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Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 29. Juli 2004 - 28/07/04

The Ladykillers

Es macht keinen Sinn, dieses liebevolle Remake mit dem Original zu vergleichen


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Ein Film von Joel und Ethan Coen
 
    
Synopsis: Professor Goldthwait Higginson Dorr hat einen unschlagbaren Plan für den Einbruch des Jahrhunderts ausgearbeitet und ein Team angeblicher Profis angeheuert. Dies sind: ein Sprengstoffexperte, ein Tunnelgräber, ein Haudegen und ein Informant. Ihr Hauptquartier befindet sich im Keller der alten Mrs. Munson, einer eifrigen Kirchgängerin, die nicht das Geringste ahnt. Die fünf Männer geben sich als Musiker aus und nutzen den Keller angeblich als Probenraum. Das Problem: Dorr und seine Leute sind alles andere als Profis, und Mrs. Munson haben sie gründlich unterschätzt. Als diese hinter die Einbruchspläne kommt, droht sie mit der Polizei. So beschließen die Männer, dass sie verschwinden muss. Das dürfte bei einer alten Dame ja wohl nicht allzu schwierig sein...
 
Kritik: Die Brüder Coen widmen sich erneut ihrem Lieblingsthema: einer Bande von ungeschickten, unerfahrenen, rührend dummen Ganoven, die einen zum Scheitern verurteilten Coup planen. Diese Verbrecher-Azubis treten in die Fußstapfen der Looser aus „Raising Arizone“, „Fargo“ oder „O Brother, Where Are Thou?“ und haben außerdem viel von den unzähligen, auf ewig unbekannt bleibenden Kleingaunern, von denen es täglich in den Lokalzeitungen wimmelt und die den Brüdern Coen schon häufig den Stoff für ihre haarsträubenden Geschichten geliefert haben. Deren neuer Film basiert diesmal jedoch nicht auf wahren Begebenheiten, sondern auf dem Drehbuch zu einem Klassiker der britischen Komödie, den Alexander Mackendrick“ 1955 mit Sir Alec Guinness in der Hauptrolle drehte.
 
Eine Kleinanzeige des Professor Goldthwait Higginson Dorr, Spezialist für alte Sprachen und Kopf der Bande, hat die ungleichen Typen rein zufällig zusammengeführt. Diese planen, den Tresorraum eines schwimmenden Kasinos zu knacken, der sich hinter dem Haus einer alten frommen Dame befindet, bei der der Professor ein Zimmer und den Keller mietet, „um mit seinen Musikerfreunden zu proben“. Natürlich haben alle Figuren irgendetwas Groteskes, Karikaturhaftes an sich, das macht ja den Charme eines jeden „Coen Bros Movies“ aus: Da ist der asiatische General, dem kein einziges Wort über die Lippen kommt, der dümmliche Muskelprotz zum Graben, ein Feuerwerker, dem ein Finger fehlt und ein junger Taugenichts, der nur Schimpfwörter von sich gibt. Ein Gag reiht sich an den anderen: eine rote Katze als singender Spaßvogel, ein sich bewegendes Porträt, eine erstickende Bulldogge, regelmäßig wiederkehrende Magen-Darm-Probleme, Tollpatsche in Blümchenschürzen, „Hippity-Hop“ und eine verschluckte Zigarette, die eine katastrophale Kettenreaktion auslöst. Doch wirkt der Film gelegentlich etwas schwachbrüstig, etwa so wie die alte Dame, die beschwerlich durch die idyllischen Straßen läuft – es hätte nicht viel gefehlt und der Film wäre in tiefster Langeweile versunken.
 
Der rettende Anker, der den Film dann doch vor dem Untergehen bewahrt, ist Tom Hanks in der Rolle des Professor Higginson Dorr, eines gebildeten, eitlen Mannes und Meisters der verkünstelten Rede, dem jedes seiner brillanten Bonmots selbst eine unterdrückte Lachsalve entlockt (offensichtlich eine Hommage Tom Hanks’ an einen seiner alten Lehrer!) und der bei jeder sich bietenden Gelegenheit dieselben abgedroschenen Verse von Edgar Allan Poe rezitiert. Mit seinem Mantel aus dem vorletzten Jahrhundert und seiner schwarzen, leicht schmuddeligen Fliege könnte diese Figur eigentlich durch und durch lustig sein, wenn da nicht dieser seltsame Ausdruck wäre, der ihr von Zeit zu Zeit über das Gesicht huscht.
 
Zum ersten Mal streifen die Brüder Coen hier nämlich eine der obskuren Seiten der amerikanischen Kultur: die Gothic-Bewegung. In der Dämmerung beobachten die steinernen Wasserspeier einer Hängebrücke die Müllboote im Mississippi. Sie fahren in Richtung „Toteninsel“, einer öffentlichen Müllkippe, die nichts mit Böcklins Meisterwerk zu tun hat... Von dieser Brücke aus löst sich alles auf, in ihren grauen Schatten verschwinden Leichen und Beweismittel in einer Wolke aus Aasgeiern – bis auf den weißen Umhang des Professors, der wie ein großer Stoffalbatros und endlich befreiter Unglücksvogel davonfliegt.
 
 Delphine Valloire
 
 
 Kritik: Die Neuverfilmung eines Klassikers ist immer ein heikler Balanceakt zwischen Respekt gegenüber dem Original und der eigenständigen Neuinterpretation. Wenn es sich dann auch noch um ein so stark im kollektiven Filmgedächtnis verwurzeltes Meisterwerk des schwarzen, englischen Humors handelt, wie „The Ladykillers“ aus dem Jahr 1955, ist das Risiko besonders hoch, diejenigen zu enttäuschen, die den alten Film von Alexander Mackendrick mit Alec Guiness und Peter Sellers in guter Erinnerung haben.
 
Die Coen-Brüder, die bei diesem Remake erstmals die bisherige Arbeitsteilung aufgegeben haben, und gemeinsam Regie führen, sind der Originalvorlage von William Rose (die damals für einen Oscar nominiert war) weitgehend treu geblieben, und haben sich doch weit genug von der etwas angestaubten, steifen Komik entfernt, um die eigene Handschrift deutlich erkennen zu lassen.
 
Dazu wurde die Geschichte um den exzentrischen Professor (Tom Hanks auf den Spuren von Alec Guiness), der sich bei einer freundlich-weltfremden alten Lady einmietet, um mit seiner skurrilen Gang das Riverboat-Casino „Bandit Queen“ (!) zu überfallen, in den schwarzen Süden des Mississippi-Deltas verlegt, und das gibt dem schwarzen Humor im besten Sinn eine zusätzliche Farbe. Denn es wären nicht die Coen-Brüder, wenn sie sich dabei nicht respektlos und treffsicher über die Mentalität und das Lokalkolorit dieser Südstaatenregion und ihrer überwiegend schwarzen Bewohner lustig machen würden – genauer gesagt natürlich über die Klischees und naiven Vorurteile, die über diesen Landstrich noch in den Köpfen stecken. Die Landlady des Professors ist resolut und gottesfürchtig, das Blues-Prinzip der Verlangsamung hat sich bis in die Sprache und in die Körperbewegungen durchgesetzt, in der Kirche trifft sich die schwarze Bevölkerung, und der Gottesdienst wird regelmäßig zu einer mitreißenden Gospelshow, als hätte sich auf den Baumwollfeldern nichts geändert.

Ähnlich wie in ihrer vorherigen Südstaatenkomödie „O brother, where art thou?“ (2000) setzen die Coen-Brüder die Musik wieder als ein zentrales Stilmittel ein, mit dem sie ihren ironischen Spielraum erweitern und verstärken, und manchmal bis ins Groteske steigern, was ein wesentlicher Teil des Vergnügens ist, den sie wohl auch selbst bei den Dreharbeiten hatten.
 
Es macht keinen Sinn, dieses liebevolle Remake mit dem Original zu  vergleichen, es ist davon inspiriert und erzählt die gleiche Geschichte, aber eben in einer ganz anderen Tonart, die der einer „schwarzen“ Komödie im doppelten Wortsinn angemessen ist. Die Synchronisation wird es auch hier wieder besonders schwer haben, den Rhythmus und die Musikalität der Sprache zu übertragen, aber auch wenn nicht alle Anspielungen und Insiderspäße nachvollziehbar sind – wer Slapstick und Situationskomik zu schätzen weiß, wird hier bestens unterhalten.

 Thomas Neuhauser
 
(USA, 2004, 104 Min.)
von Joel und Ethan Coen
mit Tom Hanks, Irma P. Hall, Marlon Wayans, J. K. Simmons, Tzi Ma, Ryan Hurst

Erstellt: 27-07-04
Letzte Änderung: 28-07-04