Niederlande 2003, 77’
Kritik: 2002 herrschte in Holland Katzenjammer – hatte man sich doch erstmals seit langer Zeit nicht für ein internationales Turnier und dann noch ausgerechnet nicht für die WM qualifizieren können. Das erlittene Fußballtrauma brachte Filmemacher Johan Kramer auf die Idee, einmal einen Blick auf die Rangliste der FIFA zu werfen. Ganz unten auf der Liste der schlechtesten Mannschaften der Welt standen die Fußballentwicklungsländer Montserrat und Bhutan –kickende Zwerge, die regelmäßig den Platz mit manchmal zweistelligen Niederlagen verlassen. So entstand die von der FIFA abgesegnete Idee zu einem Fußballtreffen der ganz anderen Art – ganz im ursprünglichen Geist des Fußballs als Motor der Völkerverständigung sollten die beiden schlechtesten Mannschaften gegeneinander antreten und dabei weniger den Kampf um die schlechteste Mannschaft der Welt ausfechten, sondern im Licht weltweiter Medienpräsenz den Fußballgiganten demonstrieren, dass Sport nicht nur Wettbewerb ist, sondern auch den Weltfrieden, Harmonie und Verständnis fördern kann.
Zunächst lässt Filmemacher Johan Kramer, der sich in Holland einen Namen als Werbe – und Musikclip-Regisseur gemacht hat - was man dem Film ästhetisch ansieht - den Ball in Montserrat aufspringen, jener 1997 von einer Serie von Vulkanausbrüchen heimgesuchten winzigen Karibikinsel. Dort müssen Fußballfreunde sich nicht nur gegen den Nationalsport Kricket behaupten, sondern auch gegen widrigste Umstände – das einzige Stadium wurde von Lava und Asche zerstört, die meisten Einwohner verließen danach das Land. Nationaltrainer Paul Morris muss Trillerpfeifen in England kaufen und sehen, dass er für jedes Spiel eine vollständige Mannschaft zusammenbekommt. Wenig besser geht es den Bhutanern, die immerhin nicht von Naturkatastrophen heimgesucht werden und deren Monarch für seine Bewohner die Erreichung irdischen Glücks als höchstes Ziel ausgerufen hat. Dieses Glück befördert seit einiger Zeit auch der Fußball, seit das kleine Königreich Gaststudenten und –arbeiter ins benachbarte Indien geschickt hat und diese von dort das runde Leder importiert und dem Nationalsport Bogenschießen Konkurrenz gemacht haben.
Natürlich haben beide Länder noch nie etwas voneinander gehört. Wer weiß, ob die Montserrater jemals die Reise angetreten hätten, hätten sie gewusst, wie strapaziös der 6-tägige Trip werden würde und welche Magen-Darm-Viren man sich in Kalkutta einfangen kann, wo das Team unfreiwillig eine Nacht verbringen muss. Mit der Spannung steigt auch der Ehrgeiz beider Mannschaften – jeder will nun unbedingt das Stigma der schlechtesten Mannschaft der Welt loswerden. In Bhutan wird das kommende Spiel gar zur nationalen Angelegenheit erklärt und Mannschaftsführer Wangyal Dorji verbringt schlaflose Nächte auf der Suche der besten Vorbereitung und Strategie für sein Heimatland. Kurz vor Anpfiff stehen beide Mannschaften ohne Trainer da – Bhutans Trainer ist plötzlich verstorben und der aus England stammende Trainer Montserrats Paul Morris erklärt seinen Rücktritt – wie sich herausstellt, nicht ganz freiwillig: Der Verbandspräsident hatte seine eigenen Vorstellungen von der Mannschaftsaufstellung und brauchte noch schnell ein paar Freunde darin unter.
Auch in Montserrat also gilt die Regel – je größer das Medienecho und der Ruhm, desto größer der Wettbewerb und geringer die Völkerverständigung. Doch ein schönes, packendes, überraschendes Finale, dessen Ausgang nicht verraten wird, gibt es am Ende trotzdem.
Martin Rosefeldt






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