Paul DeMarinis im Interview
Seine bereits 1998 entstandene Arbeit The Messenger gewann bei der diesjährigen Ars Electronica die Goldene Nica in der Kategorie "Interaktive Kunst". Hier verwendet er archaische Medien, die Nachrichten übertragen, aber nicht speichern können. Wenn die Signale nicht beobachtet, niedergeschrieben und interpretiert werden, ist die Installation die Endstation für Nachrichten, die rund um die Welt gegangen sind, um in der Galerie zu vergehen – eine Metapher für all jene ins Leere laufende Botschaften, die einen grossen Anteil des elektronischen Schriftverkehrs ausmachen. Denn: Wieviele unsere E-Mails heute sind es wirklich wert, auch gespeichert zu werden? DeMarinis hinterfragt Modeeffekte neuer Kommunikationsformen.
Seine privaten E-Mails sind auch Ausgangspunkt der Installation, SPAM und Rundmails inklusive. Die Informationen werden von einem modernen Medium in vermeintlich simplere übertragen. DeMarinis hat dazu drei Ideen von Ausgabegeräten gebaut: Da sind zunächst 26 in einem Oval angeordnete Waschschüsseln; soviele Bassins, wie das Alphabet Buchstaben hat. In jedem erschallt jeweils ein einziger Buchstabe. Das zweite System besteht aus 26 Skelett-Miniaturen, denen ein Umhang mit je einem Buchstaben übergestülpt ist. Bei jedem Zeichen wird ein Skelett stimuliert und hüpft auf und ab. Eine dritte Lesmöglichkeit ergibt sich über eine Reihe von 26 Einweckgläsern, die jeweils einen metallernen Buchstaben in grünlicher Elektrolytflüssigkeit enthalten. Ein elektrischer Impuls löst eine chemische Reaktion des Elektrolytes aus und lässt die Buchstaben der E-Mail farbig sprudeln. The Messenger basiert auf frühen Vorstellungen, Telegraphie zu konzipieren. DeMarinis hat alte Pläne des katalanischen Arztes und Naturforschers Francesc Salva i Campillo ausgegraben. Dieser hatte sich im 18. Jahrhundert vorgestellt, als Ausgabegerät seiner frühen Telegraphen-Technik 26 Dienstboten zu elektrisieren, die so stimuliert jeweils einen Buchstaben der übertragenen Botschaft ausrufen sollten, und die sich so dem Zuhörer sukzessiv erschliessen sollte. Schon immer also hat es Nutzniesser und Gepeinigte neuer Medien gegeben…
- Links
>> Website von Paul DeMarinis
- Weitere Artikel
>> Geolokalisierung: zwischen Überwachung und Konversations-Smog
>> John Maeda – "In simplicity we trust"
>> "The Messenger" von Paul DeMarinis
>> The Robotic Chair
>> Yokomono – eine kurzwellig/kurzweilige Sound-Installation von Geert-Jan Hobijn und Carsten Stabenow, alias "Staalplaat"
- Das Festival
Simplicity
vom 31. August bis zum 05. September 2006
in Linz - Österreich
>> Offizielle Website
...................................................
Kultur Digital
September 2006
Text von Jens Hauser
....................................................






per E-Mail verschicken
Facebook
Twitter
RSS

