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Cannes 2005 - Un certain regard - 15/05/05

Une fois que tu es né

Ein Film von De Marco Tullio Giordana


Nach einem Badeunfall wird ein behütetes Kind von einem Flüchtlingsschiff aufgegriffen und dort mit der Verzweiflung der Menschen konfrontiert, die nichts mehr zu verlieren haben.


(Italien, 2004, 118 Min.)
Mit: Alessio Boni, Michela Cescon, Rodolfo Corsato

Synopsis: Der 12-jährige Sandro entstammt einer wohlhabenden Familie aus Brescia, einer norditalienischen Kleinstadt. Sein Vater, ein Kleinunternehmer, nimmt ihn mit zum Segeln. Mitten in der Nacht fällt Sandro ins Wasser und wird in letzter Minute von Radu gerettet, dem Passagier eines Schiffes, auf dem sich illegale Einwanderer befinden. An Bord entdeckt Sandro eine ihm völlig unbekannte Welt und schließt mit Radu und dessen kleiner Schwester Alina Freundschaft.

Kritik: Selbst eine klar definierte Absicht führt nicht unbedingt zum Erfolg. Marco Tullio Giordana möchte in seinem Film die Kluft zwischen zwei Welten aufzeigen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und keinerlei Berührungspunkte aufweisen. Sandro, der aufgeweckte Spross einer bürgerlichen Familie, wird von Bootsflüchtlingen gerettet, denen nichts mehr geblieben ist außer der Hoffnung auf ein besseres Leben. Im Zuge dieser gefährlichen Reise lässt ihn das Schicksal dieser Menschen nicht unberührt. Seine anfängliche Neugierde wird zu Mitgefühl und schließlich solidarisiert sich Sandro mit seinen Rettern.

Die Reise bedeutet für Sandro einen Reifungsprozess, das Leid der anderen geht ihm unter die Haut, während ihn seine frühere Welt, die der Schulfreunde, kalt lässt. Der Film besteht aus mehreren Teilen, der Kreuzfahrt, dem Badeunfall (eine filmische Meisterleistung), der Reise auf dem Flüchtlingsboot, der Zeit im Aufnahmelager unter Aufsicht der Polizei, der Rückkehr in den Schoß der Familie und schließlich dem Besuch in der entsetzlichen Behausung der Einwanderer in Mailand. Die jungen Schauspieler, die Sandro, Radu und Alina verkörpern, beeindrucken durch eine unglaubliche Präsenz, die bewirkt, dass man den Blick nicht von ihnen abwenden kann. Doch trotz der brillanten Darsteller überzeugt der Film nicht, der ausschließlich den Blickwinkel des wohlhabenden Kindes aus der so genannten „zivilisierten“ Welt widerspiegelt.

Von den Einwanderern sieht man nur flüchtige Gesichter, sie sprechen kaum und existieren im Drehbuch quasi nicht. Sie kommen aus aller Herren Länder, sprechen viele Sprachen und sind reduziert auf eine Präsenz, die ein schlechtes Gewissen verursacht. Diese typisch westliche Haltung möchte der Regisseur im Grunde kritisieren, doch sein Plan geht nicht auf. Viele Äußerungen werden im Film nicht übersetzt, was beim Zuschauer nur Distanz bewirkt. Das Konzept, den „Fremden“ auf diese Weise darzustellen, ist vielleicht auf dem Papier eine gute Idee, doch auf der Leinwand ist der Ansatz zum Scheitern verurteilt: Das, was die Menschen sagen, die Sklaven des 21. Jahrhunderts, ist unverständlich. So begreift Sandro erst spät, dass der alte Mann, der so verzweifelt war, ihm auf Sudanesisch seine Geschichte erzählen wollte. Sandro möchte Alina und all den anderen helfen, für die der Traum zum Alptraum wurde, er möchte sie von einer gewaltigen Last befreien, doch es ist unmöglich, da er sie nicht verstehen kann. Damit endet der Film, und zurück bleibt ein schmerzliches, höchst unbefriedigendes Gefühl.

Delphine Valloire


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Time to leave

Ein Film von De Marco Tullio Giordana
(Italien, 2004, 118 Min.)
Mit: Alessio Boni, Michela Cescon, Rodolfo Corsato

Erstellt: 15-05-05
Letzte Änderung: 15-05-05