



die Tagesmutter

Gerölle von kleinen Steinen, ein Kiesel
farbener Tag, von ihm ist nicht mehr
viel übrig, von mir

allerhand, du kannst es aus meinen Augen
trinken, die nicht nachtblinden Fensterscheiben
die morgens niemanden fortgehen sehen

auf Uhren täglich, die eingestellte Zeit
Sittiche mag ich, Babys, beaufsichtige
sie jedoch nicht gern, zwei Katzen

wohnen in meiner Brust, die Mutter
wie Friedhofskresse, im Sommer
muss man alle Mütter gut gießen

man muss sich am Eingang eine Plastik
Kanne ausleihen, dann zu einem Brunnen
schlendern, es gibt sie doch

Brunnen, wenn ich die Stelle streichele
zittert dann die Mutterschoßhand?
es gibt sie doch, zwischen Quietschwatte

Singvögeln, zwischen mir
& der Vorstellung, ich würde Rentnerinnen
umarmen in Parks

wie sag ich es ihr?
ich habe keine & ich weine
den lieben langen Tag ins frische Gras

© Tom Schulz


Je cheval


Je, le cheval, l´animal, le corps, le sauvage.

Je, dans le cheval comme dedans l´écriture. Avec l´indomptable l´équilibre l´inconnu le jamais acquis. L'extrême attention au monde. Entre panique et jouissance. Ce qui en moi est cheval. Proie fuite solitude et troupeau. Ce qui en moi résiste, s´obstine, risque. Ce qui en moi s´en va, pour rejoindre.

A cheval je suis d´emblée au coeur des choses, désencombrée, réunie. Débarrassée des entraves périphériques, des noeuds stériles. Dans le vif du sujet. Je me rejoins, dans une extrême présence à ce qui m´entoure. Dénouée.

Pas dans la terre seulement, un cheval. Sous ses pieds dans la terre aussi, dans le dos, au creux, et tout au long de l´encolure jusqu´à la nuque, les oreilles, au bout.

Si vite le corps paniqué, quand pas assez cheval finalement, l´homme en face. Sinon de la tendresse, brusque dans l´herbe ; le cou tendu comme une oie blanche. Le mot cheval au-dedans. Les mouvements les muscles quand au galop, cette chaleur dessous. Quand tout se rassemble, est rassemblé, pour faire vivant le cheval à deux têtes que nous sommes.

Dehors il y a des lions dans les yeux du cheval, tout seul avec son corps de zèbre. Ce n´est pas l´homme vraiment qui le rassure, ou une seconde seulement parce que cheval c´est solitude. Et à la fois inséparable d´un autre dans le pré. Enfantin presque il se raccrocherait à un âne.

Marcher à côté, sur la route de retour, avec dans les oreilles le pas du cheval, qui va chaud dans le dos. Tranquille, et respire. Aller chacun dans sa fatigue, la même, parmi les odeurs mélangées du cheval et de la pluie. Et ca ne le freine pas, toute cette eau qui tombe. Il va contre, il a de quoi. Libre enfin, il retourne à la terre, calme, il se roule, avant de se secouer se relever, debout comme un cheval.

Couché le cheval est-il encore vivant, est-il encore cheval. Jusqu´à ce que la tête bouge, que l´encolure emmène le reste, et les jambes s´envolent avant de se remettre d´aplomb. De la poussière vole.

Cheval sellé et l´autre dans le pré, ils se ressemblent. Les mêmes oreilles, qui ne font pas n´importe quoi. Quelque chose dans le sang, insensé, échappe. Un écart pour une couleur trop vive de plastique dans un arbre, il y a de quoi s´écarter du chemin pas sauvage. Des naseaux à la croupe. Le cheval attentif à dehors plus qu´à lui-même. Que se passe-t-il-quand il s´arrête, les quatre pieds plantés pour toujours.

Si dans les jambes quelque chose casse, pas le sabot, plutôt un os, un muscle, fini le cheval c´est debout ou c´est mort. Fragile devant du barbelé. Pourtant quatre pieds. Il suffit d´un bruit de train, le cheval seul est capable de tout risquer en un quart d´heure, et tant pis si au bout, un accident, la mort.


© Albane Gellé

"Übersetzen ist Raumerweiterung und Seelenerkundung in einem"

von Uljana Wolf
Die Idee zu diesem interaktiven Projekt entstand begleitend zum poesiefestival berlin in Kooperation mit der Literaturwerkstatt Berlin. Zwischen dem 17. - 24.6.2011 wurden einige der spannendsten Dichter Frankreichs vorgestellt. In dem Workshop "VERSschmuggel" trafen sie auf junge Lyriker aus Deutschland und übersetzten gemeinsam ihre Gedichte. Bei diesem poetischen Dialog entstanden Neudichtungen in der Sprache des anderen von herausragender Qualität. Mit dabei waren der Berliner Tom Schulz und Albane Gellé aus Saumur. Beide kennen sich nicht in der jeweils anderen Sprache aus, ihnen lag aber eine wortwörtliche Übertragung vor und ein Übersetzer begleitete sie bei dem Übersetzungsexperiment. Die Ergebnisse erscheinen im Sommer 2012 im Verlag „Das Wunderhorn“ und dem französischen Partnerverlag Editions La passe du vent unter dem Titel „VERSschmuggel. RéVERSible.“, herausgegeben von Aurélie Maurin und Thomas Wohlfahrt. Mehr dazu hier:

Poetischer Dialog. Interview mit Tom Schulz




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In Kooperation mit ARTE Creative , Literaturwerkstatt Berlin, SWR2 und Deutsch-Französischem Jugendwerk




Erstellt: 11-03-11
Letzte Änderung: 05-02-13