Intro: Ein Mann zwischen zwei Frauen: Soll der labile Leonard die Vernunftehe mit der Tochter von Bekannten eingehen und damit die Familientradition weiterführen ? oder doch mit der fragilen Nachbarin ausbrechen. Das zarte Beziehungsdrama von James Gray wird allen gerecht.
Im Gespräch mit dem Regisseur James Gray und Vinessa Shaw
Der Trailer zum Film(Windows Media Video)
Synopsis: Brooklyn, 1998: Aus der Psychiatrie entlassen, lebt der labile Leonard bei seinen Eltern und hilft mehr schlecht als recht in der Reinigungsfirma seiner jüdischen Eltern aus. Als sie versuchen, ihn mit der Tochter eines befreundeten Ehepaares zu verkuppeln, um so die religiöse wie Firmendynastie zu bekräftigen und zwei Reinigungsketten zu fusionieren, geht er nur zögerlich darauf ein. Hat er sich doch in seine ebenfalls nicht gerade robuste Nachbarin Michelle verguckt, die ihn ihrerseits als besten Freund und Mitwisser für ihre unglückliche Affäre mit ihrem Chef missbraucht. Doch Leonards Obsession geht soweit, dass er alles für sie aufgeben will.
Kritik: Nach einem Abstecher nach Queens mit "The Yards" von 2000 kehrt James Gray wieder zu seinen filmischen Wurzeln zurück in die jüdische Arbeiterklasse von Little Odessa, Brooklyns Seebad, das er bereits mit seinem gleichnamigen Debüt von 1995 thematisierte. Mit großer Zärtlichkeit für seine Charaktere zeigt er ihre emotionalen Befindlichkeiten zueinander und kann sich dabei voll und ganz auf das schauspielerische Talent seiner Hauptdarsteller verlassen; allen voran Joaquin Phoenix als Leonard, Isabella Rossellini als seine besorgte und gleichermaßen aufmerksame Mutter und Gwyneth Paltrow als emotional verunsicherte Nachbarin Michelle.Joaquin Phoenix spielt meisterhaft alle Facetten des labilen, bipolaren Leonards aus. Seitdem seine damalige Verlobte ihn verließ, hat er hat einige Zeit in der Psychiatrie verbracht und wird seitdem medikamentös behandelt. Leonards zittrige Handlungen machen ihn zu einer wandelnden Zeitbombe, die seine Eltern in ständiger Angst um ihn leben lässt: Wann wird er wieder ins Meer springen und versuchen sich umzubringen? Joaquin Phoenix glänzt hier einmal mehr als Charakterdarsteller. Zugegebenermaßen hat er bereits etwas von der körperlichen Fülle eines nicht mehr ganz jungen Marlon Brando und die tumbe Unbeholfenheit seines Körpers gleicht ungefähr der Geschmeidigkeit eines Tanzbären. Er verkörpert einen Leonard, der höchst sensibel ein feines Gespür für seine Umgebung beweist, und auch sehr gut weiß, wie er sie zu manipulieren vermag. So wenn er Sandra, die Tochter der Bekannten die kalte Schulter zeigt und seinen Eltern vorspielt, scheinbar auf die arrangierte Ehe einzugehen während er sich schon in seine Flucht mit Michelle nach San Francisco verstiegen hat.
Leonard kann nicht aus seiner Haut und möchte doch entfliehen, auch aus seinen Verhältnissen. Er handelt obsessiv und zwanghaft, kreisen doch seine Gedanken nur um Nachbarin Michelle. Er ist süchtig nach ihrer Zuwendung während sie in nur als emotionale Stütze benutzt und sich ihrerseits nur um ihren Chef und ihre Affäre mit ihm dreht. James Gray ist es sehr mitfühlend gelungen, die Gefühlslagen und Spannungen in den Details zu zeigen. Wenn zum Beispiel Michelle Leonard zum Abendessen mit ihrem Liebhaber, gespielt von Elias Koteas, mitbringt, damit er beurteilen soll, ob der es mit Michelle auch ernst meint und seine Familie für sie verlassen würde. Da zeigt Regisseur Gray in Nahaufnahme, wie der Chef sanft Michelles Wange streichelt und der Zuschauer kann wahrlich mitfühlen, wie es Leonard dabei zumute sein muss. Als Nachbarn kann er schließlich jeden ihrer Schritte im Fenster des Hauses direkt gegenüber beobachten. Doch das ist auch der Auslöser seiner Pein, schließlich nimmt sie ihn nicht wirklich wahr und hat nur Augen für ihren Chef. Die herunter gelassene Jalousie seines Zimmers ist das einzige, was er ihr entgegensetzen kann, um nicht noch mehr verletzt zu werden. Und wenn James Gray symbolisch Gefühle einsetzt, wird es nie platt oder aufgesetzt: Der Moment, wenn Leonard am Strand seinen Lederhandschuh aufhebt, den ihm die Tochter der Bekannten geschenkt hat, ist einer der einfühlsamsten überhaupt. Ein schöner Film.Verena Dauerer







per E-Mail verschicken
Ein kleines bisschen Halt.
Facebook
Twitter
RSS

