Synopsis: Die Sasakis sind eine ganz gewöhnliche Durchschnittsfamilie aus Tokyo. Als der Vater seine Anstellung verliert, beginnt eine Zeit voller Lügen. Er erzählt seinen Söhnen Takashi und Kenji und seiner Frau Megumi nichts davon. Jeden Morgen nimmt er seine Aktentasche und macht sich auf den Weg zu seiner fiktiven Arbeit.
Im Gespräch mit Regisseur Kiyoshi Kurosawa(Windows Media Video)
Kritik: Kiyoshi Kurosawa hat sich international durch seine Horrorfilme einen Namen gemacht. In deutschen Kinos war zuletzt LOFT (2005) zu sehen, eine gruselige Geschichte um eine Schriftstellerin, die sich in einem Apartment einmietet, in dem es spukt. In TOKYO SONATA verzichtet Kiyoshi Kurosawa auf jegliche Geister, übernatürliche Kräfte und Spezialeffekte. Und doch ist diese Betrachtung einer durchschnittlichen japanischen Kleinfamilie, die aufgehört hat, miteinander zu reden, gruseliger als all die anderen Filme, die der Meister des Horrors vorher geschaffen hat.
Es scheint, als sei dem Meister des Horrorfilms sein Genre zu eng geworden, als sei er diesem Korsett entwachsen. Mit der vierköpfigen Familie der Sasakis entwirft Kurosawa ein Szenario, das man auch als Allegorie auf die aktuelle Gesellschaft Japans sehen kann. Die Menschen dieser Familie haben aufgehört miteinander zu reden. Jeder von ihnen erfüllt höchst pflichtbewusst seine Aufgaben.Als etwa der Vater, der Geschäftsmann Ryuhei Sasaki seinen Job verliert, wagt er es nicht, dies seiner Frau zu erzählen. Er hat Angst, dass er somit seine Position als (symbolisches Oberhaupt) der Familie abtreten würde, seine Frau und seine Söhne den Respekt vor ihm verlieren könnten. So schleicht er sich jeden Tag mit seiner Aktentasche aus dem Haus, nur um sich einige Zeit später in einer Reihe mit anderen Arbeitslosen für eine kostenlose Speisung anzustellen. Dort trifft er auf einen alten Freund, den dasselbe Schicksal ereilt hat. Sein ältester Sohn, Takashi schreibt sich als amerikanischer Soldat ein und flüchtet vor seiner Familie lieber in den Krieg. Dieser verspricht ihm ein Abenteuer zu sein, wenn auch ein lebensgefährliches.
Mutter Megumi erfüllt mit Perfektion ihre Pflichten als Hausfrau. Um sie aus ihrer Besessenheit zu holen, bedarf es eines Einbrechers, der ihren wie einen Panzer geregelten Alltag aufbricht. Gespielt wird dieser von Koji Yakusho, ein alter Freund Kurosawas, mit dem dieser schon lange zusammen arbeitete.
Die Rolle des Vaters hat kein anderer als Teruyuki Kagawa übernommen, in einer seiner "konventionellsten" Rollen. Kurosawa fand ihn aber sehr geeignet, weil er eigentlich ein "ganz normaler Japaner" sei. Sonst ist er vor allem als Bösewicht in Blockbustern wie HERO (2007) und etwa in Takashi Miikes letztem Film SUKIYAKI WESTERN DJANGO (2007) zu sehen.
Der in sehr ruhigen Einstellungen auf 35mm gedrehte Film weiß dadurch zu erschüttern, dass er die Mechanismen der nicht funktionierenden Kommunikation so präzise und gruselig genau aufzuzeigen weiß. Eigentlich fehlt dieser Familie nicht viel, sie könnten eine Gemeinschaft sein, in der sich jeder wohl fühlt und jeder seinen Platz hat, würde es ihnen gelingen, miteinander zu reden. In jeder Einstellung möchte man ihnen gerne zurufen „Los redet miteinander, löst eure Probleme, ihr schafft es!“
Der kleine Kenji versucht auf seine Weise diesem Teufelskreis des Schweigens zu entkommen. In der Schule wird er zu Unrecht eines Delikts beschuldigt. Daraufhin verrät er der gesamten Klasse, dass der Lehrer, der ihn zu Unrecht beschuldigt, in der U-Bahn Porno-Mangas liest. Dafür wird er bestraft. Doch auch Kenji lernt sich schnell anzupassen. Als sein Vater es ihm verbietet, Klavierstunden zu nehmen, nimmt er sie schließlich heimlich, bezahlt sie mit dem Geld für das Schulessen. Dass dies genauso auffliegen muss wie die Arbeitslosigkeit des Vaters ist klar, ist nur eine Frage der Zeit. Versöhnlich lässt Kiyoshi Kurosawa am Ende seines Films jedoch einen winzigen Hoffnungsschimmer aufglimmen. Ausgerechnet die verbotene Musik des Sohnes bringt die entzweite Familie wieder näher zueinander.
Nana A.T. Rebhan







per E-Mail verschicken
Horror-Filmmeister Kiyoshi Kurosawa hat das Genre gewechselt: Seine alltäglichen Beobachtungen einer japanischen Kleinfamlie aber sind noch gruseliger als seine früheren Filme
Facebook
Twitter
RSS

