Schriftgröße: + -
Home > Die Welt verstehen > Allergien

Allergien

In Europa leiden inzwischen rund 30% der Bevölkerung an Allergien, Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2010 jeder Zweite betroffen sein wird ! Trotz dieser dramatischen Zunahme stoßen Betroffene oft auf Unverständnis.

> Ursachenforschung

17/09/08

Ursachenforschung

Durch jahrzehntelange Erforschung der Allergien sind sich die Wissenschaftler heute sicher: Eine zentrale Rolle spielt das Immunsystem des Menschen. Im Zentrum des Interesses stehen zur Zeit vor allem zwei Faktoren - die hohe Belastung durch Feinstaub in ganz Europa und die veränderten Hygienebedingungen.

Previous imageNext image
Feinstaub - die unsichtbare Gefahr
Allergien haben europaweit vor allem in Städten mit hoher Luftverschmutzung stark zugenommen. Höchstwahrscheinlich besteht ein enger Zusammenhang zwischen beiden Faktoren, was der genaue Auslöser für diese Zunahme der Erkrankung ist, ist jedoch bislang noch ein Rätsel.
Vor allem in Städten und Ballungszentren sind Menschen erheblichen Schadtstoff-Belastungen ausgesetzt. Hauptproblem sind jedoch nicht die großen Schadstoff-Partikel , sondern der vieldiskutierte "Feinstaub" - feine Partikel, die aufgrund ihrer Größe und Zusammensetzung nicht sedimentiert oder weggewaschen werden können, sondern in der Luft schweben und dadurch in großen Mengen verstreut werden. Beim Einatmen gelangt er bis tief in die Lungenbläschen und verteilt sich über das Blut im gesamten Organismus. Vor allem Dieselmotoren, aber auch Bremsen- und Reifenabrieb produzieren große Mengen dieser feinen Staubpartikel.
Forscher entdeckten, dass Feinstaub nicht nur unser Immunsystem belasten und dadurch Allergiesymptome verstärken kann, sondern auch die Pflanzenpollen selber verändert. Belastete Pollen geben die Allergene, die sie in sich tragen, stärker und aggressiver frei als gewöhnlich.
Durch ständigen Bakterienkontakt trainieren die Kinder ihr Immunsystem.

Hygienehypothese
Eine zweite Hypothese der Ursachenforschung bezieht sich auf die veränderten Hygienebedingungen. Vermutlich seit den frühen Tagen des homo sapiens haben Menschen in mehr oder weniger friedlicher Symbiose mit verschiedenen Darmparasiten gelebt. Durch die Industrialisierung, verbesserte Hygienebedingungen und den starken Rückgang von Infektionskrankheiten wurden nicht nur gefährliche, sondern auch nützliche Keime und Parasiten im menschlichen Organismus vernichtet. Vermutet wird, dass sich unser Immunsystem durch das Fehlen geeigneter und notwendiger "Trainingspartner" in der Kindheit nun andere Gegner sucht - an sich harmlose Allergene wie Birkenpollen, Kuhmilch oder das Hühnerei.

Gestützt wird diese These durch die Tatsache, dass sich das Allergie-Risiko für Kinder, die auf Bauernhöfen geboren werden und dort ihre ersten Lebensjahre verbringen, um die Hälfte verringert. Eine deutsche Studie von 2002 erklärt das Phänomen: durch ständigen Bakterienkontakt trainieren die Kinder ihr Immunsystem. Diese Lebensweise wirkt quasi wie eine "Impfung". - wissenschaftlich bewiesen ist das jedoch noch nicht. In dem Moment, wo wir den Organismus wieder gezielt mit "guten" Bakterien konfrontieren, so ein aktueller Ansatz der Forschung, ist diese Fehlsteuerung vielleicht korrigierbar. In einer Pilot-Studie testet die Charité in Berlin die Wirkung von Bakterien auf das Immunsystem von Babys. Winzige Bakterienteilchen sollen ihr Immunsystem "beschäftigen" und stark machen - um in Zukunft zwischen gefährlichen Keimen und harmlosen Stoffen unterscheiden zu können.

Ausgehend von dieser Hypothese arbeiten auch Biologen eines Hamburger Unternehmens an einer neuen Therapie: Winzige Eier des Schweinepeitschenwurms sollen dabei helfen, die Störungen des Immunsystems zu beseitigen - sie können sich im menschlichen Darm nicht einnisten und verlassen den falschen Wirt nach etwa 2 Wochen wieder. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in den sog. Entwicklungsländern ist Schätzungen zufolge mit diesem harmlosen Parasiten "infiziert", negative Wirkungen sind nicht bekannt. Bislang konnten vor allem Patienten, die unter Morbus Crohn und Allergien litten, sehr gute Heilerfolge erzielen. Was genau für den positiven Effekt verantwortlich ist, ist jedoch unbekannt. Bislang ist die Wurmtherapie noch nicht als Medikament zugelassen. Jetzt wird die Therapie ausführlich intersucht. Sollten die Studien erfolgreich verlaufen, wäre dies ein Durchbruch in der Forschung.

---------------
Mit Material aus dem Themenabend "Allergien auf dem Vormarsch"
vom 28.03.2006

Erstellt: 24-03-06
Letzte Änderung: 17-09-08