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19/03/09

Urban Explorers

Eine Reportage von Raphaelle Uriewicz


Spinnenmensch gegen Maulwurf: Die Urban Explorers sind die Stadtstreicher der vierten Dimension.

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Miru Kim

Heute ist Miru Kim zu Gast bei der Gestarc Gallery in Brooklyn. Seit drei Jahren kombiniert sie in ihrem Projekt "Naked City Spleen" urbanes Brachland, Fotografie und Nacktheit. 1981 in Massachusetts geboren, verbringt Miru ihre Kindheit in Korea, bevor sie mit Vierzehn in die USA zurückkehrt. Über ihr Kunststudium in New York lernt sie Urban Exploration kennen. Fasziniert von den verwaisten Welten, die sie in den Kellern und auf den Dächern des Big Apple erwarten, inszeniert sie ihren Körper vor einer Kulisse, die - so real sie auch ist – aus einem Science Fiction-Film stammen könnten. Wenn sie Fotos wie diese macht, ist Miru allein mit ihrer Kamera, einem Stativ, und dem Selbstauslöser.

Miru Kim: "Ich posiere nackt, weil Kleidung immer eine kulturelle oder zeitliche Konnotation hat. Ich wollte eine Figur haben, die fast wie ein wildes Tier durch die Stadt streift, durch die verlassenen Teile New Yorks."


Allergy

Künstler erobern die Schattenseiten unserer Großstädte. In Paris wartet Allergy darauf, im Schutz der Dunkelheit in verbotene Gefilde vordringen zu können. Um vier Uhr morgen entert er mit der Kamera bewaffnet ein Baugerüst im 9. Arrondissement. Der ehemalige Kunststudent ist über das Taggen zur Urban Exploration gekommen. Allergy hat jahrelangt gesprayt und weiß deshalb, wie man das Land erobert, das hinter dem “Zutritt verboten“-Schild liegt.
Wenn er über die Dächer der Großstadt spaziert, hat Allergy immer eine Kamera dabei. Die visuelle Dokumentation dient ihm als Grundlage für seine künstlerische Arbeit. "From Heaven to Grave" heißt seine Ausstellung im holländischen Eindhoven, in der er 2008 eine vertikale Reise - rauf auf die Dächer und runter in die Eingeweide der Stadt - unternimmt. Dieselben Bilder verarbeitet er beim nächtlichen VJing im Club.

Saoulaterre

Andere sind wahre Spezialisten des Untergrunds. Ihr Paralleluniversum kennen nur wenige Auserwählte. Saoulaterre und seine Crew müssen mit der Polizei Katz und Maus spielen, bevor sie in die Unterwelt zehn Meter unter den Straßen von Paris abtauchen. Seit fünfzehn Jahren sind die Pariser Untertage-Steinbrüche Saoulaterres Spielwiese. Aus den mit Tunnels verbundenen Stollen wurde seit dem 12. Jahrhundert Kalkstein für den Hausbau gefördert. Und mittendrin: Berge von Gebeinen. Die Katakomben dienten als Ausweichlager für die überlasteten Pariser Friedhöfe.

"Paname sans dessus, dessous" von Gorki Plubakterre bei Color Zoo
Eine Parallelwelt, die Saoulaterre in seinem Bildband "Paname sans dessus, dessous" dokumentiert. Saoulaterre und seine Leute tauchen regelmäßig in die Steinbrüche ab, um dort Raves zu organisieren. Dabei wird nichts dem Zufall überlassen. Stromaggregat und Anlage werden heimlich runtergeschafft, genau wie die Flyer mit der Wegbeschreibung zur Underground-Soirée.
Kommen darf jeder, der das Glück hat, den Höhlenmenschen über den Weg zu laufen. In diesen heiligen Hallen bringt Saoulaterre die Erzeugnisse seines Labels Cavage Records unter die bis zu hundert Leute. Natürlich ist auf den Scheiben der hier eingespielte Höhlensound zu finden, irgendwo zwischen Techno, Rap und Industrial. Hier klopft wenigstens kein Nachbar mit dem Besenstiel an die Decke.

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Samstag 14. März 2009 um 03.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2009, 52mn)
ARTE F

Erstellt: 12-03-09
Letzte Änderung: 19-03-09