(Taiwan 2005, 120 Min.)
Mit: Shu Qui, Chang Chen
Synopsis: Drei Geschichten aus Taiwan werden erzählt, die zu verschiedenen Zeiten an unterschiedlichen Orten spielen. Sie haben nur gemeinsam, dass es um Sehnsucht, Annäherung und unerfüllte Liebe geht, und dass alle drei Episoden von denselben Hauptdarstellern gespielt werden.
Der erste Teil „A time for love“ spielt 1966 in einem Provinznest, wo ein junger Mann sich in die Angestellte eines kleinen Billardsalons verliebt, kurz bevor er zum Militärdienst nach Taipei muss. Als er zurückkehrt ist May in eine andere Stadt gezogen, und er macht sich auf die Suche nach ihr.
Im zweiten Teil „A time for freedom“, der 1911 auf dem Land spielt, stellt ein Plantagenbesitzer fest, dass eine junge Kurtisane von seinem Sohn ein Kind erwartet. Er nimmt sie bei sich auf, bevor er nach Japan reist, um einen chinesischen Exilrevolutionär zu treffen. Die Hauptkonkubine seines Sohnes ist nun um ihre eigene Zukunft besorgt.
Der dritte Teil „A time for youth“ spielt im heutigen Taipei. Zhen arbeitet in einem Digital-Photoshop und betrügt seine Freundin Blue mit der Sängerin Jing, die an Epilepsie leidet und gleichzeitig eine Affaire mit einer anderen Frau hat. Niemand ist sich seiner Gefühle noch sicher.
Kritik: Regisseur Hou Hsiao Hsien – in den vergangenen Jahren mit seinen Filmen oft in Cannes vertreten, zuletzt mit „Millenium Mambo“ (2001) – beschreibt „Three Times“ selbst als eine Art Erinnerungstableau, entstanden aus Fragmenten eigener Erfahrung. Die Geschichten sind kunstvoll fotografiert, extrem verlangsamt erzählt, die zweite Episode in einer etwas künstlich wirkenden Historisierung sogar als Stummfilm, und mit einem sehr persönlichen, einfühlsamen, jedes Detail beobachtenden Blick auf die Figuren.
Genau da liegt aber auch das Problem des Films, zumindest für den Zuschauer. Im ersten Teil, in der sehr schönen, am Billiardtisch perfekt durchchoreografierten Eingangssequenz, kann man sich atmosphärisch durchaus an
In the mood for love (2000) von Wong Kar Wai erinnert fühlen. Hier gelingt es auch noch, diesen genauen und doch sehr diskreten Blick auf das Liebespaar, das seine Gefühle ja keineswegs offen zeigen kann und kaum miteinander spricht, durch winzige Gesten, Blicke und feinste Beobachtungen zu vermitteln. Aber dann wird die Perspektive so persönlich-selbstvergessen, dass das Interesse an den Figuren auf eine zu harte Probe gestellt wird und erlahmt. Das gilt ebenso für den zweiten, der als Stummfilm überhaupt nicht funktioniert, und ganz besonders für den dritten Teil, der eine stilisierte, auch im asiatischen Kino schon abgenutzte Großstadt-Metaphorik benutzt.
Die mit großem Raffinement angelegte Struktur und die außergewöhnliche ästhetische Qualität des ganzen Films werden dann auch für den wohlwollenden Zuschauer von der aufkommenden Langeweile überdeckt und sind kaum noch wahrnehmbar.
Thomas Neuhauser -------------Three TimesEin Film von Hou Hsiao Hsien(Taiwan 2005, 120 Min.)Mit: Shu Qui, Chang ChenCannes 2005 - Wettbewerb