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Ost-Skater im Kino - 01/08/12

"This Ain't California"

Sie hießen „Stehbrettsegler“ oder „Rollbrettfahrer“ und gehörten zu den absoluten Exoten: Skater in der DDR. So etwas wie Fun-Sport passte einfach nicht zum Sozialismus.

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Ronald Vietz gehörte dazu und hat jetzt aus Erinnerungen und altem Archivmaterial einen Dokumentarfilm über die Skate-Szene im Arbeiter- und Bauern-Staat gemacht.
 
Ronald Vietz, Filmproduzent
„Man braucht natürlich nicht noch einen Nischenfilm über Brühwürfel in der DDR, aber Skateboard ist einfach ein Thema, was Spaß macht und das hat uns die Möglichkeit gegeben, einen ganz intimen Blick auf die DDR zu haben. Also einen, der noch ein bisschen tiefer geht. Und vor allem auch auf eine Generation, die noch gar nichts erzählt hat zum Thema DDR.“
 
Sein Film „This Ain’t California“ ergründet das Lebensgefühl einer bislang vergessenen Generation Ost auf Rollen.
 
Ronald Vietz, Filmproduzent
„Man fährt zum Alexanderplatz und dann ist man ein kleiner Stippi und da sitzen irgendwie so zehn Leute mit roten Kopftüchern auf und du denkst: Wie cool sind die denn? Da willste unbedingt mitmachen, klar. Da willste mitfahren und dann lassen die dich auch mitfahren. Und denken einfach, ey, Skater, du hast n Skateboard dann fahr halt mit.“
Thorsten Schubert aus Leipzig und der Berliner Christian Rothenhagen waren echte Profis der Ost-Szene. Soweit man das bei Brettern Marke Eigenbau eben sein konnte. Die Vorlagen für Equipment und Technik kamen – wie alles Klassenfeindliche – natürlich aus dem West-Fernsehen.
 
Ton Thorsten Schubert, Skateboarder
 „Anfang der Achtziger - neben Breakdance, was im Fernsehen zu sehen war - war auch ab und zu mal Skateboard zu sehen. Und einen Sommer gab es, Sommer 81, da haben das alle älteren Jungs aus allen älteren Klassenstufen gemacht. Und was machste, wenn du so bist? Nachmachen.“
 
Christian Rothenhagen, Skateboarder
 „Und klassischer Anfänger: Altes Brett, 2 halbe Rollschuhe, ein paar Nägel und mal gucken, was passiert.“
 
Später wurden die Bretter abenteuerlich versteckt im Handgepäck über die Grenze geschmuggelt. Improvisationstalent brauchte man auch beim restlichen Skater-Outfit.
 
Christian Rothenhagen, Skater
„Ob das jetzt das selbstgemalte Vision-Tshirt war oder so Sachen...ich meine, wir hatten doch nichts. Also wir konnten jetzt nicht in den Skateshop gehen und so n Zeug, weil gab’s halt nicht. Es klingt total albern und affig heute, aber damals war das halt so ein Zugehörigkeitsding.“
 
Thorsten Schubert, Skater
„Die Schuhe waren am Ende tausendmal geflickt, weil sie tausendmal kaputt gegangen sind. So, die Hose war inzwischen auch schon zig Mal kaputt, auch durch’s Skateboardfahren kaputt gegangen, aber es war die einzige Jeans, die ich hatte. Und Jeans zu tragen war eh cool und zum Skaten zum Skateboardfahren erst recht.“
 
Egal wie: Oberstes Gebot war Individualität - anders sein als das staatlich verordnete Freizeitvergnügen. Die Staatsmacht hatte damit so ihre Probleme: Waren diese seltsamen Typen politisch oder gar subversiv?
 
Christian Rothenhagen, Skater
„Wir haben nicht ins Raster gepasst. Also wir waren jetzt nicht irgendwelche Leute, die mit irgendeiner Sporttruppe am trainieren waren mit einem Trainer. Und deswegen haben wir schon nicht reingepasst, weil wir ja so eine Art selbstbestimmtes Ding gemacht haben. Wir waren halt einfach die Typen, die auf dem Skateboard rumgeeiert sind.“
 
Die Staatsmacht beließ es bei der Observierung der Skater. Und so fällt der Rückblick auf die DDR aus der Skater-Perspektive versöhnlich aus.
 
Ronald Vietz, Filmproduzent
„Ich habe mich nicht so als Held gefühlt, es war eher so, dass man irgendwo mal angekommen ist, wo Leute sind, die so drauf sind wie man selber. Wenn du in der Klasse immer der eine oder zwei andere Leute waren, die so ein bisschen abseits waren und du triffst Skater, dann merkst du auf einmal, ah, da sind noch mehr Leute, die sind so drauf wie du.“

Film

"This Ain't California", Regie: Marten Persiel.
Filmstart: 16. August 2012.

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Freitag 9. März 2012 um 01.20 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 2012, 52mn)
WDR

Erstellt: 24-02-12
Letzte Änderung: 01-08-12