Kino auf ARTE - 22/12/11
Tote tragen keine Karos
(Dead Men Don't Wear Plaid)
Spielfilm, USA 1982, ZDF, Schwarz-Weiß
Regie: Carl Reiner; Buch: Carl Reiner, George Gipe, Steve Martin; Kamera: Michael Chapman; Musik: Miklós Rózsa; Produzent: William E. McEuen, David V. Picker; Produktion: Aspen Film Society, Universal Pictures
Mit: Steve Martin - (Rigby Reardon, Privatdetektiv), Rachel Ward - (Juliet Forrest), George Gaynes - (Dr. John Forrest), Carl Reiner - (Feldmarschall Wilfried von Kluck), Reni Santoni - (Carlos Rodríguez)
Ein trotteliger, nichtsdestotrotz von sich selbst überzeugter Privatdetektiv gerät in eine unübersichtliche Verschwörungsgeschichte, wie sie im Hollywood der 40er und 50er Jahren nicht besser hätte erdacht und filmisch umgesetzt werden können. Auf der Spur der Verbrecher gerät er in manche aus Filmklassikern bekannte Situation und an manchen prominenten Gegenüber.
Los Angeles in den 40er Jahren: Privatdetektiv Rigby Reardon wird von der ebenso geheimnisvollen wie attraktiven Juliet Forrest beauftragt, den vermeintlichen Mord an ihrem Vater aufzuklären. Dr. John Forrest war Wissenschaftler und Menschenfreund - bevor er angeblich tödlich verunglückte. Nun ist sein Käselabor verwaist. Der Schnüffler Reardon geht zielstrebig dem Verdacht der Tochter nach, dass Dr. Forrest Opfer einer ruchlosen Verschwörung geworden sei. Gefahren lauern überall, doch Rigby ist weder allein noch verloren im sündigen Großstadtdschungel. Ihm zur Seite stehen Helfer von Format wie der versierte Privatdetektiv Philip Marlowe, der das Antlitz von Humphrey Bogart hat und zu Reardons Leidwesen ein sturer Krawattenmuffel ist. Auf der Spur der Verschwörer trifft Rigby auf allerlei weitere bekannte Gesichter wie die von Kirk Douglas, Burt Lancaster, Cary Grant, Edward G. Robinson, Alan Ladd, Ray Milland, Ava Gardner, Barbara Stanwyck, Ingrid Bergman, Lana Turner, Bette Davis oder Veronica Lake.
Wie sich nach und nach herausstellt, geht es um einen Geheimplan der Nazis, die mittels überreifen Schimmelkäses die Weltherrschaft anstreben. Reardon behält als abgebrühter Schnüffler aber trotz allem Wahnsinn einen kühlen Kopf.
"Tote tragen keine Karos" ist eine außergewöhnliche Parodie auf Hollywoodproduktionen der 40er und 50er Jahre, auf Detektiv- und Gangsterfilme, auf stilbildende Werke des "Film noir". Dabei macht sich der Film nicht nur damals übliche formale und inhaltliche Merkmale zu eigen, sondern übernimmt gleich ganze Originalausschnitte und kombiniert sie kunstvoll mit Neuaufnahmen, die den Vorbildern nachempfunden wurden. Aus dem Pastiche entsteht ein Film mit raffiniertem Witz und zugleich eine Hommage an zeitlose Leinwandidole. Um Hauptdarsteller Steve Martin mit einem beeindruckenden Aufgebot an legendären Hollywoodstars auftreten zu lassen, bedient sich Regisseur und Komödienprofi Carl Reiner Filmklassikern wie "Tote schlafen fest" von Howard Hawks, Billy Wilders "Frau ohne Gewissen" und "Das verlorene Wochenende", Robert Siodmaks "Die Killer" oder Alfred Hitchcocks "Verdacht" und "Notorious - Berüchtigt". Als besonderer Clou tritt der Regisseur selbst im Laufe des aberwitzigen Schlusses auf, als deutscher Feldmarschall Wilfried von Kluck.
Die Parodie verdankt ihren Unterhaltungswert zu einem großen Teil der schauspielerischen Leistung von Komödiengröße Steve Martin. Der US-Amerikaner wurde zum Star des humoristischen Kinos durch einen ganz eigenen Stil: Mit zugleich tänzerisch-leichter und steif-verklemmter Körpersprache spielt sich Martin durch die absurdesten Situationen, auf unterhaltsame Weise changierend zwischen stoischem Ernst und Ausbrüchen nicht mehr im Zaum zu haltenden Wahnsinns.
Erstellt: 22-12-11
Letzte Änderung: 22-12-11