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Venedig 2004 - 06/09/04

Udalionnyj dostup (Remote Access)

Ein melancholischer Liebesfilm aus Russland


Ein Film von Svetlana Proskurina
Offizieller Wettbewerbsbeitrag

Synopsis: Zhenya ist 20. Sie weiß nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen soll, und beginnt einen Job bei einer Telefonsex-Hotline. Dabei lernt sie den etwa gleichaltrigen Sergey kennen. Sie gibt ihm ihre Privatnummer. Stundenlang telefonieren sie miteinander und verlieben sich schließlich. Doch ein Treffen zögern sie immer wieder hinaus. Beide haben Angst, dass ihre zärtliche Liebe dadurch zerstört werden könnte. Dann passiert etwas unerwartet Furchtbares...

Kritik: Zhenya hat ihre Haare streichholzkurz geschnitten. Ihre weit aufgerissenen Augen zeigen, dass sie auf der Suche nach Liebe ist, aber die kann sie nirgendwo finden. Schon gar nicht bei ihrer Mutter, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit hysterische Anfälle bekommt. Einmal sagt ihre Mutter zu ihrem Vater „ich bin jetzt dein Hund, streichel mich“. Ein andermal läuft sie wutentbrannt ins Zimmer ihrer Tochter und beschwert sich, dass sie sie nicht mehr ertragen kann. Einfach so. Svetlana Proskurina stellt drei Personen in den Mittelpunkt ihres Films, die alle unter einem gestörten sozialen Verhalten leiden: Zhenya, ihre Mutter und Sergey. Die russische Regisseurin zeigt kleine Puzzlestückchen aus dem Leben ihrer drei Hauptfiguren. Diese zu einem ganzen Film zusammen zu setzen überlässt sie dem Zuschauer. Sie baut eine bedrückende Atmosphäre, in der es für den einzelnen schwierig ist, zu seinen Bedürfnissen und Gefühlen zu stehen. Zu kaputt sind die Menschen in ihrem Film, als dass sie einander wirklich helfen oder Nähe geben könnten. Immerhin hören sich Zhenya und Sergey einander am Telefon zu. Das ist schon viel für die eisige Welt, in der die beiden leben.

In den besten Minuten des Films entsteht ein fast schwereloser Zustand der Personen, der sich auf den Zuschauer überträgt. Die Gesichter sind blass, so blass, dass sie fast mit ihrer Umgebung zu verschmelzen drohen. Sie wirken sphärisch, nicht von dieser Welt. Da kommt ein Gefühl der Fremde und Verlorenheit auf, wie man es aus den Filmen Ingmar Bergmans kennt. Von dessen Meisterwerken ist REMOTE ACCESS allerdings noch weit entfernt. Vieles bleibt unschlüssig rätselhaft. Die Rückblenden eines Bootsunglücks, bei dem Sergey seine Mutter und Schwester verloren hat, fügen sich kaum in den Rest des Films ein. Überhaupt bleibt die Figur des Sergey zu ungenau. Das furchtbare Ende, das die Liebe der beiden im Keim erstickt wirkt konstruiert. Es ist wohl auch nur vorhanden, um das Zitat des russischen Autors Ivan Bunin in Erfüllung gehen zu lassen. Das Zitat, das die Regisseurin zu ihrem deprimierenden Film inspiriert hat, und dass sie am Zuschauer sich erfüllen lassen wollte. Es lautet: „Jahr für Jahr, Tag für Tag warten wir heimlich auf ein Ereignis – eine fröhliche Liebesaffäre. Am Ende leben wir nur noch für die Hoffnung auf solch eine Begegnung, aber wir warten umsonst...“

Nana A.T. Rebhan


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Remote Access
Russland 2004, 85 Min.
Buch und Regie: Svetlana Proskurina
Mit Dana Agisheva, Alexander Plaksin, Yelena Rufanova, Vladimir Ilyin, Fyodor Lavrov
Offizieller Wettbewerbsbeitrag

Erstellt: 06-09-04
Letzte Änderung: 06-09-04