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22/02/11

Tracks - The Shangri-Las - Die Rückkehr von Mary Weiss

Eine Reportage von Valérie Paillé

1964 kriegen die Beatles geballte Girlpower zu spüren, als die Shangri-Las mit "Leader of the Pack" in den Charts an ihnen vorbeiziehen. Mit dem Prototyp der melodramatischen Teenagerhymne, in der Mary Weiss herzerweichend ihre Liebe zu einem wilden Marlon Brando-Verschnitt besingt, landet die Girlgroup auf Platz eins. Mehr als 40 Jahre später greift Amy Winehouse das Pop-Rezept der Shangri-Las auf und bezeichnet die Girlgroup als eines ihrer großen Vorbilder. Und damit ist sie in guter Gesellschaft, denn auch Blondie, die New York Dolls und Aerosmith stehen voll auf die Heart- und Chartbreaker-Girlies.

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Mary und Elizabeth Weiss wachsen in Cambria Heights, einem gutbürgerlichen Viertel von Queens auf, gründen mit ihren Schulfreundinnen, den Zwillingen Margie und Mary Ann Ganser die späteren Shangri-Las, und geben 1963 ihr erstes Konzert.

Während die Plattenindustrie Anfang der Sechziger die Heranwachsenden als Zielgruppe entdeckt, rennen weiße Jugendliche den Plattenläden die Bude ein, um eine Single von Martha and the Vandellas zu ergattern, der ersten schwarzen Girlgroup, die es in die Top 50 geschafft hatte. Produzenten haben die Qual der Wahl. Vielversprechende schwarze Girlgroups wie die Crystals, die Chiffons, oder die Supremes, oder doch lieber Ike und Tina Turner? Mary Weiss ist süße 15, als das Quartett seine erste Single einspielt. Im Hintergrund ziehen Männer wie der geniale Phil Spector die Fäden. Und ihm, der das Zeitalter der Megaproduzenten einläuten sollte, verdanken The Ronnettes oder Ike und Tina einige ihrer größten Erfolge. Doch als er 25 ist, macht den Herrscher über die Mischpulte seine "Wall Of Sound" berühmter, als so manchen seiner Schützlinge.

Eine revolutionäre Idee
Geschäftstüchtige Macher reagieren schnell auf den explosionsartigen Anstieg der Plattenverkäufe. Am Broadway vereint Don Kirshner unter dem Dach seines Brill Building vom Songwriting bis zur Pressung sämtliche Produktionsschritte auf dem Weg zum schwarzen Gold. 1964 ruft der Erfolg des Brill Building George Morton auf den Plan. Als der Autoditakt aus Brooklyn bei einer Veranstaltung Kirshners Stammkomponisten Jeff Barry trifft, lässt er sich zum Bluff seines Lebens hinreißen. Na dann fehlen Morton ja nur noch eine Band und ein Song zu seinem Glück! Zufällig trifft er die Shangri-Las und verspricht ihnen Studioaufnahmen. Bluff Nummer zwei! Morton bringt es nicht nur fertig, mit seinem Schnellschuss "Walking in the sand" einen Hit zu produzieren, er hat obendrein die revolutionäre Idee, den Song mit Möwengeschrei zu unterlegen. Seitdem sind Hintergrundgeräusche, vor allem von Motorrädern oder Zügen, sein Markenzeichen.



Ihr Höhenflug ist so fulminant wie kurzlebig
Zwischen 1964 und 66 landen die Mädchen Hit um Hit und versetzen ganz Amerika ins Shangri-Las-Fieber. Diese Girlgroup haut sogar den großen James Brown um. Drei verrückte Jahre lang touren die Weiss-Schwestern mit den Ganser-Zwillingen durch Amerika und England, wo sie sich die Bühne mit Marvin Gaye, den Beatles und den Rolling Stones teilen. Der standardisierte Stil der Shangri Las sollte den revolutionären Summer of Love des Jahres 1967 nicht überleben.

Der Rückkehr von Mary Weiss
2007 entführt die Ex-Drummerin der Cramps eine zwischenzeitlich zur Innenarchitektur konvertierte Mary Weiss ins Studio und holt sie so ins Musik-Business zurück.


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Dienstag 6. Juli 2010 um 05.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2010, 52mn)
ARTE F

Erstellt: 29-06-10
Letzte Änderung: 22-02-11


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