1978 gibt die damals erst 18jährige Lydia Koch – so ihr bürgerlicher Name - in den Medien pikante Details ihrer Vorgeschichte preis. Fünf Jahre zuvor war sie, vom eigenen Vater sexuell missbraucht, von zu Hause abgehauen und in New York gelandet. Sie schlägt sich im Big Apple durch, indem sie Essen für ihre Freunde aus der Dichter- und Musikerszene klaut. Die verpassen ihr deshalb den Spitznamen „Lunch“.
Als Kellnerin im CBGB's erlebt sie 1976 die Geburt des amerikanischen Punk gewissermaßen aus nächster Nähe mit. Mit ihrem damaligen Freund James Chance gründet sie ihre eigene Gruppe. Ihr maximal drei Griffe umfassender Sound, den man so nirgendwo vorher gehört hat, macht Teenage Jesus & The Jerks rasch zu einer festen Hausnummer der New Yorker Post-Punk-Szene.
Zwischen 1976 und 1979 stützt sich die komplette Karriere von Teenage Jesus auf ganze 18 Minuten Musikaufnahmen, die dokumentiert sind. Dies tut dem Ruf von Lydia Lunch als Galionsfigur der New Yorker No-Wave-Szene aber nicht den geringsten Abbruch. Als sie 1997 eine Solokarriere startet, orientiert sie sich in Richtung Spoken Word.
"Ich habe angefangen Filme zu machen, weil ich das Pornografische des Alltags zeigen wollte. Und eine gewisse Mentalität, die mit einer bestimmten Art von Sexualität zu tun hat. Denn das wurde so noch nirgendwo sonst erklärt, weder in der Literatur, noch im Film."
1983 wird Lydia zur Muse des Underground-Regisseurs Richard Kern. In seinem Film „The Right Side Of My Brain" erzählt sie von den sexuellen Gewaltexzessen in ihre damaligen Beziehung zu dem Punk-Musiker und -Schriftsteller Henry Rollins.
Eine ganze Musikergeneration hat sich von Lydia Lunch beeinflussen lassen. 1984 lädt sie einer ihrer größten Fans, der Sonic-Youth-Gründer Thurston Moore ein, bei seinem Stück Death Valley 69 mitzumachen.
Ein paar Jahre später singt sie mal mit ihrem Ex-Lover Henry Rollins, mal zusammen mit Nick Cave. Auch noch 2009 war der New Yorker No Wave alles andere als ein längst vergessenes musikalische Eintagsfliege, sondern immer wieder gern genommenes Material für diverse Remixes.
LINKS
Die Website von Lydia LunchLydia Lunch auf Myspace







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