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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 24. März 2005 - 22/03/05

Unternehmen Paradies

Ein Film von Volker Sattel


Ein eigenes, spezielles Berlinbild, das
absolut sehenswert ist

Synopsis: Volker Sattel reiht assoziativ Bilder, Szenen und Momente aus der Hauptstadt aneinander – und kreiert so sein ganz persönliches Bild von Berlin.

Kritik: 2002, vor drei Jahren feierte Walter Ruttmanns legendärer Dokumentarfilm Berlin - Sinfonie einer Großstadt sein 75-jähriges Jubiläum. Pünktlich zu diesem Anlass stellte Dokumentarfilmer Thomas Schadt (Der Kandidat) seine gleichnamige Neuinterpretation des Ruttmann Films vor. Er drehte mit Schwarz/Weiß Material auf 35 mm und unterlegte dem Film eine eigens dafür komponierte Musik. Dafür stand ihm ein
1- Millionen-Euro Budget zur Verfügung. Eigene Wege ohne jegliche Förderung beschritt dagegen Volker Sattel, der ebenfalls 2002 seinen persönlichen Blick auf Berlin präsentierte: Unternehmen Paradies. Leider findet der Film erst jetzt seinen Weg in die Kinos. Unternehmen Paradies kommt ohne Kommentar, ohne Interviews und ohne Handlung aus. Über ein Jahr lang fängt Voker Sattel Bilder ein – von der fast fertigen Baustelle Potsdamer Platz, von Präsidentenvisiten, Maidemonstrationen und Erotikmessen.

Dabei nutzt Sattel u.a. auch mediale Ereignisse – er stellt sich mitten hinein in den Pulk der Journalisten, aber seine Kamera weicht dennoch ab, in dem was sie zeigt. Die Journalistenmenge, die zahlreichen Mikrofone, das Gedränge sind ebenso Bestandteil seiner Aufzeichnung, wie das „Ereignis“ selbst. In seltenen Fällen kommentiert der Filmemacher das Gezeigte – aber nicht durch einen mündlichen Kommentar, sondern durch den Schnitt selbst. So zeigt er etwa eine Nazidemonstration aus einer Totalen, schneidet auf ein Haus, indem Menschen hinter Fenstern das Ereignis beobachten und schneidet zurück – doch da sind dann auf einmal grasende Kamele auf einer Wiese zu sehen.

Seine Kamera enthält sich jeder Wackelei und kreiert dabei sehr schön kadrierte lange Einstellungen. Manchmal bewegt sie sich auch – in langsamen, gleichmäßigen Fahrten. Gemeinsam mit der eigens für den Film komponierten elektronischen Musik von Tim Elzer entwickelt der Film dadurch eine Sogwirkung, die mit der eines Spielfilms vergleichbar ist. Ein interessanter Effekt, denn Unternehmen Paradies verzichtet komplett auf eine Geschichte oder Handlung.

Der Zuschauer hat dadurch genug Zeit, sich auf die Bilder selbst einzulassen. Erst meint man die Stadt zu erkennen, die man selbst gut kennt, doch schon bald setzt ein Verfremdungseffekt ein. Die Architektur des Potsdamer Platzes etwa wirkt menschenleer majestätisch groß – doch sobald ein Mann in kurzen Hosen mit einem kleinen Kind die Rolltreppe empor gefahren kommt, wirkt die Architektur kalt und fast unmenschlich.

Unternehmen Paradies zeigt einen Tag, vom Morgengrauen bis zur Nacht in Form eines Konzertes der elektronischen Band „Mouse on Mars“. Durch seine Montage – die Kombination aus Bild, Musik und Originaltönen entwirft Unternehmen Paradies sein ganz eigenes, spezielles Berlinbild. Ein Bild, das absolut sehenswert ist.

Nana A.T. Rebhan

Unternehmen Paradies
Deutschland 2002, 59 Min.
Regie: Volker Sattel
Mit: Berlin als Hauptstadt
Die offizielle Website zum Film

Erstellt: 22-03-05
Letzte Änderung: 22-03-05