Regie: Wolfgang Petersen
Mit Brad Pitt, Eric Bana, Orlando Bloom, Diane Kruger, Brian Cox, Sean Bean,Brendan Gleeson
Offizieller Wettbewerbsbeitrag, Außer Konkurrenz
Kritik: „Homer wird Hollywood überleben“ sagt der junge Drehbuchautor David Benioff, der mit TROY eine historisch äußerst freizügig ausgelegte Version abgeliefert hat. Die Götter, die in der Ilias bislang immer alle Fäden in der Hand hatten und über Schicksal und Tragödie jedes einzelnen Sterblichen entschieden, hier dürfen sie nicht mehr mitspielen. Hollywood hat die Ilias entmystifiziert. Statt der himmlischen Perspektive des Zeus gibt es nunmehr mannigfaltige Hubschraubereinsätze, die die 3D geklonten heranrückenden Tausendschaften von Schiffen ins rechte Bild rücken. Petersen – der deutsche Actionspezialist in Hollywood – erzählt eine Geschichte „bigger than life“. Irgendwofür muss man 200 Millionen Dollar ja schließlich auch ausgeben, und in gute Dialoge sind sie bestimmt nicht investiert worden.
Hölzern und eckig schleppen sich die Szenen dahin, in denen nicht gekämpft wird, mit ganz wenigen Ausnahmen, die dann den Rest des Films allerdings um so blasser wirken lassen. Peter O’Toole etwa erreicht als König Priam wahre Größe: Wenn er seinen Erzfeind Achilles um den Gefallen bittet, seinen Sohn nach den Ritualen bestatten zu dürfen, dann erreicht das Funkeln in seinen Augen eine solche Suggestivkraft, dass Brad Pitt wie bekifft neben ihm wirkt. Überhaupt fällt es schwer, Brad Pitt das Image eines der besten Kämpfer der Antike abzunehmen. In seinen sehr zeitgemäßen Bewegungen, der Gestik und Mimik erinnert er vielmehr an einen Surfer, dem die Wellen ausgegangen sind.
Diane Heidkrüger aus Hildesheim als schöne Helena wirkt fahl und uninteressant, kaum zu glauben, dass wegen ihr einer der größten Kriege der Antike ausbricht. Die Schlachten werden aufwendig geschlagen, doch leider bekommt der Zuschauer immer entweder Totalen der riesigen Menschenmenge oder Close Ups mit gemein blutigen Szenen vorgesetzt, dazwischen existiert nichts, das wirkt bisweilen recht irritierend.
Eklektizismus ist das Zauberwort dieser Megaproduktion, die nicht davor zurückscheut, die Ilias - eines der größten Werke von Homer, das eine Entwicklung von über zehn Jahren beschreibt – in einen Film zu packen, ohne dem Zuschauer irgendeinen zeitlichen Überblick zu gestatten. Setdesigner Nigel Phelps – der auch Pearl Harbour baute, um diesen anschließend in die Luft zu jagen – hat sich im Museum die Rekonstruktion von Troja angesehen, und fand sie visuell nicht ansprechend genug. So klaute er sich diverse architektonische Stile zusammen – von der Antike bis zum Mittelalter – und erschuf sich sein ganz eigenes Troja.
Zu all dem fällt einem als Kommentar nur Zeus donnerndes Schlusswort (in daktylischen Hexametern) aus dem 17. Gesang der Ilias ein: „Denn kein anderes Wesen ist jammervoller auf Erden/Als der Mensch, von allem was Leben haucht und sich regt.“
Nana A.T. Rebhan






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