Evolution von 2. bis 30. April - 07/04/05
Transformationen
Abenteuer Arte
Die Geschichte des Lebens auf der Erde ist gekennzeichnet durch das Auftauchen neuer Organisationsformen und durch die schrittweise Eroberung neuer Lebensräume. Viele dieser Transformationen haben keine Spuren hinterlassen, moderne genetische Methoden erlauben jedoch inzwischen einen gewissen Einblick in die Prozesse des Wandels. Der Ursprung der frühesten Lebensformen liegt nichtsdestotrotz noch im Dunkeln.
Erste eindeutige fossile Spuren einzelligen Lebens aus dem Westen Australiens sind 3,6 Milliarden Jahre alt. Diese ersten Bakterien sind wahrscheinlich die Vorläufer der Blaualgen, deren Aktivität die Sauerstoffatmosphäre der Erde schuf. Die nächste Organisationsstufe bilden Zellen mit Zellkernen und anderen spezialisierten "Zellorganen". Diese so genannten Eukaryoten enstanden aus einer wechselseitig nützlichen Vereinigung von primitiveren zellkernlosen Bakterien. In Ablagerungen, die 600 Millionen Jahren alt sind, tauchen erste fossile Spuren mehrzelliger Organismen auf. Bei diesen so genannten Metazoen üben die unterschiedlichen Zelltypen verschiedene Aufgaben aus. Molekulare Untersuchungen deuten jedoch an, dass mehrzellige Organismen schon einige hundert Millionen Jahre vorher existierten.
Im Kambrium vor 550 Millionen Jahren geschah dann eine explosive Ausbreitung mehrzelliger Organismen. Nahezu alle Stämme meeresbewohnender Wirbelloser entstanden während dieser Zeit. Viele dieser Tiere zeichneten sich durch harte Körperteile und Außenskelette aus. Diese Strukturen dienten dem Schutz, aber auch als Waffen für Räuber. Zum ersten Mal tauchen Gliedmaßen und unterteilte Körper auf. Diese explosive Entfaltung von Organismen beruht wahrscheinlich auch auf der erstmaligen Evolution von Genen, welche die Individualentwicklung komplexer Körperstrukturen regulieren konnten. Die evolutiven Nachfahren dieser Gene bilden immer noch den genetischen "Werkzeugkasten", der die Entwicklung moderner Organsimen von der Fliege bis zum Menschen steuert.
Im Kambrium wurden ökologische Wechselwirkungen eine Triebkraft für den Wandel. Zunehmender Räuberdruck und Konkurrenz machte es notwendig, neue Lebensräume zu erschließen. Vor ungefähr 360 Millionen Jahren besiedelten schließlich die ersten Wirbeltiere das Land. Das Leben an Land erforderte als Schlüsselanpassung die Evolution von Gliedmaßen. Acanthostega und Ichthyostega, zwei der bekanntesten ersten Landwirbeltiere, lassen sich auf eine Gruppe von Fischen, den Fleischflossern, zurückführen, deren nächster noch lebender Verwandter der Quastenflosser ist. Nach den Amphibien dominierten Reptilien wie die Dinosaurier die Erde. Aus einer Gruppe der Dinosaurier entstanden die Vögel, welche die Luft als Lebensraum eroberten und mit ihren Federn eine einzigartige Körperstruktur besitzen.
Das Aussterben der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren ebnete den Weg für die Entfaltung der Säugetiere. Einige Säugetiergruppen sind vor ungefähr 60 Millionen Jahren jedoch wieder in die Meere zurückgekehrt. Die artenreichste dieser Gruppen sind die Wale. Im Laufe der Evolution dieser Gruppe wurden die Gliedmaßen reduziert und der Schwanz zu einer kraftvollen Flosse ungewandelt.
Sich zweibeinig fortbewegende Primaten tauchen zum ersten Mal vor mehr als 4 Millionen Jahren auf. Zwei Millionen Jahre später entwickelt sich in Afrika Homo habilis und danach Homo erectus, der weite Teile der Welt besiedelte. Der anatomisch moderne Mensch hat seinen Ursprung wahrscheinlich vor 150000 Jahren in Afrika. Von dort aus breitete er sich in andere Erdteile aus und verdrängte archaische Hominiden-Arten, wie beispielsweise den Neanderthaler. Mit dem Menschen erlangte neben der genetischen Vererbung eine neue Form der Informationsübertragung zwischen Generationen größte Bedeutung - die kulturelle Überlieferung.
Der Autor Thomas Weber ist wissenschaftlicher Assistent am Institut für Tierökologie der Universität Lund (Schweden) und Buchautor.
Erstellt: 07-04-05
Letzte Änderung: 07-04-05