Geister - 01/09/08
Über Geister (Zweiter Teil)
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Ein Raum im Krankenhaus heißt "Swedenborg"*. Sind Sie ein Anhänger von Swedenborgs Philosophie?
Ich weiß nicht viel über ihn. Ich brauchte einen Namen für dieses Vorzimmer des Todesreiches. Ich habe irgendwo mal von einem solchen Ort gehört, aber ich konnte mich nicht mehr erinnern wo, also habe ich "Swedenborg" beibehalten. Die ganze Serie ist eigentlich eine gute Veranschaulichung der mystischen Vorstellungen von Swedenborg. Niels (Vorsel) kennt ihn wahrscheinlich besser als ich. Ich kann mir vorstellen, daß es Swedenborg gefallen würde, daß ein solches Zimmer seinen Namen trägt: ein tapeziertes Zimmer mit zwei Stühlen, zwei Türen und einem einzigen Bild, auf dem eine Landschaft mit einem Tiger, einer Schlange und ein paar Vögeln zu sehen ist....
Mehrere Ihrer Filme behandeln den Konflikt zwischen zwei Extremen: Ordnung und Chaos, Gut und Böse...
Das ist keine Absicht, aber es stimmt, daß dieser Konflikt den Hintergrund dieser Serie bildet. Das Krankenhaus hat auch etwas von einer Arena, mit ihren Übeln und ihren Heilmitteln.
Eine Ihrer Figuren in Geister stellt diesen Konflikt zwischen Gut und Böse dar: der "Kleine Bruder". Er lebt diesen Konflikt sowohl körperlich als auch seelisch.
Ja, das ist die wesentliche Triebkraft meiner persönlichen Auffassung der Komödie. Aber die Episoden, in denen der "Kleine Bruder" auftaucht, sind vielleicht etwas philosophischer
Geister spielt in einem Krankenhaus, im großen Städtischen Krankenhaus von Kopenhagen. Was halten Sie von der Medizin und den Ärzten?
Nicht viel.
Wie steht es mit Ihrer Hypochondrie?
Die geht immer weiter! Seit wir uns im März das letzte Mal gesehen haben, war ich an wenigstens fünf oder sechs Krebsarten erkrankt, natürlich alle unheilbar. Die Menge und die Vielfalt der Krebsformen, die man sich als Hypochonder vorstellen kann, ist beeindruckend!
In Geister ist es Stig Helmer, gespielt von Ernst-Hugo Järegård, der an Hypochondrie leidet.
Ja, die neue Staffel ist eindeutiger satirisch, und zwar auf mehreren Ebenen. In der ersten Staffel gab es komische Episoden, aber es war noch nicht so klar, worauf sich die Satire eigentlich bezieht.
In Ihrer Serie treten immer mehr Schweden auf. Neben Ernst-Hugo Jaregard in der Rolle des Stig Helmer gibt es noch einen anderen Schweden, Stefan Skarsgard - er spielte auch in Breaking the Waves - in der Rolle von Helmers Rechtsanwalt. Erleichtert der Einsatz von schwedischen Schauspielern möglicherweise die Kritik an den Dänen?
Nein. Für die Auflösung bereite ich eine Konfrontation von Schweden und Dänen vor. Die Frage muß aber noch überdacht werden, denn die Schweden beabsichtigen, das Atomkraftwerk in Barsebak zu schließen, so daß wir uns nicht mehr auf dieses Argument stützen können.
Aber das Atomkraftwerk ist doch noch nicht geschlossen. Das Schließungsvorhaben wird gegenwärtig geprüft. Vielleicht haben Sie Glück, und die Entscheidung fällt erst später?
Ich weiß, es ist im Grunde unwichtig, denn wir können andere Dinge ins Feld führen. In der dritten Staffel wird es burlesker zugehen, denke ich. Mehr Auftritte im Stil des "Olsen-Tandems"* mit einer guten Dosis Satire. Tut mir leid, ich kann leider nicht mehr über Geister II sagen: Für mich gehört das schon der Vergangenheit an.
Klar. Sie drehen schon einen neuen Film unter dem Titel Idiots, nicht wahr?
Ja, es ist ein sehr witziger Film, aber ganz anderer Art. Aber das ist eine andere Geschichte.
*Emmanuel von Swedenborg (1688-1772) schwedischer Naturforscher und Theosoph; die Anhänger seiner visionäre Universaltheorie sammelten sich in Vereinigungen der "Swedenkorpianer". Übte Einfluß auf Kant, Goethe, Schopenhauer u.a. aus.obtenu.
**Antihelden, die sich immer in mißliche Situationen manövrieren (Ole Olsen und Chic Johnson, in Hellzapoppin)
Interview: Stig Bjorkman Kopenhagen, Juni 1997
Erstellt: 27-10-05
Letzte Änderung: 01-09-08