Die Reportage in voller Länge sehen (real video - 9mn49)
irational.orgKatastrophenalarm in England! Plünderungen, Panik! Was tun? Zum Glück haben eine Handvoll Aktivisten in Bristol das Schlimmste bereits vorausgesehen und Notrationen im Wald vergraben. Kayle Brandon und Heath Bunding nehmen die Massen-Evakuierung lieber selbst in die Hand, der Regierung vertrauen sie schon lange nicht mehr. Für den Fall einer Katastrophe haben sie alle Zufluchtsorte auf einer Karte eingezeichnet. Technologie, Kunst und Business sind die Waffen dieser neuen Form von Aktivismus, mit der das Duo das System von innen bekämpft.
Heath Bunting: "Unser Standpunkt hat sich in den letzten fünf Jahren geändert. Früher mussten wir die Multis als Bösewichte entlarven. Heute brauche ich niemandem zu erklären, dass sie üble Methoden anwenden und dass sie in der Politik die Fäden ziehen. Das braucht man niemandem mehr zu erzählen. Das haben inzwischen alle kapiert. Der nächste Schritt ist, den Leuten klar zu machen, dass sie diejenigen sind, die das Land regieren, dass wir die Gesellschaft sind."
Vom Superweeed zu gefälschte Barcodes
Heath und Kayle gehören zum Netzwerk der „Irationals“. Sie erfinden neue Waffen im Kampf gegen Ungerechtigkeit und Großkonzerne. Die „Irationals“ sind über den ganzen Planten verteilt. In Mexiko, zum Beispiel, stellt die „Mejor Vida Corporation“ gefälschte Barcodes online, mit denen jeder Artikel im Supermarkt zum attraktiven Sonderangebot wird. Die Argentinierin Judi Werthein hat Schuhe erfunden, mit integriertem Kompass und Landkarte. Sie sollen illegalen mexikanischen Einwanderern den Weg über die amerikanische Grenze erleichtern. Alle High-Tech Aktivisten stellen ihr Know-How auf der „Irational“-Website dem Rest der Welt zur Verfügung. Um den Großkonzernen an den Karren zu fahren, ist Kayle unter die Chemiker gegangen. Nach fünf Jahren stand endlich das Rezept für ihr Cola-Plagiat. Ziel der „Irationals“ ist es, jede Methode publik zu machen, mit der sich eine neue Welt erschaffen ließe. Bei ihnen gibt es keine Patente – Alle Erfindungen werden im Internet veröffentlicht. Minimaler finanzieller Einsatz für eine maximale Wirkung lautet die Devise. Dieser Bausatz von Heath kostet gerade mal 500 Dollar.
Das Supergraß ist so etwas wie eine Biowaffe. Es wurde designt um die Gewinnspanne beim genetisch modifizierten Anbau zu reduzieren. Wenn zehn Prozent eines Anbaus aus Unkraut besteht, verringert sich der Profit. Ab einer bestimmten Menge Unkraut wird die Ernte gänzlich uninteressant. Das besondere am "Superweed" ist, dass es resistent ist gegen Unkrautvernichtungsmittel.
Das Kollektiv N55
Doch wie kommt das Supergras aufs Feld? 1000 Kilometer von Heath entfernt kann Jons Rakete in Kopenhagen jederzeit das Superweed über die Felder genmodifizierter Pflanzen versprühen. Jon ist so etwas wie ein dänischer Daniel Düsentrieb. Seine Erfindungen sollen die Menschen autonomer machen. Angefangen bei diesem Haus, das es als praktischen Bausatz gibt. Autonom sein ist jetzt ein Kinderspiel, dank Jons Rad-Hauses, oder dank seines Küchen-Fahrrades. Damit ist man jederzeit überall zu Hause. Sein Kollektiv N55 besitzt eine eigene Werkstatt. Die einzigen Grenzen setzt also die Fantasie. Alle Details über Jons Erfindungen gibt es auf seiner Website. So erfährt man dort zum Beispiel auch alles über den Gemüseanbau in der Einzimmerwohnung. Jon : "Solange nur ein paar Menschen die ganze Macht besitzen, werden wir große Probleme mit der Machtverteilung auf der Welt haben, was bedeutet, dass der demokratische Prozess, der vor 2000 Jahren ins Rollen kam, und so oft aufgehalten wurde, heute erneut in eine Sackgasse geraten könnte."
Superflex und Open Source BierNur wenige Häuserblocks vom N55-Hauptquartier entfernt, haben drei Studenten der Kunsthochschule von Kopenhagen 1993 das Kollektiv „Superflex“ gegründet. Ihre Werke findet man auf Ausstellungen in der ganzen Welt, von der Biennale in Venedig über Südkorea bis nach Los Angeles. Ihre Waffe im Kampf gegen die Multis ist die Fusion aus Design und High-Tech. Ihre Erfindung „Supergas“ exportiert das Kollektiv „Superflex“ seit 1997 nach Afrika und Asien. Sie verwandelt Exkremente, wie von diesen Schweinen zum Beispiel, in Bio-Gas. Die Installation ist billig in der Herstellung und leicht zu transportieren – Die ideale Lösung für jeden Haushalt in den ärmsten Ländern der Welt.
Vor drei Jahren gelang den Dänen ihr bisher größter Coup. Bis damals vertrieb die „America Beverage Corporation“ einen Guarana-Softdrink, dessen traditionelles Rezept, sie einfach den Indianern geklaut hatte. Das Kollektiv „Superflex“ schlug den Konzern mit seinen eigenen Waffen, idem es eine Kopie des Getränkes auf den Markt brachte. Mit dem Unterschied, dass sie die Indios beim Einkauf der Guarana-Pflanze angemessen bezahlten. Inzwischen ist ihre Power-Brause ein Bestseller.
Rasmus Nielsen : "Die Markenzeichen von Großkonzernen, ihre Logos und so weiter, sind unser Rohmaterial. Man kann es so sehen: Zuerst benutzen die Multis das Rohmaterial der lokalen Farmer, jetzt benutzen die Farmer das Rohmaterial der Multis."
EventIrational Action Weekend
vom 15. bis zum 17. September in Dortmund
"Tour de fence" mit Kayle Brandon und Heath Bunting, "Superweed Gardening", "International Tree Climbing Day", Mejor Vida Corporation vorgestellt von Minerva Cuevas...
>> Mehr Informationen
Ausstellungen
The wonderul World of irational.orgbis zum 29. Oktober 2006
im HMKV - Phoenix Halle
Dortmund
>> Offizielle Website des HMVK
Das Katalog zur Ausstellung "The Hartware Guide to irational. Techniques, Tools and Events 1996-2006" erscheint Ende Oktober.
N55 präsentieren ihre "Units" in Wiesbaden
Wo bitte geht's zum Öffentlichen? Show me the way to public sphere!
bis zum 01. Oktober 2006
in Wiesbaden
>> Offizielle Website
Links>> Website von irational.org
>> Website von Mejor Vida Corporation
>> Website von Superflex
>> Das Buch "Superflex Tools"
>> Website von N55
>> Das Buch von N55 downloaden
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TRACKS
Donnerstag, den 07. September 2006 um 23.05 Uhr
Wiederholung am Dienstag, den 12.09 um 01.25 Uhr
Redaktion: Program 33
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