Kinostart 05. Januar 2006 - 28/02/06
Ultranova
Ein Film von Bouli Lanners
Lakonische Filmperle aus
der Industrieebene Belgiens
Weitere Artikel zum Thema
Synopsis: Dimitri verkauft mit seinen Kollegen Fertighäuser. Tristesse umgibt den jungen Belgier, der sich eines Tages in Cathy verliebt, die mit ihrer besten Freundin Jeanne in einem Möbelhaus arbeitet.
Kritik: Der eigentlich sehr ruhige Film startet mit einem lauten Knall. Ein Airbag hat sich völlig grundlos aufgeblasen, der Fahrer hat dadurch einen Unfall verursacht. „Dies ist ein Zeichen,“ meint einer der Vertreter für Fertighäuser, die den irritierten Mann in ihrem Auto mitnehmen. Wofür dies ein Zeichen ist verrät der Film nicht. Aber im Laufe der Zeit werden diverse Nebenfiguren Schlüsselmomente für die Hauptfiguren übernehmen. So versucht etwa Cathys Freundin Jeanne mit Hilfe eines Messers die Lebenslinie auf ihrer Handinnenfläche zu ändern – was zu einem Blutbad mittlerer Größenordnung führt.
Der Autor und Regisseur Bouli Lanners kreiert in seinem Regiedebüt eine Welt voller Lakonie, die an die besten Filme Kaurismäkis oder Jarmushs erinnert. Seine Helden torkeln durch bisweilen absurd-komische Lebenssituationen inmitten ihrer Tristesse. So lernt Dimitri Cathy kennen, als er eine Party verlässt, weil er nicht in der Stimmung dazu ist, und es voraussichtlich auch nie sein wird. Cathy will gerade auf diese Party gehen, doch ein Fremder bittet beide, ihm bei der Suche seines Hundes behilflich zu sein. So kommen sie sich – lauthals den Namen des Hundes rufend - schließlich ein wenig näher.
Die sorgfältig kadrierten Cinemascopeaufnahmen der Industrielandschaft kontrastieren mit den unaufgeregten, einsilbigen Figuren und der Handlung, die ohne dramatische Höhepunkte dahin fließt. Regisseur Bouli Lanners arbeitete u.a. als Landschaftsmaler, bevor er sich der Filmarbeit zuwandte. Er sagt: „Das Bild im Cinemascopeformat wurde zur Leinwand, die Schauspielerei zu farbigen Pinselstrichen und der Film zum Gemälde.“ Nachvollziehbar ist deshalb, dass sich Gefühle in Ultranova vor allem über den hervorragenden elektronischen Soundtrack des Djs Jarby McCoy vermitteln. Bouli Lanners hat dessen minimalistische Klänge unauflösbar mit den Bildern verwoben. Sie tragen einander gegenseitig.
Ultranova ist ein kleiner, in seiner Reduziertheit radikaler Film. Ein mutiges Debüt, das einen starken Stilwillen demonstriert. Bouli Lanners gelingt es, seiner speziellen Weltsicht nachhaltigen Eindruck zu verleihen: „Ich mag gern das Traurige, und auf eine ganz natürliche Weise habe ich einen eher traurigen Blick auf die Welt.“ Die Helden seines Films sind für ihn „wie kleine Sterne, deren Wärme man erst bei ihrer Implosion wahrnimmt. Wie Supernovas, die vor ihrem endgültigen Tod ein letztes Mal leuchten... (...) Für mich sind sie Ultranovas.“
Nana A.T. Rebhan
.......................
Ultranova
Belgien 2005, 83 Min.
Buch und Regie: Bouli Lanners
Mit: Vincent Lecuyer, Hélène de Reymaeker
Erstellt: 03-01-06
Letzte Änderung: 28-02-06