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Cannes 2005 - Quinzaine des Réalisateurs - 20/05/05

Travaux

Ein Film von Brigitte Roüan


Mit ihrem ganz persönlichen Stil nimmt sich Brigitte Roüan der Krise einer Mittvierzigerin und eines aktuellen Gesellschaftsproblems an. Dabei lässt sie Carole Bouquet als Schlumpf vor die Kamera treten!

(Frankreich, 2005, 1’35)
mit Carole Bouquet, Jean-Pierre Castaldi, Aldo Maccione…

Synopsis: Chantal (Carole Bouquet) ist eine erfolgreiche Anwältin, bei der es privat jedoch längst nicht so gut läuft wie im Beruf. In Sachen Liebe: die reinste Einöde. Und die Kinder: zwei „sehr gut missratene“ Halbstarke. In ihrer grenzenlosen Nächstenliebe beauftragt sie einen Architekten mit der Renovierung ihrer Wohnung, dem sie kürzlich bei der Regelung seiner Aufenthaltsgenehmigung geholfen hat. Als dieser mit einer ganzen Schar von Schwarzarbeitern anrückt, sind die Räume bald unbetretbar und kein Quadratmeter ist mehr frei. Plötzlich stellt Chantal fest, dass ihre Hilfsaktionen nichts mit dem Zusammenleben zu tun haben, das ihr durch die ungebetenen Gäste auferlegt wird.

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Kritik: Als Komödie getarnt greift der Film „Travaux“ ein aktuelles Problem der französischen Gesellschaft auf: Franzosen und Afrikaner leben Seite an Seite, wobei ein Kontakt, wenn überhaupt, zumeist nur aus juristischen Gründen zustande kommt. Dabei leben die einen (Richter, Anwälte, Polizisten) in den reichen Vierteln, die anderen zusammengepfercht in baufälligen Gebäuden, in denen die bleihaltige Farbe an den Wänden zu Bleivergiftungen führt. Neben diesem gesellschaftspolitischen Aspekt geht es auch um das vom französischen Kino so geschätzte Thema der Krise (die Krise der Mittvierzigern oder die Krise im Haushalt, die mit einem netten frischen Anstrich bewältigt werden soll). Manchmal wird das nötige Problembewusstsein erst durch Komik erzeugt. Umso wirksamer ist da die Darstellung von Carole Bouquet, besonders in der Szene, in der Chantal völlig begeistert ist von der Idee, einen Polizeibeamten durch einen Auftritt als Schlumpf zu erweichen.

Der Stil von Brigitte Roüan lässt sich nicht einordnen und zwar nicht zuletzt deshalb, weil sie völlig unabhängig arbeitet. Alle sechs Jahre dreht sie (in Ermangelung eines Besseren?) einen Film und ist deshalb nicht in stärker „industrialisierte“ Produktionsabläufe eingebunden. Auch ihr letzter Film „Am Morgen danach“ aus dem Jahr 1997 ist ein Beispiel dafür, dass ihr filmisches Schaffen nichts mit der Masse von austauschbaren Unterhaltungsfilmen zu tun hat, die sich in den Multiplex-Kinos Frankreichs ablösen. „Travaux“ gehört zu den letzten von Humbert Balsan vor seinem tragischen Tod produzierten Filmen. Er ist hier in der Rolle eines Bankiers zu sehen, der Chantal von der Undurchführbarkeit ihres Projekts und dessen Finanzierung unterrichtet. Dieser Auftritt wirkt zugleich ironisch, traurig und brutal angesichts der Risiken, die Balsan in seiner Arbeit immer wieder eingegangen ist.

Julien Welter

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Travaux
von Brigitte Roüan
(Frankreich, 2005, 1’35)
mit Carole Bouquet, Jean-Pierre Castaldi, Aldo Maccione…
Quinzaine des Réalisateurs
ARTE-Koproduktion

Erstellt: 18-05-05
Letzte Änderung: 20-05-05