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Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 24. März 2005 - 11/08/08

The Nomi Song

Ein Film von Andrew Horn


Nicht nur Nomis Gefühlskraft, sondern auch die
Emotionen, die sich hinter der weißen Maske verbargen

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Synopsis: Der Countertenor Klaus Nomi wurde in den 70er-Jahren zur Ikone des New Yorker Underground. Mit seiner unglaublichen Stimme, seinem weiß geschminkten Gesicht und seinen schrillen Outfits machte er in den Clubs Furore. Er wirkte in Filmen mit und veröffentlichte zahlreiche Platten. Sein Bühnenprogramm umfasste neben Interpretationen von Saint-Saëns „Samson and Delilah“ u.a. auch Donna Summers „I Feel Love“ und Chubby Checkers „The Twist“. Als er 1983 an Aids starb, war der Höhepunkt seiner Popularität noch lange nicht erreicht. „The Nomi Song“ ist die Geschichte einer Legende.

Kritik: Im New York der späten 70er-Jahre erreichte die künstlerische Kreativität des Underground ihren Höhepunkt. Statt Discomusik und Pailletten waren nun Punkrock und New Wave angesagt. Die Zeit der kalten Synthesizer-Klänge war angebrochen.

Der in Bayern als Klaus Sperber geborene Klaus Nomi wuchs in Ostdeutschland auf. Er wurde Teil des Maelström und steckte seine gesamte Energie in seine Performances. Er arbeitete sein Leben lang an seiner Bühnenfigur und erschuf sich immer wieder selbst, wobei das grellweiß geschminkte Gesicht, die futuristischen, bis ins letzte Detail durchgestylten schwarz-weißen Kostüme und die abgehackten Bewegungen zu seinem Markenzeichen wurden. Die göttliche Stimme, die tief unter die Haut geht, steht in krassem Gegensatz zu seinem roboterartigen Auftreten. Zu Beginn der 80er-Jahre wurde er zur Kultfigur und 1983 durch seinen frühen Tod zur Legende.

Andrew Horn zeigt zu Beginn und am Ende seiner Dokumentation eine manipulierte Szene aus einem zweitklassigen Science-Fiction-Film und vermittelt so von der ersten Minute ein Gefühl von Fremdheit, Faszination, Kitsch und Modernität, das Nomi zu erzeugen wusste. Der Regisseur lässt in seinem Film auch Freunde und Künstler aus Nomis futuristischer Kabarett-Truppe „Nomi’s Family“ zu Wort kommen, wobei ihre Erinnerungen Nomis eiskaltes Image völlig widerlegen. Seltene Archivaufnahmen zeigen ihn bei Auftritten mit der „Family“ und man hört ihn singen, mit dieser Stimme aus einer anderen Zeit, einer anderen Welt. Die Bilder fangen an zu knistern, Nomi wirkt verzerrt, deformiert, sein Gesicht erscheint plötzlich weniger hager. Seine dunklen, klaren Augen, weit weg und doch von brutaler Intensität, funkeln und erzählen von einem seltsamen Glück.

Andrew Horn ist es gelungen, nicht nur Nomis Gefühlskraft zu vermitteln, sondern auch die Emotionen, die sich hinter der weißen Maske verbargen. Klaus Nomi ist im Film als lebensgroße mechanische Puppe vor einer nachgebauten Kulisse zu sehen. Seine alte Tante in Bayern erzählt, schüchtern in die Kamera blickend, von der Sensibilität ihres Kläuschens. Zunächst lacht man über ihren Dialekt, doch am Ende ist man unendlich bewegt. Hinter jeder Maske verbirgt sich ein Kind. Das androgyne, narzisstische Wesen auf der Bühne verdeckte seine Schwächen: Nomi war krankhaft schüchtern und äußerst sensibel - wie auch eine andere New Yorker Legende, Andy Warhol.

Der Film endet nicht mit Nomis furchtbarem Tod, sondern mit einem einfachen, wunderschönen Gespräch, das Nomi mit einem Kind führte, mit einem Hauch von Zärtlichkeit.

Delphine Valloire
The Nomi Song
Ein Film von Andrew Horn
Deutschland 2004, 98 Min.
Sektion Panorama Dokumente, Berlinale 2004

Erstellt: 22-03-05
Letzte Änderung: 11-08-08