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Arte Journal - 31.5. 2010 - 01/06/10

Tödlicher Angriff auf Hilfsflotte

Israel hat in der ganzen Welt einen Aufschrei der Empörung ausgelöst, der Grund: Ein Angriff israelischer Elitesoldaten auf eine internationale Hilfsflotte für den Gazastreifen. Mindestens zehn Menschen kamen dabei ums Leben, die meisten von ihnen Türken. Noch heute Abend befasst sich der UN-Sicherheitsrat in einer Sondersitzung mit dem Angriff.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu stellte sich demonstrativ hinter die Armee. Die Soldaten hätten sich verteidigen müssen, erklärte er. Nach Medienberichten hatten einige Aktivisten die Soldaten mit Äxten und Messern angegriffen, die daraufhin das Feuer eröffneten. Insgesamt hatten sechs Schiffe Kurs auf den Gazastreifen genommen, um dort 10.000 Tonnen Hilfsgüter hinzubringen, unter anderem einhundert Fertighäuser, Nahrungsmaterial und Baumaterial. Israel hatte zuvor davor gewarnt, die Blockade des Gazastreifens zu brechen. An Bord befanden sich etwa 700 Menschen, darunter die beiden Bundestagsabgeordneten Inge Höger und Annette Groth von der Partei Die Linke sowie der schwedische Bestseller-Autor Henning Mankell.

Israel am Pranger


UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte, er sei "schockiert" über den Angriff und verlangte eine Untersuchung. In der arabischen Welt gingen tausende Menschen auf die Straße, um gegen Israels Vorgehen zu protestieren, und auch der Westen reagierte bestürzt. "Wir sind bestürzt über den Verlust von Menschenleben", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel und verlangte eine schnelle Aufklärung. Es stelle sich die dringende Frage der Verhältnismäßigkeit. Es dürfe in dieser schwierigen Situation aber keine Eskalation geben.

Sondersitzungen von UNO und NATO


Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bezichtigte Israel des Staatsterrorismus. "Internationales Recht wurde mit Füßen getreten", erklärte er, "es soll deutlich werden, dass wir nicht ruhig und teilnahmslos angesichts dieses inhumanen Staatsterrorismus bleiben werden". Auf seine Bitte hin will morgen die NATO zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Unser Korrespondent Gunnar Köhne hat die Reaktionen in Istanbul zusammengefasst.
Anja Waltereit/ Arte Journal
Quellen: dpa, afp

Erstellt: 31-05-10
Letzte Änderung: 01-06-10