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ARTE Frankreich - 22/04/04

Themenabend: Angkor - Erbe der Khmer

Freitag, 20. Februar 2004 ab 22.30 Uhr




Angkor und seine Tempelanlagen sind ein bedeutendes Symbol für die kambodschanische Geschichte und Kultur. Nach jahrelangem Bürgerkrieg und der Schreckensherrschaft der Roten Khmer dienen die Ruinen von Angkor als Stätte der Rückbesinnung. Der Themenabend zeigt die Schönheit Angkors und seine Bedeutung für die Kambodschaner.

Die kambodschanische Geschichte, Identität und Kultur ist untrennbar mit den Tempelanlagen von Angkor verbunden. Die wegen ihrer Schönheit weltberühmte Stätte ist nicht nur Anziehungspunkt für ausländische Touristen, sie hat auch für die Kambodschaner nichts von ihrer Symbolkraft und identitätsstiftenden Wirkung verloren. Als Ort der Rückbesinnung und des Nachdenkens über die Zukunft hat diese Ruinenstätte für die Khmer weiterhin eine tiefe Bedeutung. Die Beiträge des Themenabends zeigen ein von traumatischen Ereignissen geprägtes Volk, das sich nach dem von den Roten Khmer angezettelten Völkermord wieder auf seine Wurzeln besinnt.


22:30 Uhr
Die Leute von Angkor
Dokumentarfilm, Frankreich 2003
Erstausstrahlung, 94 Min
Von: Rithy Panh


Wie die Bilder und Figuren der Tempelanlagen von Angkor ein gewaltiges Puzzle der Geschichte der Khmer darstellen, so verdeutlichen die unterschiedlichen Menschen, die in Angkor leben und arbeiten, die Viefältigkeit der kambodschanischen Gegenwart.

Auf einer Baustelle zur Restaurierung des Baphuon-Tempels in den Anlagen von Angkor setzen Bauarbeiter Steine eines alten Reliefs wieder zusammen. Wie in einem gewaltigen Puzzle ersteht vor ihren Augen die Geschichte der alten Khmer, vom Mythos der Erschaffung der Welt über beschauliche Alltagsdarstellungen und Lobpreisungen der anmutigen Apsara-Tänzerinnen bis hin zu epischen Schilderungen der großen Schlachten. Unter den in Angkor lebenden Menschen ist auch ein junger Straßenhändler, der sich Gedanken um seine Zukunft macht, denn er hat nie eine Schule besucht und kann weder lesen noch schreiben. Einer der Arbeiter war früher Bauer, der sein Stück Land schmerzlich vermisst und sich sogar nach der Schinderei auf dem Acker zurücksehnt. Ein anderer setzt große Hoffnungen auf seinen Kampfhahn namens "Zitronensuppe", den er sorgfältig hegt und pflegt. Und im fahlen Morgenlicht sieht man Mönche, die auf den Steinen des eingestürzten, doch noch immer von Göttern bewohnten Tempels meditieren und beten.

Im Mittelpunkt des Dokumentarfilms stehen nicht die historischen Tempelanlagen von Angkor, sondern die Menschen, die dort leben und arbeiten. Die verschiedenen Schicksale begegnen sich kurz und fügen sich ähnlich der alten Tempelsteine zu einer Geschichte aus Schmerz und Hoffnung, aus Vergangenheit und Gegenwart zusammen, in der sich Göttliches und Menschliches vermischen und in der Existenzangst mit Humor getragen und dadurch zu Lebenskunst wird.


00:15 Uhr
Die Rückkehr der himmlischen Tänzerinnen

Dokumentation, Japan/Frankreich 2003, ARTE F, Erstausstrahlung, 53 Min.
Coproduction : ARTE France, NHK
Von: Shinichi Mikami

Die Dokumentation zeigt, wie in Kambodscha die Tradition des Apsara, des "Tanzes der himmlischen Nymphen", neu belebt wird.

Nachdem durch Bürgerkrieg und Terror diesem Bestandteil der kambodschanischen Kultur der Untergang drohte, versuchen Musiker und Tänzer den Apsara für die Nachwelt zu retten.

Eine Weile stand zu befürchten, dass der Apsara, der "Tanz der himmlischen Nymphen" - eine 1.500 Jahre alte Tradition der Khmer-Kultur - nur noch auf den Flachreliefs von Angkor Wat zu sehen sein würde. Doch selbst dies war nicht sicher. Als in den 70er Jahren Kambodscha von Krieg und Terror heimgesucht wurde, wurden die erotischen Darstellungen auf den Reliefs der Tempelanlage zum Teil zerstört. Fast keiner der ehemaligen Apsara-Tänzer übte nach dem Krieg seine Kunst noch aus. Und kaum einer, der in der Lage gewesen wäre, das "himmlische Lied" und die Apsara-Tanztechniken an andere weiterzugeben, hatte überlebt.

Die Dokumentation zeigt, wie die Apsara-Expertin Em Theay mit Unterstützung der Königlichen Universität der Schönen Künste von Kambodscha alles versucht, diese alte Tradition am Leben zu erhalten. Dabei fehlt es nicht an jungen Kambodschanerinnen, die den Status einer professionellen Apsara-Tänzerin erwerben möchten. In der Übungshalle der Universität verbringen sie viele Stunden damit, ihre Körper an die äußerst schwierigen, aber anmutigen Stellungen zu gewöhnen und die wunderschönen klassischen Gesänge einzustudieren. Das Problem besteht darin, dass viele Partituren und Aufzeichnungen der traditionellen Tanzschritte im Krieg zerstört wurden.

Einer glücklichen Inspiration folgend, bat ein Ballettleiter die Tänzerin Ron Rathmony eine besonders wichtige Szene nicht aus dem Gedächtnis, sondern ausgehend von den Muskeln ihres Körpers nachzuempfinden. Als die Musik einsetzte, begann sie sich langsam im Rhythmus zu bewegen. Zu ihrer eigenen Überraschung erinnerte sich ihr Körper. Sogar die Worte und die Melodie des Liedes konnten wiedergefunden werden. Nach drei Monaten harter Arbeit war Ron Rathmony in der Lage, auch ihre Studentinnen die genauen Abläufe des Tanzes zu lehren.

Erstellt: 22-04-04
Letzte Änderung: 22-04-04