Ein Film von Greg Zglinski
Wettbewerb
Synopsis: Vor einem halben Jahr haben JEAN (Aurélien Recoing) und LAURE (Marie Matheron) ihre kleine Tochter bei einem Brand verloren, der einen Teil ihres Bauernhofes vernichtet hat. Jetzt steht Jean mitten im kalten Winter des Schweizer Jura von den Scherben seiner Existenz – er hat S chulden und seine Frau droht am Tod ihres Mädchens zugrunde zu gehen. Jean weist seine Frau in eine psychiatrische Klinik ein und findet auf Vermittlung eines Freundes Arbeit in einem Stahlwerk. Dort lernt er den Kosovo-Flüchtling Kastriot und seine Schwester LABINOTA (Gabriela Muskala) kennen. Über sie, die Kantinenhilfe, die seit dem Kosovokrieg vergeblich auf die Rückkehr ihres Verlobten wartet, findet Jean ins Leben zurück.
Kritik: Von wegen weiß-blaue Winteralpenidylle! Bei dem in Polen geborenen, in der Schweiz aufgewachsenen und an der Filmhochschule in Lodz unter anderem von Kristof Kieslowski ausgebildeten Regisseur Greg Zglinski ist der eidgenössische Jura Nebel verhangen, der Schnee schmutzig und nass und vor allem – es ist kalt in diesem Winter. Das Feuer, welches seine Tochter und auch sein Vieh verbrannt hat, hat Jean, dem Bergbauern, derart traumatisiert, dass er keine Holzsch eide mehr anzünden mag in seiner Küche. Genauso erkaltet ist auch die Liebe zwischen ihm und seiner Frau Laure. Sie verschanzt sich apathisch im Kinderzimmer und verwandelt sich deren Spiele spielend immer mehr in ihre Tochter. So weiß der sensible Bauer Jean sich bald keinen anderen Rat mehr, als den Hof zu verkaufen und die Frau in einen Anstalt einzuweisen.
Schauspielerisch hervorragend besetzt ist „Tout un Hiver sans Feu“ doch ein stellenweise bemühtes Melodram, dessen Bilder und Erzählstruktur eher besser im Fernsehen, als im Kino aufgehoben wären. Da werden emotionale Abgründe lückenlos ausgeleuchtet und mit sehr plastischen Metaphern ausgestattet. So befreit Jean im Stahlwerk Stahlrohre von ihrer Schlacke und schlägt dabei verzweifelt Flammen aus. Laure wird in ihrer Isolation meist durch Nebelschlieren oder durch Fensterscheiben gefilmt. Alles scheint Zglinski ri chtig zu machen und doch haftet seiner Erzählung etwas Hölzernes, Bemühtes an. Es fehlen die Ellipsen, die überraschenden Momente, alles nimmt in ausgetretenen Erzählpfaden seinen Lauf. Keine überbordende, falsch klingende Gefühlsduselei jedenfalls mutet der Film einem zu, sondern lotet in kargen Dialogen und kleinen Gesten die Abgründe eines Schicksalschlages zwischen Schuld, Verzweiflung und Vergessen-Wollen aus. Nur das Feuer ist es, das diesem Film ein wenig fehlt!
Martin Rosefeldt
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Tout un hiver sans feu
Regie: Greg Zglinski
Drehbuch: Pierre-Pascal Rossi
Darsteller: Aurélien Recoing, Marie Matheron, Gabriela Muskala
Schweiz/Belgien, 2004, 91’
61. Internationale Filmfestspiele in Venedig: Wettbewerb






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