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ARTE Reportage - Mittwoch, 10. Mai 2006 - 11/05/06

Transkription

Bolivien : „Koka ja , Kokain nein !“
>> Video (22’)
Von David Gormezano et Pascal Carcanade – ARTE GEIE– Frankreich 2006



Am 22. Januar 2006 wurde der 46-jährige Sozialistenführer Evo Morales Ayma der erste eingeborene Präsident seines Landes. Als Aymara-Indianer, Gewerkschafter und Kokabauer ist der charismatische Mann ein echtes Kind Boliviens.
Mit seinem Wahlslogan „Koka ist nicht gleich Kokain“ traf er genau die Stimmung im Land.

Die bereits von den Inka-Priestern kultivierte und als Nahrungs- und Heilmittel hoch geschätzte Pflanze ist in den Anden heilig und aus dem bolivianischen Alltag nicht wegzudenken. Hier wird der umstrittene Strauch gewissenhaft nach 4000 Jahre alten Methoden angebaut. Die Ernte ist für den heimischen Markt bestimmt, denn in Bolivien hat das Kokakauen Tradition.

Seit Jahrtausenden ziehen sich Kokafelder über die Hänge der bolivianischen Anden, doch in den Augen der westlichen Welt wächst hier nichts anderes als der Rohstoff für Kokain.
Die Bolivianer wollen mit diesem Irrtum aufräumen und der Welt begreiflich machen, dass ihre heilige Pflanze keine Droge, sondern ein Symbol der Andenkultur ist. Die Bemühungen, sie auszurotten, empfinden sie als große Ungerechtigkeit, als Einmischung aus dem Ausland und Zeichen der Geringschätzung.

Cocalero: Viele glauben, Koka sei eine Droge, aber sie irren. Koka gehört zu unserem Leben dazu, wir kauen die Blätter der Pflanze. Und ich sehe immer mehr Menschen Koka kauen, reiche Städter genau so wie arme Bauern. Es ist eine Art Medikament, es lindert Magenschmerzen. Ein heißer Kokatee ist eine Wohltat.
Es ist völlig unschädlich. Sie müssen es mal probieren. Wenn Sie ein wenig Zeit haben, lade ich sie ein, mit uns Koka zu kauen.

Cocalero: Wer in Bolivien Kokablätter kaut, ist noch lange kein Drogenabhängiger oder ein Dealer. Das Acullico, das traditionelle Kokakauen, gehört hier zum Alltag wie etwa das Kaffeetrinken in Europa. Es wirkt wie ein Vitamin, es gibt dir Energie. Ähnlich wie die Vitaminpräparate, die man in der Apotheke kaufen kann. Mit der Kraft der Koka kannst du den ganzen Tag arbeiten, ohne etwas zu essen. Deswegen kauen wir in der Arbeitspause oft 30, 40 Minuten. Dann spürt man die Müdigkeit nicht mehr. Schon mein Großvater und mein Urgroßvater haben Koka angebaut, und ich trete mit meinen Kindern in ihre Fußstapfen. Für uns ist die Koka eine heilige Pflanze, wir würden sogar unser Leben dafür geben. Was ist, wenn sie sie uns wegnehmen, den Anbau ganz verbieten, wie und wovon sollen wir dann leben?

Mit vier Ernten im Jahr ist die Kokapflanze extrem ertragreich. Eine Parzelle von mal 50 mal 50 Metern bringt einem Kokabauern mindestens 100 Dollar im Monat ein.
Die Anbauflächen einzudämmen heißt, den Bauern die Lebensgrundlage zu entziehen. Doch die Cocaleros wollen sich die Einmischung aus dem Ausland nicht länger gefallen lassen. Seit 2002 ist die Kokaproduktion in Bolivien um 30 Prozent gestiegen. Und der Wahlsieg von Evo Morales klingt wie ein Versprechen, den Kokaanbau schon bald völlig freizugeben.

Cocalero: Wir dehnen die Anbauflächen immer weiter aus. Siehst du, hier wird gerade gepflanzt. In den Regionen Cochabamba, Chapare und Caranavi sind zig Hektar mit Koka bestellt. Wir haben es innerhalb eines Jahres gerade mal auf einen Hektar gebracht. Das braucht eben seine Zeit.

Hier auf dem Markt von Villa Fatima landet die Ernte von 12.000 Hektar legalen Kokafeldern.
Hier verkaufen die bolivianischen Bauern ihre Erzeugnisse. Zwischenhändler legen je nach Qualität der Ware, nach Angebot und Nachfrage die Preise fest. Pakete à 25 Kilo gehen von hier aus in alle Ecken des Landes. Der Vertrieb wird streng überwacht. Denn das heilige Kraut darf unter keinen Umständen in die falschen Hände geraten.

Gewerkschaftsvertreter: Ein Einkäufer oder Händler, der auf diesem Markt Koka kaufen will, um andere heimische Märkte damit zu beliefern, braucht eine Handelslizenz. Ohne eine solche Lizenz können Sie hier keine Koka kaufen.
Wir von den Kokagewerkschaften in den Yungas kontrollieren die Produktion. Und das gelingt uns fast besser als der Regierung, der Polizei und sogar den USA.

In der Region Chapare, rund 500 Kilometer von La Paz entfernt, wird die umstrittene Pflanze auf 10.000 Hektar illegal angebaut.
In den Siebzigerjahren siedelten sich hier Zehntausende ehemalige Minenarbeiter und Kleinbauern an und begannen, Koka anzubauen, nachdem die Regierung ihnen Land überlassen hatte. Plötzlich grünten im bis dahin weitgehend unerschlossenen Chapare Kokasträucher im Schatten von Bananenstauden.

In den Achtzigerjahren wurde die Region zum Epizentrum des bolivianischen Drogenhandels – und Schauplatz eines blutigen Konflikts zwischen der Armee und den Cocaleros.

Cocalero-Führer: Bis zu 15.000 Soldaten stürmten die Region. Es gab Tote und Verletzte, Kinder wurden zu Waisen. Wir haben uns das Recht auf den Kokaanbau hart erkämpft und viele haben mit dem Leben dafür bezahlt.

Um den Frieden wieder herzustellen, schlossen Regierung und Kokabauern 2004 ein Abkommen. Seitdem darf jede Familie, die einer Bauerngewerkschaft angehört, ein Cato Koka anbauen, das sind 1.600 Quadratmeter. Damit kann sie rund 100 Dollar im Monat erwirtschaften. Die Einigung löste einen erneuten Produktionsanstieg aus.

Cocalero-Führer: Hier auf dem Land kauen alle Koka, sogar die Kinder. Deswegen kämpfen wir um unser Cato Koka. Das Koka ist ja nicht für den Drogenhandel bestimmt. Früher landete viel davon in illegalen Kanälen, aber diese Zeiten sind vorbei.

Und doch ist es ein offenes Geheimnis, dass 80 Prozent der Kokaproduktion in die Kokainherstellung fließen. Seit zwanzig Jahren sind die Vereinigten Staaten im Chapare militärisch präsent. Sie schulen Spezialeinheiten der bolivianischen Polizei in der Drogenbekämpfung und rüsten sie aus.

Jeden Tag durchkämmen Patrouillen den Dschungel. In Lateinamerika ist der Chapare seit Mitte der Achtzigerjahre einer der Hauptumschlagplätze im internationalen Kokainhandel.
Die Polizisten gehören zu den so genannten „Leoparden“. Heute führt sie ihre Mission zu dieser abgelegenen Farm. Der Eigentümer baut Ananas an, aber offenbar auch Koka. Seine jüngste Ernte liegt zum Trocknen in der Sonne.

ARTE:Wo verkaufen Sie die Ernte?
Cocalero: Im nächsten Dorf.
ARTE: Nur dort auf dem Markt?
Cocalero: Ja. An wen sollte ich sie sonst verkaufen?
ARTE: An Drogenhändler verkaufen Sie nicht?
Cocalero: Nein, natürlich nicht, wir verkaufen nur auf dem Markt. Und jetzt Schluss mit der Fragerei.

Der Mann fühlt sich sichtlich unwohl, und das aus gutem Grund. Die Polizisten setzen ihren Weg fort und nur zehn Minuten von der Farm entfernt finden sie, was sie suchen:

Ein geheimes Labor zur Herstellung von Kokapaste, einem Vorprodukt von Kokain.
Ein Polizist: Zwei einfache Becken zum Mischen, etwa zweieinhalb Kilo Natriumkarbonat ... Diese Kokainfabrik haben wir heute Morgen entdeckt. Sie liegt rund 90 Kilometer von unserer Basis entfernt. Dies ist das Mazerationsbecken. Es ist etwa zehn Meter lang und 1,50 breit. Im Becken befindet sich der Kokasaft. Hier kommt der Chemiker zum Zug.

Die Drogenhändler arbeiten Tag und Nacht. Jede Nacht mazerieren sie etwa 200 Kilo Kokablätter und extrahieren daraus 1,2 Kilo Kokain pro Tag.
Die Drogenpolizisten schätzen, dass diese Fabrik seit etwa zwei Monaten in Betrieb ist und in diesem Zeitraum knapp 70 Kilo reines Kokain produziert hat.
Jede Woche zerstören die Drogen-Patrouillen zwischen zehn und zwanzig Geheimlabors. Doch sie stehen vor einer kaum zu bewältigenden Aufgabe: Jedes Jahr gelangen aus dem dichten Dschungel des Chapare 65 Tonnen Kokain nach draußen. Das macht Bolivien zum weltweit drittgrößten Produzenten dieser Droge.

Eine andere Patrouille der bolivianischen Drogenpolizei hat bei Chimore zwei Männer auf frischer Tat ertappt und verhaftet. Knapp zwei Kilo Kokapaste wurden beschlagnahmt.
Die Staatsanwältin: Haben Sie einen Anwalt?
Drogenhändler: Nein.
Die Staatsanwältin: Dann besorgen wir einen Pflichtanwalt. Wir werden nun Ihre Aussage aufnehmen und danach führt der Beamte einen Test durch, um die Beschaffenheit des Produkts zu bestimmen.

Die beiden sind offensichtlich einfache Bauern. Ihnen droht eine Gefängnisstrafe zwischen acht und 15 Jahren.

Die Staatsanwältin: Bislang war Bolivien vor allem dafür bekannt, Kokain zu produzieren. In den letzten Jahren jedoch werden immer mehr bolivianische Jugendliche selbst Opfer dieser Droge. Laut Statistik nimmt der Kokainkonsum landesweit zu, und zwar insbesondere an den Schulen.

Im Präsidentenpalast von La Paz regiert nun der Cocalero-Führer aus dem Chapare. Eine Delegation der amerikanischen Regierung ist gekommen, um mit dem Mann zu sprechen, der von den USA noch vor kurzem als Drogenhändler beschimpft wurde. Ihre Botschaft: Kokain ist nicht nur ein Problem der Gringos. Und: der Kokaanbau könnte unter Evo Morales weiter zunehmen.

Anne Patterson:
"Wir sind sehr besorgt über den gegenwärtigen Anstieg der Kokaproduktion, denn jeder Ernteüberschuss fließt direkt in die Kokainherstellung. Wir wissen aus Erfahrung, dass der Drogenhandel die demokratischen Institutionen eines Landes in kürzester Zeit korrumpieren kann, ohne dass die Verantwortlichen etwas davon bemerken.
Wir haben Angst um Bolivien, Angst um die Menschen, die hier leben, Angst um die Nachbarstaaten. Denn wir müssen feststellen, dass in Argentinien und Europa heute schon sehr viel mehr Kokain aus Bolivien auf dem Markt ist als noch vor wenigen Monaten".

Nachdem Washington Milliarden von Dollars in die Eindämmung der bolivianischen Kokaproduktion gepumpt hat, ist der Wahlsieg von Evo Morales wie ein Schlag ins Gesicht. Doch in den Augen des neuen Präsidenten ist der Kokaanbau ein Grundrecht, ob es dem großen Nachbarn aus dem Norden nun gefällt oder nicht.

Gleichwohl will sich Evo Morales nicht nachsagen lassen, er stehle sich aus der Verantwortung. Die Vernichtung der illegalen Kokafelder durch die Armee geht auch in seiner Amtszeit weiter – allerdings mit halber Kraft.
Amerikanische Satellitenaufnahmen zeigen, dass sich die vernichtete Anbaufläche von 670 auf gerade mal 150 Hektar pro Monat reduziert hat.
Seit drei Monaten hat das bolivianische Militär Weisung, sich mit den Cocaleros zu einigen. Die Kokabauern selbst sprechen nun von einer freiwilligen Vernichtung ihrer Pflanzen.

Cocalero: Bevor Evo Morales an die Macht kam, waren Menschenrechtsverletzungen durch die Soldaten an der Tagesordnung. Jetzt haben die Militärs Befehl, sich mit uns Bauern zu verständigen. Heute werden die überschüssigen Bestände nur mit Zustimmung der sechs Kokabauerngewerkschaften vernichtet.
Soldat: Nur bis dahin wo ich stehe.

Seit neuestem reißen die Soldaten die Kokasträucher unter den wachsamen Blicken der Bauern aus dem Boden und lediglich im gemeinsam ausgehandelten Umfang.
Jeder gewerkschaftlich organisierte Kokabauer darf eine Parzelle bebauen, die per GPS vermessen und registriert wird. Die Cocalero-Gewerkschaften haben sich verpflichtet, selbst für die Umsetzung der neuen Vorschriften zu sorgen und jene zu bestrafen, die sich nicht daran halten.
Evo Morales spricht von einer sozialen Kontrolle des Kokaanbaus. Ein Drahtseilakt: Wie verhindert man eine Explosion der Kokaproduktion, ohne gleichzeitig die eigene Lebensgrundlage zu zerstören?

In Cochabamba, der drittgrößten Stadt des Landes, zeigt sich ein anderer Effekt der neuen Kokapolitik. Die Drogerien quellen über mit Produkten auf Kokabasis.
Bolivien plant den Ausbau der kokaverarbeitenden Kleinindustrie. Melvi Paz gehört zu einer Handvoll Unternehmer, die versuchen, die Pflanze in jeglicher Form zu vermarkten.

Die Verkäuferin: Ich brauche neuen Kokasaft.
Melvi: In Ordnung, ich besorg ihn dir. Und wie ich sehe fehlt auch Kokawein und Kokaextrakt …
Die Verkäuferin: Kokaextrakt wird stark nachgefragt.
Melvi: Und die anderen Sachen?
Die Verkäuferin: Ich empfehle sie vielen Kunden und höre nur Gutes.

Koka gilt hierzulande als Wundermittel. Von der Schönheitsmaske bis zum Dampfbad – eine bestimmte Käuferschicht schreibt dem „tausendjährigen Blatt“ wahre Zauberkräfte zu.

Melvi: Dass immer mehr Bolivianer Kokaprodukte verwenden, ist eine positive Entwicklung für unser Land.
Nehmen Sie zum Beispiel Zuckerrohr oder Weintrauben – daraus lassen sich auch nicht nur Alkoholika herstellen. Mit der Kokapflanze verhält es sich ähnlich. Sie lässt sich sehr gut in den Bereichen Ernährung und Gesundheit einsetzen.

Gelänge es, die Koka in neuem Licht zu präsentieren, würde auch das angeschlagene Image Boliviens davon profitieren. Melvi Paz findet, es sei höchste Zeit, die Pflanze aus dem Ghetto der Alternativmedizin zu befreien. Deshalb unterstützt sie dieses kleine pharmazeutische Labor, das Kokagelatinekapseln für den Handel produziert.

Melvi: Hinter dieser strategischen Partnerschaft steht die Idee, unsere Produkte aus der Ecke der Naturheilkunde herauszuholen. Wir wollen, dass Medikamente auf Kokabasis in jeder Apotheke frei verkäuflich sind.

Nahrungsmittel und Medikamente auf Kokabasis für alle zugänglich zu machen ist das erklärte Ziel von Melvi. Doch die Sache hat einen Haken: Es gibt keine aktuellen wissenschaftlichen Studien über die Pflanze und ihre Wirkung.

Eine Wissenschaftlerin: Die Kokastudien, die uns vorliegen, stammen aus den Dreißigerjahren und sind damit völlig veraltet. Angesichts der modernen Technologien können wir wenig damit anfangen.
Im Augenblick gibt es nur ein Produkt, das die industrielle Nutzung von Koka ins Rollen bringen könnte – der Kokatee, in Bolivien sehr beliebt. Manch einer träumt davon, diesen Tee als exotisches Szenegetränk im Ausland zu vermarkten.

Adolfo: Auf den internationalen Märkten besteht eine große Nachfrage nach Kokatee. Wenn ich meine Produkte auf ausländischen Messen präsentiere, werde ich immer wieder auf Kokatee angesprochen. Doch leider muss ich meinen Kunden erklären, dass ich diesen Tee zwar herstelle, ihn jedoch nicht exportieren darf. Die internationalen Abkommen verbieten den Export von Koka.

Seit 1961 fällt Koka unter das internationale Betäubungsmittelgesetz. Was weder die Bolivianer noch die Touristen davon abhält, Kokatee zu trinken – ein ausgezeichnetes Mittel gegen Höhenkrankheit und bei Verdauungsproblemen.

Adolfo: Wir hoffen sehr, dass es der neuen Regierung gelingt, insbesondere auch mit Unterstützung der Europäischen Union, das Ausfuhrverbot für Kokatee aufzuheben. Von einem solchen Schritt würden nicht nur wir Bolivianer profitieren, sondern auch die Europäer, denn Kokatee ist wirklich ein einzigartiges Produkt.

Die Regierung von Evo Morales hat bislang noch keine durchschlagende Strategie entwickelt, um die Koka von ihrem Ruf als Drogenpflanze zu befreien.
Der zuständige Minister plant eine internationale Kampagne zur Aufhebung des Exportverbots für Kokablätter. Felix Barra hofft, durch eine fundierte wissenschaftliche Studie die Chefdiplomaten der Welt zum Umdenken bewegen zu können: Wir möchten der Europäischen Union dafür danken, dass sie eine Studie zur Ermittlung des tatsächlichen Kokabedarfs in unserem Land mit 200.000 US-Dollar unterstützt. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, die in Bolivien produzierte Kokamenge zu kontrollieren.
ARTE: Ist die Studie denn bereits angelaufen?
Felix Barra : Nein. Momentan legen wir noch die Eckpunkte fest, aber wir rechnen damit, in etwa zwei Monaten mit den Erhebungen zu beginnen.

Dass die Regierung es mit der Durchführung dieser Studie alles andere als eilig hat, hat einen guten Grund: Das Ergebnis wird höchstwahrscheinlich die Vernichtung von Zweidrittel der gesamten Kokaanbaufläche Boliviens nach sich ziehen.
Und noch eine schlechte Nachricht: Die Vereinigten Staaten haben den Antrag, den Export der heiligen Blätter der Anden zu legalisieren, kategorisch abgelehnt.
In dieser gutbürgerlichen Bar in La Paz wird „nationale“ Musik gespielt und überall auf den Tischen liegen Kokablätter.
Seit einigen Jahren ist das Kokablatt zum Wahrzeichen der Bolivianer geworden. Sie sind stolz darauf. Von der Eradikation – ein Begriff und eine Idee aus Washington – will hier niemand mehr etwas hören:
"Koka ist mehr als eine Heilpflanze. Sie ist heilig, ein Geschenk von Mutter Erde und wir sollten ihr dafür danken".
"Meine Vorfahren waren Bergarbeiter und Bauern. Ihre Arbeit war schwer, sie konnten sie nur mit Hilfe von Koka leisten. Die Kokapflanze besitzt eine Jahrtausende Jahre alte Kraft".
"Wir konsumieren Koka, um die Wirkung des Alkohols abzuschwächen, aber auch, weil es Spaß macht. Manche konsumieren die Substanz regelmäßig, andere nur ab und zu. Koka gehört einfach zu unserem Leben dazu".
"Die Koka ist Bolivien. Sie ist unsere Identität".

Mit ein paar Blättern im Mund ist die Welt hier in Ordnung. 3.500 Meter über dem Meeresspiegel macht sich offenbar niemand Gedanken über den Zusammenhang von Koka und Kokain oder über die möglichen Folgen einer Kokaüberproduktion.
Die Wahl eines Cocalero-Führers und erbitterten Amerikagegners zum Präsidenten gibt dem bolivianischen Patriotismus neuen Auftrieb.


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Erstellt: 11-05-06
Letzte Änderung: 11-05-06