Kritik: Der Kinofilm THE SINGING DETECTIVE ist ein Remake der gleichnamigen BBC Mini-Serie aus dem Jahre 1986, dem größten Wurf des ansonsten weitestgehenden unbekannten englischen Drehbuchautors und Regisseurs Dennis Potter. 1992 kondensierte Potter höchstpersönlich die Serie auf nicht mal ein Drittel der Länge, verlegte die Handlung aus den 40er Jahren in Großbritannien in die 50er Jahre nach Amerika und wechselte die 40er Jahre Brit Pop Songs gegen frühe Rock’n’Roll Songs der 50er Jahre aus. Leider verstarb er zwei Jahre später und sein Drehbuch kreiste eine Dekade lang bei amerikanischen Studios. Schließlich fand Mel Gibson mit seiner Produktionsfirma ICON Interesse an dem schrägen Stoff, und wollte auch selbst mitspielen. Keith Gordon zeigte sich begeistert, die Regie zu übernehmen und konnte seinen ehemaligen Schauspielerkollegen Robert Downey Jr. (1986 teilten sie sich in BACK TO SCHOOL ein gemeinsames Zimmer) dazu bewegen, die Hauptrolle zu übernehmen. Robert Downey Jr. glänzt in dieser schwierigen Doppelrolle: Er spielt den zynischen kranken Autor genauso überzeugend wie den extrem coolen Detektiv, der einem Film Noir entsprungen zu sein scheint. Auch die vielen Musical-Einlagen und Tanznummern meistert er souverän. Für diesen grandiosen Spagat hätte er einen Oscar verdient.
Der Film springt gnadenlos zwischen diversen Realitätsebenen hin und her: Da steht etwa im gleißend hellen Krankenhaus ein halbes Dutzend Ärzte im weißen Kittel zur Visite um das Bett des Patienten Dan Dark, und verfällt innerhalb weniger Sekunden in eine Musicalnummer. Eine absurde Situation. Dan Dark sieht den coolen Detektiv vor sich, der in einem Mordfall ermittelt, und auf einmal sitzt er selbst an dessen Stelle. Oder ist er gar selbst der Detektiv? Und wer sind die beiden lässigen Gangster (Adrian Brody und Jon Polito), die ihm scheinbar nach dem Leben trachten, aber dann immer wieder in Tanznummern verfallen? Cutter Jeff Wishengrad hat - gemeinsam mit dem Ausstattungsteam – hervorragende Arbeit geleistet, um die Übergänge zwischen den permanent wechselnden Ebenen geschmeidig zu gestalten.
THE SINGING DETECTIVE erfordert eine hohe Flexibilität des Zuschauers, am ehesten funktioniert er wie ein Comic – nur eben auf der für den Konsumenten wesentlich schwieriger zu gestaltenden Filmebene. Doch der unkonventionelle Genre-Mix aus Drama, Film Noir, Comedy und Musical überzeugt. Freunde schräger Unterhaltung sind hier bestens aufgehoben.
Nana A.T. Rebhan






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