Schriftgröße: + -
Home > Film > Kino auf ARTE > Kino auf Arte > This is Love

Kino auf ARTE - 27/04/12

This is Love

Spielfilm, Deutschland, 2008, WDR, 103 Min.
Regie: Matthias Glasner, Drehbuch: Matthias Glasner, Alex Ross, Kamera: Sonja Rom, Musik: Julian Maas, Schnitt: Mona Brauer, Produktion: Badlands Film, WDR, ARTE, Produzent: Jürgen Vogel, Lars Kraume, Matthias Glasner
Mit: Corinna Harfouch (Maggie), Jens Albinus (Chris), Jürgen Vogel (Holger), Devid Striesow (Roland), Lisa Nguyen (Jenjira), Ernst Stötzner (Jörg)

Seit ihr Mann vor 16 Jahren spurlos aus ihrem Leben verschwunden ist, hat Maggie den Glauben an die Liebe verloren. Die Jahre der Ungewissheit haben sie einsam gemacht. Als die Kommissarin eines Tages den verschlossenen Chris verhört, dreht sich ihr Leben um. Chris erzählt ihr, wie er die neunjährige Jenjira aus einem Bordell in Asien befreit und nach Deutschland gebracht hat. Jetzt ist Jenjira verschwunden und Chris weiß mehr darüber, als er verrät. In den Verhören entsteht eine Beziehung zwischen Maggie und Chris. Bei beiden werden schmerzhafte Erinnerungen wach.



Maggie arbeitet bei der Berliner Mordkommission. Sie hat die Tatsache nie überwunden, dass ihr Ehemann vor Jahren spurlos und ohne Lebenszeichen verschwand. Seitdem therapiert sie diesen Verlust mit Alkohol und begegnet ihrer Umwelt mit beißendem Zynismus. Dass ihre Sucht sie bisher nicht ihren Job gekostet hat, verdankt sie ihrem jüngeren Kollegen Roland, der sie deckt, weil er einmal ein Verhältnis mit ihr hatte.
Chris ist Sohn reicher Eltern und seit Jahren ein notorischer Einzelgänger, der seine pädophilen Neigungen bisher erfolgreich verdrängt hat. Als er mit seinem Freund Holger auf dem Weg nach Singapur eine unplanmäßige Nacht in Bangkok verbringen muss, trifft er dort auf die Kinderprostituierte Jenjira. Sofort ist er gefangen vom Charme des bildhübschen Mädchens und überredet Holger, sie außer Landes zu bringen. Die beiden kaufen sie von ihren Zuhältern frei mit dem Versprechen, in Deutschland die nötige Summe aufzutreiben.
Chris will Adoptiveltern für Jenjira finden und sich das Geld von seinem Vater leihen. Dieser verweigert jedoch seine Hilfe und Chris und Jenjira werden zu Gejagten der Zuhältermafia. Als es Holger kurze Zeit später gelingt, ein wohlhabendes Paar als potenzielle Adoptiveltern aufzutreiben, weigert Chris sich plötzlich, sich von dem Mädchen zu trennen. Stattdessen will er sie nun bei sich behalten.
Er zieht mit ihr in eine ärmliche Wohnsiedlung und nimmt einen Callcenter-Job an, um sich und das Mädchen über Wasser zu halten. Doch sieht er sich jedoch zunehmenden Anfeindungen durch seine Nachbarn ausgesetzt, die ihn für einen Kinderschänder halten und schikanieren. Als Maggie und Chris im Berliner Polizeirevier aufeinandertreffen, hat er gerade den Mord an einem Hausmeister begangen. Jenjira ist verschwunden und Chris behauptet, ihren Aufenthaltsort nicht zu kennen.
In wochenlangen Verhören versucht Maggie, ihm die Hintergründe der Tat und vor allem den Aufenthaltsort des Mädchens zu entlocken. Dabei wird die Frage, ob es sexuelle Übergriffe gegeben hat, zum zentralen Punkt, was Chris schließlich dazu veranlasst, jegliche weitere Aussage zu verweigern. Er tritt in Hungerstreik. Gleichzeitig durchlebt Maggie ihre eigene private Tragödie.
Sie erfährt, dass ihr Mann damals von der Affäre mit Roland wusste und sich deshalb von ihr zurückgezogen hatte. Zurückgeworfen in ihre Vergangenheit, findet Maggie Trost im Alkohol und lässt sich auf eine Affäre mit ihrem Thekenbuddy Jörg ein. So verliert sie die Kontrolle über ihr Leben, im gleichen Maße wie Chris, der durch seinen Hungerstreik immer schwächer wird.

Matthias Glasner ist einer der aktuellen deutschen Regisseure, die ganz nach der Devise: "Ein Tabubruch ist der beste der Weg in ein A-Festival" funktionieren. Dass diese Kalkulation aufgeht, hat Kultregisseur Lars von Trier seit zwei Jahrzehnten immer wieder bewiesen. Matthias Glasner, Regisseur von "Der freie Wille" (Silberner Bär Berlinale 2006) ist bekannt für seine Vorliebe zu ambivalenten Täterfiguren. In "This is Love" greift er das Thema Kinderprostitution ohne moralische Geißel und Aufklärungsimpetus auf.
Mit Jürgen Vogel, hier in der Rolle des Freundes Holger, verbindet Glasner eine langjährige Freundschaft, die seit Glasners Regieerstlingswerk "Die Mediocren" (1995) auch beruflich fortgesetzt wird.
Für "This is Love" wurde die Produktionsfirma Badlands Film gegründet, die unter anderem von Glasner/Vogel geführt wird. Beim 57. Festival von San Sebastián war "This is Love" in drei Kategorien nominiert. Corinna Harfouch wurde für ihre darstellerische Leistung als weibliche Hauptrolle bei den German Film Awards nominiert.
Matthias Glasner verzeichnet weiterhin Erfolge. Sein neuester Film "Gnade" (mit Jürgen Vogel und Birgit Minichmayr in den Hauptrollen) lief im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale.

This is Love
Dienstag 8. Mai 2012 um 01.40 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 2008, 103mn)
WDR

Erstellt: 27-04-12
Letzte Änderung: 27-04-12