

Als hätte sich seine Lebensenergie über all die Jahre hinweg aufgestaut, verfällt er in einen euphorischen Taumel und preist sich selbst als neuen "Messias". Er steigt zu einer Art Guru auf und findet unter den Blumenkindern der 70er Jahre zahllose Anhänger. Abermals schlagen Nora und Frank den größtmöglichen Profit aus der Gabe des Jungen, verkaufen "Tommy-Fanartikel" und errichten ein "Tommy-Feriencamp". Doch eines Tages kippt die Stimmung: Tommys Jünger wenden sich gegen ihn, stürmen das Camp, töten Nora und Frank. Tommy bleibt alleine zurück - endgültig befreit und bereit, ein "normales Leben" zu beginnen...
1969 veröffentlicht die britische Rockgruppe The Who das Album Tommy: In 24 Songs erzählen Pete Townshend, Roger Daltrey, John Entwistle und Keith Moon die Geschichte von Tommy, dem blinden, tauben und stummen Jungen, der keine Freunde hat, aber einen bösen Onkel, der ihn missbraucht. Jedes der 24 Lieder ist ein Kapitel für sich, gemeinsam bilden sie die wohl berühmteste Rockoper der Welt. Der Song I'm Free wird schnell zur Hymne der 68er-Bewegung.
Tommy erzählt von der Philosophie der späten 60er Jahre, vom Geheimnis um Woodstock, von Selbsterkenntnis und Starkult, von Orientierungslosigkeit und Lebenssinn. The Who-Gitarrist Pete Townshend, der alle 24 Songs alleine komponiert hat, antwortet auf die Frage nach dem Hintergrund dieser Oper: "Sie ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, ein Symbol der neuen Sensibilität, eine Reflexion der jugendlichen Subkultur und ihres Narzissmus. Eine Tendenz von anti-aggressivem Verhalten." Alle Themen und Probleme der Flower- Power-Generation stecken in diesem einen Album. Tommy begeistert nicht nur die Kritiker, auch die anschließende Welttournee ist eine der erfolgreichsten der Rockgeschichte.
1975 verfilmt der in England geborene Ken Russell die fantastische Rockoper. Der umstrittene Exzentriker kleidet die Konsum- und Gesellschaftskritik von The Who in schrille, psychedelische Bilder, die den Geist der 70er Jahre verströmen. Eine Besonderheit seines Kultfilms besteht dabei in dem Kunstgriff, auf herkömmliche Dialoge völlig zu verzichten: Fast alle Texte des Films werden in Liedform vorgetragen. Neben den beeindruckenden Leistungen der Hauptdarsteller Oliver Reed, Ann-Margret und "The Who"-Sänger Roger Daltrey bleiben vor allem die skurrilen Auftritte der Popstars Tina Turner, Eric Clapton und Elton John im Gedächtnis.





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